Wurzeltour Bienen

weimar-25_sfd.jpegweimar-bienentour-img_2059.jpgweimar-bienentour-img_2083.jpgweimar-bienentour-img_2091.jpg

„Back to the roots“ beim Imker Die Geschichte von Bienchen und Blümchen kennt jeder. Dass sich dahinter aber ein ernsthafter Beruf verbirgt, dass unsere Bienen in großer Gefahr sind und was das alles mit unserer Umwelt zu tun hat, weiß aber kaum jemand. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums von Slow Food Deutschland e.V. werden bundesweit Touren und Events veranstaltet, die rund um das Thema ökologisch nachhaltige Erzeuger und Produkte aufklären. Eine dieser Touren führt auf das idyllische Schloss Tonndorf in Thüringen.Dort leben tausende summende Bewohner. Um uns mit diesen bekannt zu machen, treffen wir Michael Grolm. Er arbeitet hier zusammen mit drei weiteren Männern als Berufsimker. Und das mit Leib und Seele: Seit Jahren setzt er sich für lokale, ökologische Landwirtschaft ein und kämpft gegen Genmanipulation und konventionelle Agrarwesen. Für die Tour führt er uns über das Gelände des Schlosses und den Bienengarten. Jeder von uns Teilnehmern spürt sofort, wie sehr ihm sein Fach am Herzen liegt, während er uns viele interessante Fakten über Bienen, die Imkerei und ihre Geschichte erzählt. So steht auf Schloss Tonndorf zum Beispiel noch ein originaler Imkerwagen aus DDR Zeiten. Zum Glück sagt Michael Grolm sei das Imkern heute sehr viel komfortabler als zu DDR Zeiten. Damals benutzte man große dunkle Wagen in denen kaum Licht einfiel und viele Bienen daher bei der Honigernte zerquetscht wurden. Zudem durften wir alle auf Tuchfühlung mit den Bienen gehen und Honig direkt aus der Wabe naschen. Für viele eine Überwindung, denn auf den Waben saßen noch hunderte Bienen. Aber für den wahrscheinlich frischesten Honig, den wir je essen durften hat es sich gelohnt seine Angst zu überwinden. Faszinierend dabei war, wie ruhig die Bienen blieben, trotz der vielen Finger, die in ihren Waben steckten. Auch konnten wir zugucken wie der Imker die Bienenkönigin mit bloßen Händen hochnimmt, markiert und wieder ins Volk setzt. Dabei erklärt er, dass dies immer so getan wird, um die Königin leichter wieder zu finden. Damit die Bienen so ruhig sind, wird vorher Rauch in den Bienenkasten gesprüht. Das simuliert einen Waldbrand für die Bienen: Sie ziehen sich alle auf die Waben zurück und trinken so viel Nektar, dass sie träge werden und dadurch weniger stechfreudig sind. Michael Grolm betont während unserer Tour auch immer wieder die Wichtigkeit des Imkerhandwerks und das Problem des Nachwuchsmangels in der Landwirtschaft. Denn konventionelle Landarbeit, wie sie heute üblich ist basiert auf endlichen Ressourcen wie Phosphor, Erdöl etc. und diese werden in den nächsten 100 Jahren aufgebraucht sein. Daher sei es wichtig nachhaltige ökologische Landwirtschaft zu fördern. Auf Schloss Tonndorf stellen sie daher nur Bio-Honig her und setzten sich für nachhaltige Imkerei ein. Und das sei wichtig für uns alle, denn Bienen spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem der Erde: Sie bestäuben ca. 70 % der Pflanzen. Die sind Sauerstoffspender und Nahrungsgrundlage für alle Lebewesen. Also kurz gesagt: keine Bienen – kein Leben. Damit ist auch klar warum uns Themen wie Bienensterben alle interessieren sollte. Etwas dagegen zu tun ist ganz einfach: Regionale Produkte kaufen, die biologisch angebaut sind. Ein Beispiel, wie regionale Landwirtschaft funktioniert hat uns Michael Grolm auch gleich gezeigt auf einer Streuobstwiese, die er zusammen mit Landwirten in Thüringen bewirtschaftet. Hier leben ca. 50.000 Bienen in 12 verschiedenen Völkern, die fleißig Honig produzieren, der dann im Erfurter Erzeugerladen verkauft wird. Der Erzeuger Laden wurde 2017 von mehreren Landwirten gegründet. Zusammen mit Slow Food versuchen sie regionale Produkte der Bauern in der Stadt zu verkaufen. Dabei sind sie teilweise sogar günstiger als herkömmliche Bioläden. Auch geht es den Landwirten darum die Menschen wieder von saisonalem Essverhalten zu überzeugen. Und genau das haben wir am Ende unserer Tour dann auch ausprobiert: Bei einem Buffet im Laden durften wir viele regionale Köstlichkeiten, wie Kuh- und Ziegenmilchkäse, Rinderwurst, Landbrot, Rote-Beete-Salat und natürlich viele verschiedene Honigsorten probieren. Der perfekte Ausklang für einen sehr lehreichen und spannenden Tag, der in vielen von uns Teilnehmern die Lust geweckt hat uns selbst ein Bienenvolk anzuschaffen oder wenigstens nur noch Bio-Imker Honig zu kaufen.

Text: Ricarda Leske - Praktikantin bei MOHR MEDIA  Fotos: Anton Peschel - Schülerpraktikant bei MOHR MEDIA (mehr Fotos folgen)