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50 Passagiere auf der Slow Food Arche des Geschmacks

15.8.2014 - Zuletzt ging sogar ein Adeliger an Bord. Mit dem Hochstamm-Apfel Finkenwerder Herbstprinz aus dem Alten Land südlich von Hamburg befinden sich seit Juli dieses Jahres nun 50 Passagiere auf der Arche des Geschmacks in Deutschland. Weltweit rettete das internationale Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität bereits über 1.700 Nutzpflanzen, Nutztiere und Lebensmittel vor dem Vergessen.

Arche-Passagiere sind oft in Gefahr zu verschwinden, weil ihre Herstellung aufwändig ist, sie selten auf den Markt kommen und so weniger gegessen werden. Aber was nicht nachgefragt wird, wird auch nicht produziert. Slow Food will diese traditionellen Spezialitäten wieder bekanntmachen, um sie so zu erhalten. Die große Mehrheit der Passagiere sind vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten. Die kleinere Gruppe sind handwerklich hergestellte Lebensmittel wie Wurst- und Käsespezialitäten, die nur noch von wenigen Herstellern erzeugt werden. Jeder Arche-Passagier ist mit seiner Geschichte und seiner Bedeutung für die lokale Küche und Kultur ein einzigartiger Bestandteil unseres kulinarischen Erbes.

"Die biologische Vielfalt im Agrar- und Lebensmittelbereich trägt nicht nur zum gesunden natürlichen Gleichgewicht bei, sie ist auch eng verbunden mit Bräuchen, Traditionen und handwerklichem Wissen," sagt Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e. V. "Sie ist Teil unserer vielfältigen kulturellen Identität. Deswegen ist der Erhalt der Vielfalt durch Projekte wie die Arche des Geschmacks ein Kernthema für Slow Food."

Die Neuzugänge

Im ersten Halbjahr 2014 begrüßte die deutsche Arche des Geschmacks neun Passagiere. Der oben bereits erwähnte Finkenwerder Herbstprinz wurde im Jahr 1870 von Carsten Benitt auf der Elbinsel Finkenwerder entdeckt und vermehrt. Der Stuttgarter Leberkäs, eine in einer Kastenform gebackene grobe Brühwurst, unterscheidet sich von vielen anderen sogenannten Leberkäsen dadurch, dass er tatsächlich Leber enthält. Die anspruchslose, von einem Zufallssämling stammende Schwarze Birne von der Schwäbischen Alb war früher als vorzügliche Mostbirne bekannt. Den Birkenfelder Rotapfel verwendet man traditionell für die Herstellung von Apfelgelee. Die schwarzen, festfleischigen Früchte der Ermstäler Knorpelkirsche sind dank ihres Aromas und ihres Zuckergehalts hervorragend geeignet für die Verarbeitung zu Destillaten und Säften. Die Gemüsesorten Bamberger Knoblauch, Bamberger Rettich und Bamberger Spitzwirsing gehörten lange Zeit zu den unverzichtbaren Bestandteilen der von Gemüsekultur geprägten und bis heute gepflegten traditionellen Bamberger Küche. Die stark "mehlig kochende" Schwarz-Blaue Frankenwälder Kartoffel wurde in den 1980er Jahren von Liebhabern und Sammlern alter Kartoffelsorten im nördlichen Frankenwald aufgefunden.

Nach dem Motto „Essen, was man retten will!“ unterstützt Slow Food Deutschland durch Veranstaltungen wie Erzeugermärkte oder die Zusammenarbeit mit Köchen, die diese traditionellen Spezialitäten auf ihrer Karte führen, die Nachfrage und damit das Überleben der fast vergessenen Lebensmittel. Im Juni dieses Jahres wurde die deutsche Arche des Geschmacks im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Quelle: Pressemeldung von Slow Food Deutschland vom 14. August 2014

Im Bild oben: Die Arche Noah in einem Glasfenster in der Kirche St-Étienne-du-Mont in Paris. Das biblische Schiff, das Tiere vor der Sintflut rettete, war Namensgeberin für die Slow Food Arche des Geschmacks zur Rettung der Artenvielfalt.  | © GFreihalter. Quelle und Lizenz: http://commons.wikimedia.org

Mehr Informationen:

Arche des Geschmacks

Die deutsche Arche-Passagiere

Internationale Slow Food Stiftung für Biodiversität (Englisch)


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