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Slow Food Arche: Drei neue Kandidaten kurz vor Aufnahme

22.1.2014 - Nachtrag zur Meldung vom 21.12.2013: Wir freuen uns, dass die Anträge, die Ermstäler Knorpelkirsche, die Schwarze Birne und das Schwäbisch-Hällische Schwein in die Slow Food Arche des Geschmacks aufzunehmen, keinen Widerspruch erfahren haben. Somit sind in Deutschland nun offiziell 43 Passagiere an Bord der Arche.

21.12.2013 - Die Ermstäler Knorpelkirsche, die Schwarze Birne und das Schwäbisch-Hällische Schwein waren einst fester Bestandteil der regionalen Landwirtschaftstradition in Deutschland. Jetzt sollen sie vor dem Vergessen gerettet und in das internationale Arche-Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität aufgenommen werden.

Die Anträge auf Aufnahme wurden von der Arche-Kommission von Slow Food Deutschland angenommen und vom Vorstand bestätigt. Sofern bis zum Ablauf der Widerspruchsfrist bis zum 18. Januar 2014 kein Einspruch aus dem Verein erfolgt, gehen die drei Kandidaten als offizielle Passagiere an Bord der Arche des Geschmacks und verlängern die deutsche Passagierliste auf 43 Mitreisende. Das Projekt schützt weltweit rund 1450  regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden. Um von Slow Food gerettet zu werden, muss der Passagier bestimmte Kriterien erfüllen. So muss er beispielsweise in seiner Existenz bedroht und traditionell in einer Region verankert sein.

Dunkel, süß und saftig: die Ermstäler Knorpelkirsche

Die Herkunft der Ermstäler Knorpelkirsche ist unbekannt. Der Baum wächst sehr stark, hat hochstrebende, schlanke Leitäste und bildet eine mächtige, hochkugelige Krone. Die Früchte sind schwarz, festfleischig und reifen erst gegen Ende der Saison. Die Ermstäler Knorpelkirsche ist nach den heutigen Vermarktungsnormen für den Frischmarkt zu klein und somit für die Kirschenanbauer unrentabel geworden. Im Vergleich zu anderen Sorten Süßkirschen ist sie eine Ausnahme, denn dank ihres Aroma und ihres Zuckergehalts ist sie für die Verarbeitung von Destillaten und Säften hervorragend geeignet.


Für Saft, Most und Brand: Die Schwarze Birne

Bei der Schwarzen Birne handelt es sich um einen Zufallssämling unbekannter Herkunft, der am Nordrand der Schwäbischen Alb früher eine große Verbreitung als vorzügliche Mostbirne hatte. Die Schwarze Birne ist eine relativ anspruchslose Sorte, die gute Erträge liefert. Die Sorte bildet große Bäume aus, die stark landschaftsprägend sind. Die Kronenform ist hoch-oval, das dünne Seitenholz ist leicht hängend. Wie bei Streuobstsorten üblich, alterniert sie und liefert in der Regel nur alle zwei Jahre einen Vollertrag. Die Früchte sind klein bis mittelgroß. Der Saft der Früchte ist in der Region für die Zubereitung von Birnenmost (Birnenwein) sowie als aromatische Grundlage für Birnenbrand bekannt.


200 Jahre Tradition auf den Rippen: Das Schwäbisch-Hällische Landschwein

Das Schwäbisch-Hällische Landschwein ist die älteste Schweinerasse Deutschlands. Entstanden ab 1820 in Württemberg, dem die Region Hohenlohe und Schwäbisch Hall angehören, aus dem Jinhua-Schwein und dem seinerzeitigen Landschwein. Der Name Schwäbisch-Hällisches Schwein entstand aus der Tatsache, dass die Hohenloher Bauern um Schwäbisch Hall sich am meisten für diese neue Rasse begeisterten und diese so zur Regionalrasse wurde. Das Schwäbisch-Hällische Schwein zählt zu den Fettschweinen, deren Bedeutung in den 60er Jahren immer mehr zurückging. 1984 gelang Rudolf Bühler mit einigen wenigen Bauern der Neuaufbau der Rasse. Heute umfasst das Herdbuch wieder 250 reinrassige Sauen und 4 Eberlinien. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrassen (GEH) stufte die Rasse im Jahr 2012 als stark gefährdet ein. Daher sind ausschließlich reinrassige Tiere der alten Zuchtrichtung, die vom amtlichen Zuchtbuch der SH-Züchtervereinigung erfasst sind, Arche Passagiere.

Fotos:  © Slow Food Archiv


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