Maiwirsing

Der wohlschmeckende Frühlingsbote

 

Arche-Passagier seit 2008
Unterstützt von Slow Food Bonn und Slow Food Köln

Beschreibung des Passagiers

In alten Zeiten wurde der Maiwirsing, Brassica oleracea convar. Capitata var. sabauda cv. Bonner Advent, im Köln - Bonner Raum als Frühlingsbote von Jung und Alt ungeduldig erwartet, löste er doch das Lagergemüse der Winterperiode ab. Sein Erscheinen auf den Wochenmärkten der Region bedeutete: Der Winter ist vorbei, Felder und Gärten liefern wieder frisches Gemüse.

Der Maiwirsing ist eine sehr helle und zarte Form des Wirsingkohls mit lockerer Kopfbildung und weniger krausen Blättern als andere Wirsingsorten. Er hat eine geringe Schossanfälligkeit. Der Maiwirsing hat hochstehende Blätter, damit ist er unempfindlicher gegen Fäulnis und Krankheiten und benötigt wenig Pflanzenschutz. Er ist schneefest, benötigt aber Standorte mit milden Wintern, da er nur bis Temperaturen von – 8° C frostunempfindlich ist. Im August wird er auf Saatbeete gesät, die Jungpflanzen werden dann im Herbst auf den Acker gepflanzt, verbleiben im Winter auf dem Feld und können, je nach Witterung, von Ende April bis in den Mai hinein in mehreren Gängen geerntet werden.

Die Vorgebirgsebene im Alfterer bzw. Bonner Raum bietet für den Anbau ideale klimatische Voraussetzungen. Für die Bauern aus dem Vorgebirge war er über lange Zeit die erste Einnahmequelle im Jahr.


Gefährdung des Passagiers

Im Laufe der Zeit hat sich der Verbrauchergeschmack durch Tiefkühlkost, die Importe anderer Gemüse aus südlichen Ländern und den zunehmenden Unterglasanbau stark verändert. Tomaten, Gurken, Salat, Bohnen liegen zu jeder Jahreszeit in den Supermärkten aus. So ging viel Bewusstsein für Saisonalität und Regionalität von Lebensmitteln verloren und die Nachfrage nach dem guten alten Maiwirsing ging stetig zurück.

Es gibt heute nur noch wenige Betriebe, die ihn mit eigenem Saatgut anbauen. Der Nutzpflanzengarten in den Botanischen Gärten der Universität Bonn hat die Sorte „Bonner Advent“ des Maiwirsings in seine Sammlung bedrohter regionaler Nutzpflanzensorten aufgenommen und versucht die Sorte zu erhalten. Wer weiß, vielleicht sind kommende Generationen froh, ein so leckeres, regionales Gemüse ganz „unplugged“ anbauen zu können.


Vermarktung des Passagiers

Der Erwerb des Maiwirsings ist derzeit nur über die Erzeuger (Direktvermarktung) oder in einzelnen EDEKA-Einzelhandelsgeschäfte in NRW möglich.


Regionale Bedeutung des Passagiers

Das Hauptanbaugebiet des Bonner Advent lag im Vorgebirge von Bonn-Poppelsdorf über Dransdorf bis nach Alfter, heute besonders um Oedekoven herum. Von den ursprünglichen Flächen ist heute vieles überbaut, sodass sich der Anbau nach Oedekoven verlagerte.

Das Vorgebirge ist eine Landschaft, die die Kölner Bucht westlich begrenzt und zwischen Köln und Bonn liegt. Es ist Teil des Höhenzugs der Ville. Mächtige äolische Lössablagerungen aus dem Quartär machen es so fruchtbar. Das Vorgebirge ist deshalb seit etwa 200 Jahren durch intensiven Gemüse- und Obstanbau gekennzeichnet.

In verschiedenen Samenkatalogen, so 1937 bei der Firma Samen-Schmitz, einer alten Bonner Samenhandlung oder 1956 bei der Firma Mohr, wird der Maiwirsing “Bonner Advent” als in ganz Mitteleuropa bekannte Weltmarke bzw. als Bonner Spezialsorte von Weltruhm angepriesen. Man kann daraus schließen, dass er auch in anderen Gegenden mit milden Wintern angebaut wurde.


Geschmack des Passagiers

Seine zarten Blätter zeichnen sich im Gegensatz zur winterlichen Lagerware durch einen sehr milden, angenehmen Kohlgeschmack aus und liefern ein frisch-grünes Gemüse.

