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Agrarpolitik: Slow Food fordert EU zum Umbau der Tierhaltung auf

26.3.2018 – Slow Food hat sich mit einer Gruppe zivilgesellschaftlicher Organisationen zusammengeschlossen, um von der Europäischen Union (EU) politische Maßnahmen zum Umbau der Tierhaltung zu fordern. In einem offenen Brief verlangen sie eine klare Ausrichtung der Agrarpolitik auf Zukunftsfähigkeit und Tierwohl.

In einem heute veröffentlichten offenen Brief an EU-Kommissionspräsident Juncker, EU-Ratspräsident Tusk und EU-Parlamentspräsident Tajani werden die Probleme angeprangert, die aus der zunehmenden Produktion und dem Konsum tierischer Produkte resultieren. Diese betreffen viele Bereiche, unter anderem Umwelt, Klima, Ernährungssouveränität sowie das Wohlbefinden von Mensch und Tier.

Mehr als neun Milliarden Tiere werden jährlich in der EU aufgezogen

Die Anzahl der für den Konsum gehaltenen Tiere hat ein untragbares Ausmaß angenommen: Jedes Jahr werden in der Europäischen Union mehr als neun Milliarden Landtiere für die Versorgung der Binnen- und Exportmärkte aufgezogen. Dabei zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse, dass wir die Produktion und den Verbrauch tierischer Produkte dringend reduzieren müssen, wenn wir die Ziele der "Agenda zur nachhaltigen Entwicklung" der Vereinten Nationen bis 2030 erreichen wollen. Veränderungen können und müssen stattfinden, denn die intensive Tierhaltung hat vielfältige Auswirkungen auf Klima, menschliche Gesundheit, die Ernährungssicherheit, den Tierschutz und den Lebensunterhalt von Kleinbauern.

Qualität und Nachhaltigkeit statt Quantität

Es bedarf deshalb eines politischen Willens konkrete Anreize zur Umsetzung zukunftsfähiger Tierhaltungsformen zu schaffen und Landwirte zu unterstützen, die schon agrar-ökologische und artgerechte Tierhaltung betreiben. Außerdem sollte die Tatsache politische Anerkennung finden, dass artgerechtere Tierhaltungsformen und Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht werden können, wenn das derzeitige Ausmaß der Produktion und des Verbrauchs tierischer Erzeugnisse beibehalten wird, denn die aktuelle Massenproduktion tierischer Produkte und Exportorientierung der EU ist mit die Wurzel des Problems. Die Massenproduktion und der Verkauf tierischer Produkte als „Ramschware“ erfordert zwingend eine extensive Tierhaltung, den Erhalt der Weidehaltung und eine Ausrichtung auf Zukunftsfähigkeit – klima-, art- und umweltgerecht. Deshalb ist es unabdingbar, die Produktion, den Verbrauch und den Export tierischer Produkte (wie Fleisch, Milchprodukten und Eiern) deutlich zu reduzieren.

Die EU muss sich mit diesen Fragen auseinandersetzen und eine Politik fahren, die dazu beiträgt, den Übergang zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung anzukurbeln. In der Umsetzung bedeutetet dies auf Pflanzen-basierte Lebensmittel und deutlich weniger, aber dafür qualitativ bessere tierische Erzeugnisse aus artgerechter Tierhaltung zu setzen.

Bild oben: Eine Alternative zur intensiven Tierhaltung – extensive Tierhaltung von Murnau Werdenfelser Rindern auf einer Alm. Die Rinderrasse aus den bayerischen Alpen ist robust und sehr gut an ihre Umwelt angepasst. Seit 2005 ist sie Passagier auf der Arche des Geschmacks, einem internationalen Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität. Dieses schützt und fördert traditionelle Nutztierrassen, die vom Verschwinden bedroht sind. Intensiv gehaltene Hochleistungsrassen habe das Murnau Werdenfelser Rind verdrängt. | © Slow Food Archiv

Der offene Brief an die EU-Entscheidungsträger steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung: Offener Brief

Mehr Informationen:

Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Slow Thema: Tiere in der Landwirschaft

Slow Thema: Agrarpolitik

Lesetipp: Die Kuh ist kein Klimakiller! Von Anita Idel

Passagiere in der Arche des Geschmacks


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