Das Verbreitungsgebiet des Original Braunvieh im Allgäu

Das Original Braunvieh im Allgäu

Ein Kulturgut des Allgäus


Arche-Passagier seit 2011
Unterstützt von Slow Food Allgäu

Beschreibung des Passagiers

Tiere im Günztal (Bildquelle: Guggenberger-Waibel)

Das Original Braunvieh ist die traditionelle Rinderrasse des Allgäus. Der historische Wandel der Region von der Ackerwirtschaft mit Flachsanbau (Blaues Allgäu) zur Grünlandwirtschaft (Grünes Allgäu) und damit der Aufstieg zur Milch- und Käseregion ist eng mit dieser Tierrasse verbunden. Die Wurzeln des Original Braunviehs reichen weit zurück, bis in die Zeit der Alemannen. Vor über 600 Jahren begann die züchterische Bearbeitung des Braunviehs in der Zentralschweiz. Schon früh verbreitete sich die Rasse auch in angrenzende Regionen Österreichs und Deutschlands. Das bayerische und württembergische Allgäu sowie das westliche Oberbayern sind das traditionelle Braunviehgebiet in Deutschland. Bis Mitte der 1960er Jahre war das Original Braunvieh die vorherrschende Rinderrasse in dieser Region. Denkt man an das Allgäu, entsteht ein Bild mit Milch, Käse und Kühen – braunen Kühen. Diese romantische Vorstellung gehört in die Vergangenheit. Auch im Allgäu gilt heute das Diktat der Höchstleistung und die Milchkühe stehen fast nur noch im Stall, anstatt auf der Weide.

Das Original Braunvieh ist von mittlerer Größe, die Farbe variiert von einfarbig dunkelbraun bis graubraun mit einem weiß umsäumten Flotzmaul. Die Tiere sind sehr robust, langlebig und anpassungsfähig, verfügen über harte, dunkle Klauen und zeichnen sich durch eine sehr gute Raufutterverwertung aus. Die Rasse erbringt mit ausschließlicher Gras- und Heufütterung gute Ergebnisse im Fleischzuwachs und in der Milchleistung. Im Gegensatz zum modernen „milchbetonten“ Braunvieh hat das Original Braunvieh seine Stärken sowohl bei der Milch- als auch bei der Fleischleistung. Keine der beiden Nutzungsformen sind heute noch konkurrenzfähig, wenn es allein um Hochleistung geht. Unter intensiven Haltungsbedingungen mit großen Mengen an energiereichem Futter (Mais, Soja etc.) können die Original Braunen heute nicht mehr mithalten. Ihre Stärke liegt vielmehr im extensiven Bereich: ein Rind – man wundert sich! – das nur von Gras und Heu ernährt werden kann! Das ist die Stärke dieser alten Rasse. Zwei weitere Vorteile sind das ruhige Verhalten im Stall, wie auf der Weide und seine hervorragenden Muttereigenschaften, weshalb es bestens für die Mutterkuhhaltung geeignet ist.


Grund der Gefährdung

Weideochse der Rasse Original Allgäuer Braunvieh (Bildquelle: Guggenberger-Waibel)

Der Schwerpunkt der traditionellen Zucht lag über lange Zeit auf einer Dreinutzung: Milch, Fleisch und Arbeit. Dies änderte sich als die „moderne“ Landwirtschaft auch im Allgäu ihren Einzug hielt. Mit dem Wunsch nach einer ausschließlich milchwirtschaftlichen Leistungssteigerung begann 1965 die Kreuzung der Allgäuer Tiere mit der Rasse „Brown Swiss“ aus den USA. Die Kreuzungstiere waren größer und gaben deutlich mehr Milch. Mit der Einkreuzung von Brown Swiss kam es zu einer dramatischen Verdrängung der ursprünglichen Rasse. Bis heute setzt sich diese Entwicklung in der konventionellen Braunviehzucht fort. Anfang der 1990er-Jahre war der Bestand der alten Zuchtrichtung mit nur noch ca. 80 Kühen akut vom Aussterben bedroht. Nur durch die Initiative engagierter Original Braunviehzüchter,
konnte der Bestand stabilisiert und bis heute auf rund 500 Kühe in Reinzucht oder mit nur geringem Fremdblutanteil (bis 12,5 %) wieder angehoben werden. In Abgrenzung zum modernen Braunvieh (Brown Swiss) wird heute der Begriff „Original Braunvieh“ für den ursprünglichen Mehrnutzungstyp, der in Reinzucht gezüchtet wird, verwendet. Die Rasse Original Braunvieh gilt heute als stark gefährdet.
 


