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Im Porträt: Unsere Terra-Madre-Delegierten 2018

Die internationale Slow-Food-Veranstaltung Terra Madre Salone del Gusto, die 7.000 Terra-Madre-Delegierte und rund 900 Aussteller aus 143 Ländern in Turin, Italien, versammelt, findet vom 20. bis 24. September 2018 statt, mittlerweile schon zum zwölften Mal.

Alle zwei Jahre kommen dort neben Tausenden von Besuchern Landwirte, Züchter, Imker, Fischer, Köche, Wissenschaftler, Autoren, Aktivisten, Gärtner und viele andere Akteure rund um unser Lebensmittelsystem zusammen. Sie bilden das Terra-Madre-Netzwerk.

Auch rund 90 deutsche Terra-Madre-Delegierte – handwerkliche Erzeugende, Kleinbauern, Züchtende alter Tierrassen, traditionelle Bäcker, innovative Unternehmer rund um die Lebensmittelproduktion und -vermarktung sowie Teilnehmende der Slow Food Youth Akademie – sind dieses Jahr in Turin dabei.

Hier finden sie die komplette Liste aller Teilnehmenden: Liste herunterladen (PDF).

Hier stellen wir Ihnen einige Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Terra-Madre-Delegation 2018 vor.


Ronny Holzmüller, Grafik-Designer

Grafik-Designer, Umwelt- und Ernährungsbildung, Gartenaktivist: Die Natur entdecken; spielerisch, forschend ins Wilde! Schönheit und eine tiefe Beziehung zur Umwelt finden, ein Teil davon werden. BSc Ökolandbau & Vermarktung, MSc Biodiversität und Umweltbildung.

Ehrenamtlich engagiert im Slow Mobil Karlsruhe, einem zu Küche und Esstisch umgebautem Bauwagen. Umweltbildungsworkshops und Teil des Kochteams: Wir kochen, lernen und genießen gemeinsam mit (Grund-)Schüler*innen.

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Umweltbildung und Ernährungsbildung, BNE-Projekte an Schulen, z.B. Schulgarten und Bienen AGs, Studie zur Förderung von Ernährungsbildung an Schulen, Ernährungsbildung mit dem Slow Mobil an Grundschulen.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Ich bin auf einem kleinen Dorf mit einer bunten Landwirtschaft zur Selbstversorgung/im Nebenerwerb aufgewachsen. Wir hatten vom Weinberg bis zu Hühnern und Schweinen alles, Hausschlachtung, Weinlese, Getreide & Gemüse. Das hat mich sehr geprägt und das möchte ich gerne weitergeben: Ich will für natürliche Kreisläufe und biologische (Arten-)Vielfalt begeistern und dazu befähigen, hochwertige und genussvolle, ökologische Lebensmittel selbst zu erzeugen. Außerdem macht es mir unheimlich Spaß mit Kindern, Jugendlichen und neugierig gebliebenen Erwachsenen zu arbeiten.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Mit Kids ins Gespräch zu kommen und selbst dabei viel zu lernen. In der Natur zu sein, zu Entdecken, zu Spielen. Essen gemeinsam zuzubereiten und zu geniessen. Der ein oder andere Wow Effekt sowohl bei den Kindern, als auch bei mir.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Begeisterte Rückmeldungen, die zeigen, dass es ankommt und positive Wirkungen hat.

Was ist an Ihrer Tätigkeit besonders?

Spielerisch und unvoreingenommen an die Sachen herangehen zu können. Auch Natur in all ihrer Vielfalt und Wildheit sein zu lassen und zu erleben. Dadurch einen Raum zu haben/schaffen, der sehr viele Anknüpfungspunkte bietet und für jede/n einen eigenen persönlichen Zugang bietet. So ist und bleibt die Arbeit immer neu und spannend.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Gerne mit begeisterten, engagierten Menschen, die das Tun genauso schätzen, wie den Genuss. Alle, die sich mit Ernährung beschäftigen und sich für einen achtsamen Umgang mit Tieren, Lebensmitteln und Umwelt einsetzen.

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Ich bin sehr neugierig und offen für sehr viele Themen. Besonders freue ich mich auch auf die Menschen, die von außerhalb der Festung Europa kommen; deren Lebenswelt und Blick auf die Welt.

