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10.000 Gärten in Afrika: Wo Uganda wieder blüht

10.12.2016 - Das Slow Food Projekt "10.000 Gärten in Afrika" ist ein Beitrag zur Ernährungssicherheit in den ärmsten Regionen der Welt. Ein Beispiel ist Uganda. Das Land hat lange Jahre des Guerillakriegs hinter sich und befindet sich jetzt im Aufbau. Dabei hilft auch die Wiederbelebung der Kultur der Gemeindegärten wie der Humanökologe Cory W. Whitney berichtet. 

Beim letzten Terra-Madre-Treffen in Turin forderte der Berkeley Professor und Agrarökologe Miguel Altieri die Mission der Slow-Food-Bewegung mit ihrem "gut, sauber und fair für alle" heraus. Er argumentierte, dass Slow Food einen Weg finden muss, um sicherzustellen, dass auch arme und gefährdete Menschen Zugang zu solchen Lebensmitteln bekommen. Das Erreichen dieses Zieles ist eine Geschichte der radikalen Transformation der Lebensmittelsysteme und indigenen Selbstbestimmung: Es ist die Geschichte der geschützten kommunalen Gärten und des traditionellen Wissens der Bauern des indigenen Stammes Bakiga im Südwesten Ugandas. 

Zerstörung des Nahrungsmittelsystems

Lange Jahre des Kolonialismus, gefolgt von Guerilla- und Bürgerkriegen, haben viele von Ugandas traditionellen Nahrungsmittelsystemen und die Esskultur des Landes zerstört. Trotz aktueller politischer Stabilität kämpfen die Menschen in Uganda auch heute noch mit Korruption, Armut, gravierender Ernährungsunsicherheit und Hunger. Der Verlust der traditionellen Hausgärten und der einhergehende Verlust der traditionellen Gartenbau-Techniken und Ernährungssysteme hat zu der schweren Nahrungsmittelunsicherheit in der Region beigetragen, unter der wir jetzt leiden.

Die einheimischen Bauern des Stammes Bakiga, die am Rande des Kashohe-kitome Regenwaldes in Ugandas Südwesten leben, haben bis heute immer noch ihre traditionellen Hausgärten beibehalten. Diese dynamischen und komplexen traditionellen Nahrungsmittelsysteme helfen ihnen ihre Gemeinden trotz ihrer extremen Verwundbarkeit zu erhalten. Armut, systemische Korruption, Krankheiten und Nahrungsmittelunsicherheit führen hier zu einer hohen Kindersterblichkeitsrate und einer geringeren Lebenserwartung und -qualität.

Das traditionelle Nahrungsmittelsystem der Bakiga, das einen Familiengarten vorsieht, wurde beibehalten. Diese vielfältigen Mischkulturen von Bananen und anderen Früchten sind in der Lage, den Bedürfnissen der Familie basierend auf dem Existenzminimum gerecht zu werden. Das Geld, das aus dem Verkauf verdient werden kann, z.B. von überzähligen Säcken an Bohnen oder Bananen, wird dazu verwendet die Schulgebühren für die Kinder zu bezahlen und vielleicht etwas Salz oder Seife (nicht so häufig in Haushalten) zu kaufen.

Das Ziel der 10.000 Gärten in Afrika

Slow Food hat das „10.000 Gärten in Afrika-Projekt“ als eine Antwort auf das Problem der Ernährungsunsicherheit in Afrika initiiert. Wie der Vize-Präsident von Slow Food International, Edie Mukiibi, in seiner Rede bei Terra Madre in diesem Jahr sagte: "Auch wenn Menschen hier hungrig sind, kann das Ziel nicht das bloße satt machen sein, sondern für das Sättigen muss auch hier das Prinzip des guten, sauberen und fairen Essens gelten, denn Menschen haben das recht darauf das zu essen, was sie kulturell gewöhnt sind“. Und Slow Food Präsident Carlo Petrini sagte: "Ich möchte die Missionare bitten zu Hause zu bleiben. Ich habe viel Vertrauen in die Afrikaner. Afrikaner wissen, wie sie die wichtigen Dinge für sich selbst tun und was sie anbauen müssen“. Die übergeordnete Idee ist, dass sich lokale afrikanische Dorfgemeinschaften zusammenfinden und Slow Food vor Ort ihnen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer eigenen Systeme zum Erreichen der Lebensmittelsicherheit und Ernährungssouveränität hilft.

Das „10.000 Gärten in Afrika Projekt“ in dieser Bakiga-Gemeinschaft ist ein Beispiel für das verantwortliche Verwalten des Allgemeinguts. Durch die Gärten sind die Gemeinschaften auf dem Weg traditionelles Wissen im gemeinsamen Raum zu bewahren. Der Kampf gegen die Armut und die Zerstörung des traditionellen Wissens geschieht gemeinsam und offen als Solidaritätsbewegung. Die Gärten dienen als Zufluchtsort für traditionelle Kulturpflanzen, traditionelles landwirtschaftliches Wissen und die traditionelle Anbautechniken. In diesen Gemeinschaftsgärten wächst langsam die Begeisterung, das Interesse und die Energie der Jugend für den Erhalt des traditionellen Wissens der Älteren.