So wurde der Maiwirsing traditionell zubereitet: Kopf halbieren, Strunk und Stiele entfernen, in mundgerechte Stücke rupfen und in Salzwasser gar kochen; separat eine Mehlschwitze herstellen, mit Salz und Muskat würzen, Gemüse hinzugeben. Wir empfehlen eine zeitgemäßere Variante: einfach in wenig Wasser gar dünsten, ein Stich gute Butter und Gewürze nach eigenem Geschmack dazu - fertig.

Gerne wurde er auch mit zerstampften Salzkartoffeln als „Wirsing untereinander“ serviert.


Besonderheiten bei der Erzeugung und Weiterverarbeitung des Passagiers

Die Aussaat erfolgt in der zweiten Augusthälfte in Saatreihen, die Jungpflanzen werden im Oktober auf die Felder gebracht, der Pflanzabstand beträgt ca. 50 x 50 cm. Die Pflanzung erfolgt vorzugsweise in vertiefte Rillen zum Schutz der Jungpflanzen. Die Pflanzen verbleiben im Winter auf dem Feld und können, je nach Witterung, von Ende April bis in den Mai hinein in mehreren Gängen geerntet werden.

Die Saatgutproduktion erfolgt heute bei den wenigen verbliebenen Gemüsebauern, welche die Sorte noch anbauen. Einige gut entwickelte Pflanzen werden dazu bei der Ernte markiert, ausgegraben und an geeigneter Stelle erneut ausgepflanzt. Hier wachsen sie weiter, um im darauf folgenden Jahr zu blühen und zu fruchten. Wichtig ist, dass zu diesem Zeitpunkt keine anderen Kohlarten in der Nähe blühen, um eine Kreuzung mit dem Maiwirsing zu vermeiden. Das heranreifende Saatgut muss vor Vogelfraß geschützt werden. Die Ernte der reifen Samen erfolgt im Sommer.


Züchter, Erzeuger und Bezugsquellen

Die bei Manufactum erhältliche Samenmischung “Gemüse aus deutschen Regionen” enthält neben dem Maiwirsing auch den Samen weiterer alter Gemüsesorten, wie Bremer Scheerkohl, Filderkraut, Rettich “Brauner Fridolin” und Perlbohne. Dazu gibt es ausführliche Beschreibungen und Anleitungen zu Aussaat und Standortansprüchen der einzelnen samenfesten Sorten.

Die folgenden Erzeuger bauen den Maiwirsing an:

Biohof Bursch (Demeter)
Anbau von ca. 6.500 Pflanzen, Ernte Ende April – Ende Mai; eigenes Saatgut Vermarktung im Hofladen und auf 17 Wochen- und Biomärkten in der Region Leverkusen – Köln – Bonn.
Hofladen
Weidenpeschweg 31
53332 Bornheim-Waldorf
Tel. (0 22 27) 9 19 90
info@biohof-bursch.de
www.biohof-bursch.de/maerkte

Bauer Ferdinand Kremer
Anbau von 50.000 Pflanzen, Ernte Mitte April – Ende Mai; eigenes Saatgut, Vermarktung über den EDEKA-Großmarkt in Bornheim-Roisdorf. von dort Weiterverteilung an die EDEKA-Einzelhandelsgeschäfte in NRW sowie über den Großmarkt Köln.
Hof Kremer
Heerweg 181
53332 Bornheim-Waldorf
Tel. (0 22 27) 50 23)

Bauer Edgar Janz
Anbau von 12 000 Pflanzen, Ernte Ende April – Ende Mai; eigenes Saatgut, Vermarktung auf dem Hof, auf dem Köln-Braunsfelder Wochenmarkt in der Kitschburger Str. (samstags), sowie an die gehobene Gastronomie in Rech und Dernau an der Ahr.
Hof Janz
Wegscheid 125
53347 Alfter-Oedekoven
Tel. (02 28) 64 17 15

Bauer Norbert Pesch
Anbau von 120.000 Pflanzen, Ernte Mitte April – Ende Mai; Saatgut bezieht er von Pensionär Heinz Pesch, Vermarktung über den Großmarkt Köln und über den EDEKA-Großmarkt in Bornheim-Roisdorf, von dort Weiterverteilung an die EDEKA-Einzelhandelsgeschäfte in NRW
Hof Pesch
Neuer Heerweg 5
53332 Bornheim
n.pesch@t-online.de


Weitere Informationen

Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V.
www.nutzpflanzenvielfalt.de

Rheinische Gartenarche
www.rheinischegartenarche.de

Botanische Gärten der Universität Bonn
www.botgart.uni-bonn.de/nutz/nutzregional.php


Bilder: © Slow Food Archiv (3)


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