Veröffentlicht am 20. September 2018
Foto: © Ronny Holzmüller


Haytham Zireeni, Aktivist im Gemeinschaftsgarten

Zusammen Gärtnern: ein interkultureller inklusiver Gemeinschaftsgarten, seit Sommer 2016, 150 aktive Teilnehmer von über 15 Nationalitäten. Ziele: Raum für Begegnung, Bildung und "sein" schaffen. Wie?

  • Infrastruktur für ein gutes aktives Miteinander schaffen: breite Wege, Komposttoilette, Chillecken, Sandkasten für Kinder, Feuerstelle, Geodom als Unterhaltsraum, gemeinschaftliche Flächen mit Gemüse, Kräuter und Blumen, kleine Parzellen für Gruppen (bevorzugt: Gruppen aus unterschiedlichen Kulturen) zur eigenständigen Gestaltung, Wiese für Veranstaltungen, Wasserpumpe...
  • Regelmäßiges Zusammenkommen: Monatlicher Aktionstag, Singabende, Projekte durch Arbeitsgruppen
  • Vernetzung: Kooperation mit verschiedenen Akteuren
  • Feste: Frühlingsfest, Sommerfest, Kochabende
  • Bildung: Workshops, Arbeitsgruppen mit Experten, einfaches von einander lernen.

Weltgarten Tunsel: ein interkultureller Gemeinschaftsgarten seit April 2018, in Kooperation mit Michel's Kleinsthof, ein quereinsteiger Biobauer, über 20 aktive Mitglieder aus 12 Nationalitäten. Ziele: Raum für Begegnung, Bildung, Experimente für nachhaltige Landwirtschaft und "sein" schaffen. Wie?

  • Infrastruktur für ein gutes aktives Miteinander schaffen: Gartenküche, Komposttoilette, Sandkasten für Kinder, Unterhaltsraum für Workshops, große gemeinschaftliche Fläche mit Gemüse, Kräuter und Blumen.
  • Regelmäßiges Zusammenkommen: 2 wöchentliche Gartentage, regelmäßiges gemeinsames Kochen
  • Vernetzung: Kooperation mit lokalen Akteuren, zB Stadt, Bio-Gärtnereien.
  • Feste: Eröffnungsfest, Frühlingsfest
  • Bildung: Workshops, Arbeitsgruppen, einfaches von einander lernen.

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Leidenschaft, Sinn.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Sonnenschein, gesunde Pflanzen, strahlende Menschen.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Der Anblick von dem bunten Menschen gemeinsam am Esstisch mit dem Hintergrund vom Garten

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Weil wir Leben unterstützen: Begegnung, Bildung und Gemeinschaft

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit weiter interkulturelle Gemeinschaftsgärten und alle insperierende Leute

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Regionale Ernährung. Essen und Garten als Raum der Integration.

Sonstiges?

Danke :)


Veröffentlicht am 19. September 2018
Foto: ©
Zusammen Gärtnern


Max Reschke, Imker

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Für den Vorstand des Jungen Bioland, arbeite ich seit 2014 in verscheidenen Bereichen wie Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung mit anderen Verbänden. Aber auch andere Arbeiten wie die Organisation von Exkursionen gehen wir gemeinsam an.

Seit zehn Jahren führe ich eine kleine Imkerei die seit 2013 auch das Bioland-Siegel trägt. Im Nebenerwerb produziere ich zusammen mit meinen Bienen 7 verscheidene Sorten Honig, die auch zu verschiedenen Aufstrichen, Honigsenf oder Honigessig weiterverarbeitet werden.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Ich bin der Überzeugung, dass großartige Dinge entstehen können, wenn man jungen Menschen mit Visionen, die Möglichkeit bekommen sich mit gleichgesinnten auszutauschen. Im Biolandbau gibt es viele dieser Personen. Oft finden aber genau diese nicht immer den Weg zueinander. Das Junge Bioland gibt ähnlich wie auch andere Vereinigungen genau diesen Personen eine Plattform um sich gegenseitig auszutauschen. Wir wollen der Zukunft den Hof machen!

