Projekttage 2019

Im Rahmen des Schulprojekts Edible Connections bringt Slow Food Schülerinnen und Schüler auf den Acker, in die Backstube und auf den Markt, um sich die Lebensmittelrealität und -prozesse vor Ort anzuschauen.

Zweiter Projekt-Durchlauf: Berlin (Deutschland) - Greater Masaka (Uganda)

Im Rahmen des Slow-Food-Bildungsprojektes Edible Connections startete Mitte September 2019 ein zweiter Projekt-Durchlauf, diesmal zwischen einer 9. Klasse aus Berlin-Pankow und einer Schulklasse aus Greater Masaka in Uganda. Schwerpunktmäßig befassten sich die Schüler*innen mit der Frage, inwieweit ihre eigene Ernährungsweise und auch der damit einhergehende Konsum Auswirkungen auf das Klima hat und sogar den Klimawandel vorantreibt: In diesem Rahmen erarbeiteten sie Do‘s und Dont‘s für eine klimafreundliche Ernährung.

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Dass die Klimakrise bereits an unsere Tür klopft, nahmen die Schüler*innen der Hagenbeck-Schule in Berlin-Pankow bereits beim ersten Treffen wahr und berichteten von ihrem Engagement, sich an den Fridays for Future Demos zu beteiligen. Im Rahmen des Schulprojekts "Edible Connections" wurde dieses aktuelle Thema der Klimaveränderung thematisiert, denn eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Ernährung sind wichtige Stellschrauben, um dem Klimawandel entgegenzuwirken: Insgesamt verursacht die Landwirtschaft circa ein Viertel aller globalen Treibhausgase und das bezieht die durch die Lebensmittelproduktion verursachten Emissionen noch nicht einmal mit ein. Bei der Besprechung einiger fakten zum Thema Klima und Ernährung wurde den Lernenden schnell klar, dass unser Ernährungsstil und unser Einkaufsverhalten im Kontext des Klimawandels entscheidend sind. 

Interkultureller Austausch: Die Liebe für Pancakes kennt keine Grenzen!

Für ein erstes Kennenlernen tauschten sich die Berliner Schüler*innen mit ihrem Gegenüber in Uganda über ihre Essgewohnheiten während eines Live Calls aus. Erste Gemeinsamkeiten wurden schnell gefunden und zeigten: die Liebe für Pancakes kennt keine Grenzen! In den Wochen darauf ging es dann bei den Projekttagen auf einen lokalen Wochenmarkt, in einen Bio-Supermarkt, einen konventionellen Supermarkt sowie zur handwerklich arbeitenden Bäckerei Endorphina. Die Exkursionen zeigten auf, dass verschiedene Einkaufsmöglichkeiten auch unterschiedliche Lebensmittel mit unterschiedlichen Qualitäten und Kriterien anbieten und löste bei den Schüler*innen so ein erstes Umdenken aus.

Ergebnisse des Marktchecks

Marktcheck_(c)_ElginHertel.JPGIn Kleingruppen wurde ein Marktcheck erarbeitet, der im Nachgang in der Schule präsentiert wurde. Die Schüler*innen hielten als Ergebnis ihrer Nachforschungen fest, dass die Lebensmittel im Bio-Supermarkt sehr viel häufiger unverpackt vorzufinden sind als im konventionellen Supermarkt. Im Hinblick auf Regionalität gewann der Wochenmarkt mit einer großen Auswahl an saisonalen Obst- und Gemüsesorten, die aus Brandenburg stammten. Der Bezug zwischen Regionalität, kurzen Transportwegen und Emissionen wurde so schnell hergestellt. Im konventionellen Supermarkt waren die Lernenden fast überfordert mit dem Überangebot, da man von jedem Lebensmittel zahlreiche Varianten vorfand. Es kam die berechtigte Frage auf, ob dies sein müsse und wir konnten gemeinsam festhalten, dass weniger auch manchmal mehr bedeutet. 

