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Fish Dependence Day 2016: Fischbestände weltweit bedroht

2.5.2016 - Ab dem 2. Mai ist der Verzehr von Fisch in Deutschland in diesem Jahr rein rechnerisch nur noch mit Hilfe von Importen möglich. Der Jahresfang der deutschen Flotten ist ab diesem „Fish Dependence Day“ aufgebraucht. Dieser Tag wird jährlich von der britischen New Economics Foundation ermittelt. Importierter Fisch kommt zu einem erheblichen Teil aus überfischten Fanggründen und trägt ferner das Risiko, aus illegaler, nicht gemeldeter und nicht regulierter Fischerei (IUU Fischerei) zu stammen. Darauf weisen Brot für die Welt, Fair Oceans, Slow Food Deutschland und die Environmental Justice Foundation hin.

Insgesamt ist die Abhängigkeit von Einfuhren bei Fisch und Meeresfrüchten nach Deutschland gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Im vergangenen Jahr war der „Fish Dependence Day“ bereits am 6. April erreicht. Grund dafür ist weniger eine größere Nachhaltigkeit des Fischereimanagements, wie sie seit Jahren von vielen Nichtregierungsorganisationen gefordert wird. Vielmehr hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch und Meeresfrüchten in Deutschland in den letzten Jahren von 14,7 Kilogramm (2012) auf 13,5 Kilogramm (2013) verringert.

Längst schon können auch die EU-Mitgliedstaaten ihren Bedarf an Fisch und Fischereiprodukten nicht mehr durch ihre eigene Fischerei decken. Jahrzehntelange Überfischung und Subventionierung der industriellen Fischerei haben die europäischen Fischbestände drastisch reduziert. „Die von der EU mit der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik von 2014 ergriffenen Maßnahmen gegen die Überfischung, wie das Rückwurfverbot, sind nicht darauf ausgerichtet, die illegale Fischerei einzudämmen. Nur im Zusammenspiel mit der EU-Verordnung zur Verhinderung, Bekämpfung und Unterbindung der illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten Fischerei (IUU-Verordnung) kann letztlich eine nachhaltige Fischereipolitik gelingen", so Kai Kaschinski von Fair Oceans.

Eine kritische Bestandsaufnahme von gemeinsamer Fischereipolitik und IUU-Verordnung ist mittlerweile überfällig. „Das muss auch für die Verbraucher sichtbar werden. Deshalb müssen Industrie und Handel zu Transparenz bei Fischprodukten verpflichtet werden. Anders ist eine höhere Wertschätzung von Fisch als sehr kostbarem Lebensmittel nicht durchzusetzen“, mahnt Ursula Hudson von Slow Food Deutschland an.


"Unser Fischkonsum darf nicht zulasten der Menschen in Entwicklungsländern gehen!"

Illegale Fischerei gefährdet die Fischbestände weltweit. Das trifft besonders die, für die Fisch oft die wichtigste Eiweißquelle ist: die Küstenbevölkerung in Entwicklungsländern. Francisco Marí, Referent Welternährung, Agrarhandel und Meerespolitik bei Brot für die Welt, sagt: „Die EU und allen voran Deutschland muss sicherstellen, dass importierter Fisch legal und nachhaltig gefangen wurde. Unser Fischkonsum darf nicht zulasten der Menschen in Entwicklungsländern gehen.“

„IUU-Fischerei kostet die Weltgemeinschaft jährlich zwischen neun und 22 Milliarden Euro. In manchen Entwicklungsländern wird davon ausgegangen, dass bis zu 40 Prozent des gesamten Fischfangs illegal getätigt werden. Deutschland als einer der wichtigsten Märkte für Fischereiprodukte in der EU muss bei der Bekämpfung der IUU-Fischerei eine Vorreiterrolle übernehmen“, so Steve Trent, Geschäftsführer der EJF.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Brot für die Welt, Fair Oceans, Slow Food Deutschland und der Environmental Justice Foundation

Bild oben: Fisch und Gemüse - eine typische Mahlzeit an der Küste des Entwicklungslandes Senegal. | © W. Wiedemann



Teilnehmer am heutigen Fachgespräch in Berlin zum Thema "Unter dem Radar. Wie kann illegale Fischerei bekämpft werden?" anlässlich des Fish Dependence Days 2016 (v. l. n. r.): Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e.V.; Markus Knigge, Senior Advisor to The Pew Charitable Trusts EU Marine Programme; Sebastian Buschmann, Environmental Justice Foundation; Kai Kaschinski, Projektleiter Fair Oceans; Francisco Marí (nicht im Bild), Referent Welternährung, Agrarhandel und Meerespolitik bei Brot für die Welt. | © Sharon Sheets


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