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Bei meiner Arbeit für das JB macht es mich immerwieder glücklich Personen zu treffen, die den Mut gepackt haben um einen Hof zu übernehmen oder selbst einen Betreib aufzubauen. Wenn ich in der Natur an meinen Bienenvölkern stehe und eine fast schon harmonisches (d.h. mit fast keinen Stichen) arbeiten möglich ist. Viele Menschen die diese Situation zum ersten Mal erleben, sind oft fasziniert wie ruhig die Arbeit mit Bienen seinen kann.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Wenn ich nach einigen Tagen wieder bei meinen Bienen vorbeischaue und wie aus dem Nichts der Honig gesammelt wurde.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Meine Imkerei heißt Immenhonig. Mit dem altdeutsch Namen „Imme“ der darin steck versuche ich wieder zuspiegeln, dass ich verschiedene alten Arbeitsweisen anknüpfe. Es ist für mich zu eine Art Motto geworden, mit dem alten Wissen weiter zu arbeiten und die wertvollen Dinge zu erhalten. Eine wichtige Besonderheit stellt zum Beispiel die Arbeit mit dem Naturwabenbau dar. Hierbei stellen die Bienen alle Waben, aus dem später Honig geerntet werden soll selbst her. Für das Wildtier Biene bedeutet dies, dass es vollständig einer Arbeit nachgehen kann die sie seit Jahrhunderten meisterhaft beherrschen. Für das spätere Produkt aber bedeutet es, das es nur in jungen und unberührteren Waben eingelagert wird – die perfekte Grundlage für ein hochwertigen Honig!

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Ich möchte andere Personen kennenlernen, die ein Herz für gute Produkte haben, egal ob Landwirte, Lebensmittelverarbeitende oder marktende Betriebe.

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Ernährung und Lebensmittelproduktion sowie die Politik darum in anderen Ländern interessiert mich sehr – ich hoffe dort mehr darüber zu lernen.

Veröffentlicht am 17. September 2018
Foto: © Privat


Nils Lalleike, Gewürzproduzent

Wir sind ein in Deutschland registriertes Unternehmen, das durch eine persönliche Verbindung nach Indien entstanden ist. Wir produzieren in Deutschland hochwertige Gewürzmischungen indischer Hausfrauen nach deren Originalrezepturen. Mit einem Teil des Erlöses finanzieren wir das Studium der Kinder unserer Partnerinnen.

Die Idee für dieses Projekt stammt aus der Anfrage einer unserer jetzigen Projektpartnerinnnen, ob wir ihr helfen könnten, Geldspenden für das Studium ihrer Tochter zu sammeln. Wir fanden, dass Bildung und besonders Hochschulbildung für Frauen in Indien unterstützenswert ist, aber das Modell "Geldspenden im Austausch gegen Dankesbriefe" gefiel uns nicht. So entstand die Idee, das Currypulver der Bittstellerin in Deutschland gegen einen frei wählbaren Spendenbetrag zu verteilen. Die Empfängerin der Spenden sollte so den Geldgebern durch eine Gegenleistung auf gleicher Augenhöhe begegnen.

Das Format war erfolgreich und sollte erweitert werden. Mehr Menschen sollten Zugang zu authentischem Curry haben. Aufgrund der fehlenden Strukturen im privaten Rahmen haben wir uns dann entschieden, den Vertrieb der Curries unternehmerisch zu organisieren. Die Mischungen werden jeweils unter dem Namen der Partnerin verkauft und zeigen so die große Vielfalt der Curryrezepturen. Nicht zuletzt soll das Projekt auch zeigen, dass traditionelles Wissen mehr als nur ideellen Wert hat und bewahrenswert ist.

Was sind die Highlights Ihre Arbeit?

Ein Studium (bzw. mehrere Studien) zu bezahlen, indem man etwas Persönliches und Genussvolles teilt.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Die Entscheidung, von spendenbasiertem Handel zu einem vollwertigen, marktfähigem Produkt zu wechseln.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Die Produktion ist gar nicht so besonders, wir lassen unsere Curries in einer großen Gewürzmühle mit Bio-Zutaten produzieren. Allerdings sind wir die Ersten, die exakte Hausrezepte einer individuellen indischen Familie herstellen und damit ein authentisches Curry-Geschmackserlebnis auf dem europäischen Markt verfügbar machen.