Auf Grundlage der Beobachtungen der Schüler*innen konnten sechs Regeln als Handlungsoptionen festgehalten werden, die zu einem verantwortungsbewussten Konsum führen, der auch klimarelevante Gase einspart:

1. Von regionalen Produzenten kaufen

Die Europäische Union hat im Zeitraum von 2000-2009 mind. 1000 Mio. t CO2 in Form von Waren importiert, die mit Tropenwaldrodungen verknüpft sind. Das entspricht einer jährlich entwaldeten Fläche von ca. 1 Mio. Fußballfeldern. Eine regionaler Einkaufsstil würde das vermeiden.

2. Saisonalität von Obst- und Gemüse berücksichtigen

Ware mit weiten Transportwegen und Lebensmittel, die in beheizten und beleuchteten Gewächshäusern produziert werden, verbrauchen viel mehr an Ressourcen, als solche die aktuell in den Böden unserer Umgebung gedeihen. Daher: lieber mal einen Ausflug ins Umland machen und den netten Bauern von nebenan besuchen und dabei feine Kartoffelsorten kennenlernen, statt ganzjährig Erdbeeren aus Chile zu kaufen! Hilfreich kann dabei die Verwendung eines Saisonkalenders sein.

3. Weniger Fleisch und andere tierische Lebensmittel konsumieren - auf Alternativen zurückgreifen 

Der aktuelle Fleischkonsum ist ganz eindeutig zu reduzieren und durch pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und durch Hülsenfrüchte zu ersetzen. Tierische Lebensmittel aus industrieller Haltung haben eine extrem hohe Klimabilanz, man denke allein an die oft aus Lateinamerika importierten Futtermittel, die der Fütterung der hiesigen Tiere dienen. Stattdessen sollte man seine Ernährung vielfältig gestalten, viel auf Gemüse und Hülsenfrüchte setzen und tierische Lebensmittel in Maßen genießen, aber dabei auf Qualität setzen: Die Klimabilanz von Weidetieren ist nämlich viel Positiver als die von Tieren in Stallhaltung.

4. Lebensmittelverschwendung vermeiden

1/3 der Lebensmittel in Deutschland landen auf dem Müll, die ungenutzt verfallen und so CO2 Mengen verursachen – das sollte zum Umdenken anregen, auch mal zweite Wahl Produkte zu kaufen oder sich nicht nur auf das MHD zu verlassen, sondern seinem Geschmackssinn zu vertrauen. Auch die Klimabilanz von Lebensmittelverschwendung ist sehr hoch, weshalb es gilt, sie zu vermeiden: Wenn Lebensmittelverschwendung ein Land wäre, wäre es der drittgrößte Treibhausgasemittent, direkt nach den USA und China.

5. Plastikverpackungen vermeiden

Aufwendige Herstellung von Plastikverpackungen verursacht hohen Energieaufwand und Ressourcenverbrauch, den guten alten Jutebeutel hat doch aber jeder zuhause, oder?

6. Frisch statt verarbeitet:

Aufwendig hergestellte Lebensmittel haben lange Transport- und Herstellungswege inklusive eines enorm hohen Energieverbrauchs für die einzelnen Herstellungsstufen. Die Produkte enthalten Zusatzstoffe für verlängerte Haltbarkeit. Handwerklich hergestellte Produkte, wie das Brot vom Bäcker des Vertrauens kommt dabei wesentlich besser weg, als die industriell gefertigte Version aus dem Supermarkt!

Video-Eindrücke vom Austausch zwischen Deutschland und Uganda

30. Oktober 2019: Kulinarischer Austausch Berlin-Hanoi

Im Rahmen des Slow-Food-Bildungsprojekts Edible Connections tauschten sich am 30.10. Schüler*innen der Freie Waldorfschule Berlin-Mitte mit Lernenden der Lomonosov Schule in Hanoi, Vietnam, über kulinarische Traditionen und Vorlieben ihres Landes aus. Die Jugendlichen im Alter von 13-16 Jahren informierten sich per Live-Austausch gegenseitig über typische Gerichte und Essgewohnheiten. Zu den Lieblingsgerichten der vietnamesischen Schüler*innen gehören demnach die Reisnudelsuppe Pho und Frühlingsrollen, die den deutschen Lernenden bekannt waren und Appetit auf mehr machte. Die Berliner Jugendlichen erläuterten im Gespräch, welche Vorzüge biologisch erzeugte Lebensmittel haben, um der Kernfrage des Austausches, wie ein zukunftsfähiges, global gerechtes Ernährungssystem entstehen kann, auf den Grund zu gehen. 

