Maiwirsing

 

Arche-Passagier seit 2008
Unterstützt von Slow Food Bonn und Slow Food Köln

Beschreibung des Passagiers

In alten Zeiten wurde der Maiwirsing, Brassica oleracea convar. capitata var. sabauda cv. Bonner Advent, im Köln - Bonner Raum als Frühlingsbote von Jung und Alt ungeduldig erwartet, löste er doch das Lagergemüse der Winterperiode ab: Möhren, Lauch, Sellerie und Kohl in allen Varianten. Der Maiwirsing ist etwas ganz anderes. Er sieht anders aus. Er wird anders angebaut und er schmeckt auch anders – nach Frühling eben. Sein Erscheinen auf den Wochenmärkten der Region bedeutete: Der Winter ist vorbei, Felder und Gärten liefern wieder frisches Gemüse. Für die Bauern aus dem Vorgebirge war er zudem die erste Einnahmequelle im Jahr. Im Laufe der Zeit hat sich der Verbrauchergeschmack durch Tiefkühlkost, die Importe anderer Gemüse aus südlichen Ländern und den zunehmenden Unterglasanbau stark verändert. Tomaten, Gurken, Salat, Bohnen liegen zu jeder Jahreszeit in den Supermärkten aus. So ging viel Bewusstsein für Saisonalität und Regionalität von Lebensmitteln verloren und die Nachfrage nach dem guten alten Maiwirsing ging stetig zurück.

Es gibt heute nur noch 7 Betriebe, die ihn mit eigenem Saatgut anbauen. Die Botanischen Gärten der Universität Bonn haben die Sorte „Bonner Advent“ des Maiwirsings in ihre Sammlung „Bedrohte regionale Nutzpflanzensorten“ aufgenommen und versuchen die Sorte zu erhalten. Wer weiß, vielleicht sind kommende Generationen froh, ein so leckeres, regionales Gemüse ganz „unplugged“ anbauen zu können.


Geschmack des Passagiers

Bei Kennern und Liebhabern ist er immer noch - oder wieder - so begehrt, dass er nach Auskunft des Roisdorfer Erzeugergroßmarktes  Landgard Mitte Mai 2007 schon restlos ausverkauft war. Und auch die Gastronomie kommt langsam auf den Geschmack. So veranstaltet unser Fördermitglied, Köln einziges zertifiziertes Bio-Restaurant Guten Abend, im Mai 2oo8 einen Themenabend zu diesem seltenen und köstlichen Gemüse.

Der Maiwirsing ist eine sehr helle und zarte Form des Wirsingkohls mit lockerer Kopfbildung. Er benötigt Standorte mit milden Wintern (Vorgebirgsebene im Alfterer bzw. Bonner Raum), da er nur bis Temperaturen von – 8° C frostunempfindlich ist. Im August wird er auf Saatbeete gesät, die Jungpflanzen werden dann im Herbst auf den Acker gepflanzt, verbleiben im Winter auf dem Feld und können, je nach Witterung, von Ende April bis in den Mai hinein in mehreren Erntegängen geerntet werden. Seine zarten Blätter zeichnen sich durch einen sehr milden, angenehmen Kohlgeschmack aus und liefern ein frisch-grünes Gemüse.

Und so wurde er traditionell zubereitet:

Kopf zerteilen, Strunk und Stiele entfernen, in Salzwasser abkochen, anschließend etwas zerdrücken; Mehlschwitze erstellen, mit Salz und Muskat würzen, Gemüse hinzugeben. Gerne wurde er auch mit zerstampften Salzkartoffeln als „Wirsing untereinander“ serviert.

In der heutigen Küche wird er wegen seines Wohlgeschmacks sicher ein Ehrenplätzchen finden als regionaler Frühlingsbote.


Grund der Gefährdung

Seltene Nutzpflanze.


Die Region des Arche-Passagiers

Raum Köln-Bonn, Nordrhein-Westfalen.


Bilder: © Slow Food Archiv (3)


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