Geschmackliche Charakteristik

Kurzfaserig, fein marmorierte Textur des Fleischs vom Original Braunvieh aus dem Allgäu (Bildquelle: Guggenberger-Waibel)

Die hervorragende Milchqualität des Original Braunviehs ist seit langem bekannt. Die Milch weist einen hohen Anteil der Kappa-Kasein-Genotyp-Variante AB und BB auf, eine wichtige Voraussetzung für eine hohe Käseausbeute. Allein in der Mlchmenge kann die alte Rasse (4.500 – 6.000 Liter Jahresleistung) mit modernen Hochleistungstieren (bis 10.000 Liter und mehr) nicht mehr mithalten. Heute, wo es im traditionellen Zuchtgebiet fast nur noch um die Milch geht, gerät die hervorragende Fleischqualität immer mehr in Vergessenheit. Dabei erfüllt das Fleisch auch höchste kulinarische Ansprüche.

Die geschmacklichen Merkmale des Fleisches überzeugen durch ein deutliches, feines Aroma. Es ist kurzfaserig, fein marmoriert und von äußerst angenehmer Textur. Der intramuskuläre Fettanteil ist optimal. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften und seiner Robustheit wird das Original Braunvieh auch heute noch in den großen Ländern der Rindfleischproduktion, wie Brasilien und Kanada, sowohl als Kreuzungspartner mit Lokalrassen eingesetzt als auch in Reinzuchtherden gehalten. Höchste Zeit also, dass im Allgäu, dem deutschen Ursprungsgebiet, den Qualitäten dieser alten Rasse wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Vermehrt hinterfragen bewusste Verbraucher die Bedingungen in der modernen Intensivlandwirtschaft: Warum füttern wir unsere Nutztiere mit Soja und Mais aus anderen Erdteilen? Im Sinne einer echten Nachhaltigkeit in der Milch- und Fleischproduktion sollten die Rinder wieder hauptsächlich von dem ernährt werden, was ihrer Natur entspricht: von Gras. Dann können die Original Braunen ihre Qualitäten als guter Grundfutterverwerter voll entfalten.


Die Region des Arche-Passagiers

Bayerischer und württembergisches Allgäu mit den Landkreisen Ober-, Unter- und Ostallgäu sowie dem Landkreis Ravensburg.


Kontakte, Bezugsquellen und Förderer

Allgäuer Original Braunviehzuchtverein e. V.
Andreas Bühler (Geschäftsführer)
Jungholz Haus 19
87491 Jungholz
Telefon: +43 (56 76) 81 76
www.originalbraunviehzuchtverein.de

Arbeitskreis Allgäuer Braunvieh e. V.
Siegbert Heese
Ortsstraße 71
89194 Schnürpflingen
Telefon: (0 73 46) 34 69
www.ak-allgaeuer-braunvieh.de

Arbeitsgemeinschaft Originalbraunvieh, Bayern und Baden Württemberg
Andreas Blank
Dorfstraße 12
87776 Attenhausen
Telefon: (0 83 36) 76 12
www.originalbraunvieh.de

Frischfleisch und Milchprodukte:
Slow Food Convivium Allgäu


Die Förderer:

Stiftung KulturLandschaft Günztal

Arbeitsgemeinschaft Originalbraunvieh


Bilder: © Slow Food Archiv (4)


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