Schüler*innen aus Berlin und Hanoi begegnen sich via Skype und schlagen Brücken durch das gemeinsame Thema Ernährung

Ausblick:

Im Rahmen des Bildungsprojekts Edible Connections werden durch den Austausch kulinarischer Erfahrungen Brücken geschlagen zwischen weit entfernten Welten, um unsere globale Verantwortung für ein global gerechtes Lebensmittelsystem erlebbar zu machen. Wie viel Freude und spannende Erkenntnisse ein globaler Austausch mit sich bringt, hat dieser erste Austausch deutlich gemacht. Der interkulturelle Wissenstransfer wird in den kommenden Wochen durch weitere Exkursionen weiter gehen, wodurch sich ein tiefgreifenderes Verständnis globaler Zusammenhänge bei den Lernenden verstetigen kann.

Öffentliche Projektvorstellung in Berlin am 13.12

Wer sich für die Inhalte des Projektes Edible Connections interessiert ist am 13.12.2019 herzlich zur öffentlichen Veranstaltung ins "Refugio" in Berlin eingeladen. Auf dem Programm stehen die Projektdokumentation, ein Film zum Thema Agrarökologie, sowie ein Podiumsgespräch zur Frage, wie globale Bildungsarbeit zwischen globalem Norden und globalem Süden gewinnbringend umgesetzt werden kann.

13. März 2019: Eindrücke vom ersten Projekttag im Rahmen des Slow-Food-Bildungsprojektes "Edible Connections" mit der Evangelischen Schule Köpenick

Die Evangelische Schule Köpenick und die Deutsche Schule in Nairobi, Kenia, gaben am 13. März mit einem ersten Live-Call per Videoschaltung den Auftakt zum Projekt "Edible Connections". Im Fokus standen zunächst das allgemeine Kennenlernen, die unterschiedlichen Essgewohnheiten und die lokalen Esskulturen. Die Schülerinnen und Schüler stellten ihre jeweilige Schule vor und tauschten sich über ihre Lieblingsgerichte aus. Besondere Neugier weckte der Schulgarten auf kenianischer Seite. Die in Nairobi selbstverständlichen Bananen und Mangos gedeihen nicht im Berliner Klima. Wie die Bananen und Mangos dann jedoch in Berliner Supermärkte gelangen, war eine gute Ausgangsfrage für unsere erste Exkursion auf einen Markt.

Unsere zunehmend globalisierte Welt steht aktuell vor ökologischen und sozialen Herausforderungen, die nicht mehr auf nationaler Ebene allein gelöst werden können. Um Ideen für ein zukunftstaugliches Lebensmittelsystem zu finden gilt es die internationalen Verflechtungen des globalen Lebensmittelsystems zu verstehen. Zielgerichtetes Handeln erfordert zudem auch globale Zusammenarbeit und den Umgang mit kultureller Vielfalt. Im Rahmen des Slow Food Bildungsprojekts „Edible Connections“ üben Schülerinnen und Schüler deshalb einen interkulturellen Dialog über die Zukunft unseres Lebensmittelsystems ein. Bei Exkursionen erkunden sie ihre lokale Lebensmittelwelt. Sie lernen Handel, Handwerk und Landwirtschaft kennen. Ihre Ergebnisse dokumentieren sie durch Fotos und Videos und tauschen sie mit einer Partnerklasse aus dem globalen Süden aus. In Video-Calls diskutieren sie über Möglichkeiten, das Lebensmittelsystem auf globaler Ebene fairer und zukunftstauglich zu gestalten.