Einer für alle, alle für einen!

Eine große Frage für uns als Slow-Food-Aktivisten war, wie wir den Anfang des Projektes gestalten sollten. Es war nicht leicht die Zusammenarbeit zwischen allen Menschen zu organisieren und zu entscheiden, wie wir die Idee eines Gemeinschaftsgartens im Dorf präsentieren sollten. Alle Community-Mitglieder sind bereits voll ausgelastet mit ihrer eigenen Gartenpflege und der Pflicht Schulgebühren aufzutreiben und sich mit Krankheit und extremer Armut auseinander zu setzen. In einer Gemeinschaft, in der jede Familie ihre eigene Nahrung in einem kleinen Hausgarten erzeugt, bedeutet die Errichtung eines Gemeinschaftsgartens die Einführung einer völlig neuen Art der Zusammenarbeit. Die Idee wurde aber gut aufgenommen und die Begeisterung der Jugend und die Unterstützung des Dorf-Vorsitzenden ermöglichten die Errichtung des Gartens.

Im Bild oben: Makarena (re.) und David – zwei "Garden-Manager" des Slow Food Projekts "10 000 Gärten in Afrika" in Uganda| © Corey W. Whitney

Weitere Informationen:
Slow-Food-Projekt: "10 000 Gärten in Afrika"


Uganda sagt danke für die Unterstützung aus Deutschland.

Ohne die Unterstützung von Slow Food Uganda und die finanzielle Unterstützung der deutschen Convivien, hätte das Projekt nicht entstehen können. Slow Food Uganda hat dazu beigetragen, die Mitglieder der Gemeinschaft an die Slow-Food-Botschaft heranzuführen. Zu wissen, dass sie nicht die einzigen Menschen sind, die mit diesen Problemen konfrontiert sind, und zu wissen, dass sie die Unterstützung der anderen armen Gemeinden und Bauern auf der ganzen Welt und in Uganda haben, hat unsere Gemeinden zum Handeln inspiriert. Deutsche Slow-Food-Mitglieder haben das Projekt durch finanzielle Unterstützung des „10.000 Gärten in Afrika-Projekt“ sowie durch Gartengeräte gefördert. Die Mitglieder der Convivien in Deutschland hatten sogar daran gedacht uns wiederaufladbare Solarleuchten und Scheinwerfer zuzusenden, wohl wissend, dass es die 12 Stunden Dunkelheit pro Tag am Äquator schwer machen, einen Garten zu pflegen.

Jetzt arbeitet die Bakiga Bevölkerung gemeinsam daran einen gemeinsamen Garten wachsen zu lassen. Der Garten ist ein Weg für die Bakiga sich dem globalen Widerstand gegen Unternehmenseigentum und kapitalistische Aneignung des traditionellen Wissens anzuschließen. In diesem Fall wird der Slow-Food-Garten zu einer Oase für traditionelle Kulturen und traditionelles Wissen.

Paten für Gärten gesucht

Es ist entscheidend, dass die Einrichtung des Gartens mit einem Gespräch über den Zweck des Gartens begann und mit der Aufklärung darüber, dass der Garten den Bedürfnissen der Gemeinschaft dienen sollte, aber auch dazu den Verlust von traditionellem Wissen und der traditionellen Kulturpflanzen und Erntepraktiken zu stoppen. Wenn die Absicht der Slow-Food-Bewegung vorab nicht klar übermittelt wird, dann besteht das Risiko, dass sich die Gemeinden dafür entscheiden einen Garten aus wirtschaftlichen Interessen anzulegen, um finanzielle Mittel für die Gemeinschaft zu erzeugen. Eine weitere Gefahr ist, dass die Gärten ohne nachhaltige Aktivisten Solidarität und finanzielle Unterstützung von Slow Food im Laufe der Zeit verloren gehen. Die Anerkennung und Finanzierung der internationalen Convivien für die Gärten sollte regelmäßig sein, damit sie nachhaltig sind. Convivien im Ausland sollten sich darauf einigen Paten bestimmter Slow-Food-Gärten zu werden und regelmäßige Gebühren für ihre Pflege und für die weitere Entwicklung zu zahlen.

Im Bild oben: Carolyne und Makarena (re.) vom Slow Food Projekt "10 000 Gärten in Afrika" in Remitagu, Uganda© Corey W. Whitney     

Weitere Informationen:
Slow-Food-Projekt: "10 000 Gärten in Afrika"


Slow Food Deutschland e. V. - Luisenstraße 45 - 10117 Berlin - Telefon: 030 / 2 00 04 75-0 - E-Mail: info@slowfood.de