Neben der Markt-Exkursion werden sich die Schülerinnen und Schüler in den kommenden Wochen in einer Backstube mit Lebensmittelhandwerk beschäftigen und auf einem Acker die ökologische Landwirtschaft kennenlernen. Dabei werden sie ihre Erkenntnisse kontinuierlich miteinander teilen.

02. April 2019: Projekttag in der Backstube

Im Rahmen des Slow Food Bildungsprojekts „Edible Connections“ besuchten die Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schule Köpenick am 02. April 2019 eine kleine Bäckerei, in der Handwerk noch groß geschrieben wird: „Die Backpfeife“ von Mattis Harpering am Berliner Holzmarkt. Für das Bildungsprojekt erkunden die Jugendlichen ihre lokale Lebensmittelwelt. Dabei lernen sie Handel, Handwerk und Landwirtschaft bei Exkursionen kennen. Ihre Ergebnisse tauschen sie mit einer Partnerklasse aus Nairobi/Kenia aus und diskutieren anhand ihrer Erfahrungen über ein zukunftstaugliches globales Lebensmittelsystem.

Inhaltlich gingen Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schule Köpenick beim Projekttag dem Unterschied zwischen industrieller Produktion und handwerklicher Herstellung auf den Grund. Diskutiert wurden auch aktuelle Entwicklungen der Branche, denn: Billigbrötchen und Massenfertigung verdrängen zunehmend qualitativ hochwertiges Backhandwerk. Die vermeintliche Geschmacks- und Sortenvielfalt deutschen Brotes simulieren inzwischen Emulgatoren, Enzyme und andere Zusatzstoffe. Gab es in den 50er Jahren allein in Westdeutschland rund 55 000 Bäckereibetriebe, so sind es heute nur noch weniger als 11 000. Der dramatische Rückgang bedingt einen zunehmenden Verlust handwerklicher Herstellungstechniken. Statt langer Teigführung und ausgewählten Zutaten werden in der industriellen Produktion vorgefertigte Backmischungen und Billigmehle eingesetzt. Die Bäcker um die Ecke verwandeln sich zunehmend zu Aufbäckern. Um die Gründe für diesen Wandel zu verstehen, wurde das industrielle Lebensmittelsystem unter die Lupe genommen.

In der Backstube standen die Unterschiede zwischen handwerklicher und industrieller Brotproduktion im Fokus. Die Jugendlichen probierten Sauerteig und versuchten sich im Teigkneten und Baguetteformen. Während ihre Baguettes im Ofen buken, sprachen sie mit Mattis über gutes Brot, Genuss und Kreativität im echten Backhandwerk. Einen großen Unterschied zur industriellen Produktion macht hierbei vor allem die nicht notwendige Maschinengängigkeit des Teiges aus. So eröffnet sich im handwerklichen Verfahren eine weitaus größere Freiheit, den Teig nach qualitativen Anfordernissen beispielsweise klebriger oder weicher werden zu lassen.

15. Mai 2019: Ackertag: Bezug zur eigenen Lebensmittelwelt entwickeln

Im Rahmen des Slow-Food-Bildungsprojekts „Edible Connections“ besuchten Schülerinnen und Schüler der achten Klasse aus der Evangelischen Schule Köpenick am 15. Mai 2019 den 2000m²-Weltacker im Volkspark Blankenfelde in Berlin. Der Projekttag zielte darauf ab, den Lernenden die Prozesse der Lebensmittelproduktion praktisch zu vermitteln und das Wissen um ihre Lebensmittelwelt zu erweitern. Der Ackertag vermittelte ihnen dabei ein Verständnis für die globalen Zusammenhänge des globalen Lebensmittelsystems und die Erkenntnis, dass ihr Einkaufs- und Konsumverhalten sich auf den Flächenverbrauch von Agrarflächen sowie auf Umwelt- und Arbeitsverhältnisse in Drittländern auswirkt.

Einen Nachbericht zum Ackertag finden Sie >> hier.

Video-Impressionen vom Projekttag finden Sie hier:

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