Mit wem möchten Sie sich während Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit anderen Produzenten, die unsere Curries gegebenfalls in ihren Manufakturen oder in der Gastronomie einsetzen möchten. Alle anderen, die gerne authentisch indisch essen, die Anregungen haben und das Projekt einfach gut oder auch nicht gut finden.

Über welche Themen möchten Sie während Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Über Lebensmittelvielfalt und Verarbeitung allgemein.


Veröffentlicht am 14. September 2018
Foto: © Christoph Bockisch


Johanna Lochner, Doktorandin

Johanna Lochner ist Doktorandin an der Humboldt Universität zu Berlin und Bildungsreferentin im Kontext von Schulgärten weltweit und deren virtueller Vernetzung. Der Frage, wie man die globale Perspektive von Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schulgärten integrieren kann, geht Johanna seit einigen Jahren nach.

Als Mitgründerin der GemüseAckerdemie entwickelte sie zehn Bildungsmodule zu den Themen Gärten und verwandten Themen wie virtuelles Wasser, Lebensmittelverschwendung und Herkunft des Gemüses. Zusammen mit zwei anderen Mitgliedern des ESD Expert Net, einem internationalen Netzwerk, das sich in Indien, Mexiko, Südafrika und Deutschland mit Bildung für nachhaltige Entwicklung (ESD) einsetzt, startete Johanna die Inititative Go! Global Garden, in der es um die internationale virtuelle Vernetzung von Schulgärten geht.

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Ich schreibe gerade an meiner Doktorarbeit über virtuellen Schulgartenaustausch. Es geht um die Themen Schulgarten, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, globales Lernen, virtueller Austausch.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Ich finde es eine sehr spannende Schnittstelle. Analoges Lernen und lokales Handeln (dem Gärtnern) trifft auf digitales, interkulturelles Lernen und globales Denken (virtueller Schulgartenaustausch).

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Der Kontakt mit Menschen, die mit virtuellem Schulgartenaustausch Erfahrungen gemacht haben.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Deutsche Schüler, die nach einer Videokonferenz mit Schülern in Südafrika unbedingt auch Erdnüsse in ihrem Schulgarten anbauen wollten.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit Menschen, die im Kontext von Schulgärten und Bildungsarbeit arbeiten.

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Über die Projekte 10.000 Gärten für Afrika und Slow Food Schulgärten.

Veröffentlicht am 14. September 2018
Foto:
Johanna (vorne rechts) und eine Schulgarten-AG bei einer Videokonferenz mit Südafrika und Mexiko (Go! Global Garden) | © Privat


Jan-Hendrik Cropp, Landwirtschaftlicher Berater

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Landwirtschaftliche Beratung zum Thema Bodenfruchtbarkeit.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Aus Leidenschaft für den Erhalt und die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Die alltägliche Arbeit mit Bäuerinnen und Bauern auf den Feldern; das konkrete Erfahren des Mikrokosmos Boden.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Die Erkenntnis, dass auch die Wissenschaft nur ein unvollständiges Bild von Bodenfruchtbarkeit zeichnen kann, und wir daher eher auf Prinzipien und Systemdenken zurückgreifen müssen.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Es gibt wenig Spezialberatung mit dem Fokus auf Bodenfruchtbarkeit.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit Bäuerinnen und Bauern, die die Bodenfruchtbarkeit erhalten oder steigern.

Sonstiges?

Danke für die Einladung.

Veröffentlicht am 12. September 2018
Foto: © Christine Kupfer


Doro Sterz, junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL)

Wie Henrik Maaß gehöre ich der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) an. Wir sind eine Gruppe junger Bäuerinnen und Bauern, Gärtnerinnen und Gärtner, Imkerinnen und Imker und anderer Menschen aus dem landwirtschaftlichen Umfeld, die gemeinsam zu agrarpolitischen Themen arbeiten. Wir bringen uns aktiv in die Politik ein und wollen mehr Menschen für die Belange der Landwirtschaft sensibilisieren.

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Momentan bin ich Studentin (International Environmental and Sustainability Studies) und in verschiedenen Organisationen aktiv, die lokale Nahrungskreise unterstützen. Außerdem helfe ich in meinen Semesterferien immer auf Bauernhöfen aus und werde nach meinem Studium auch die Ausbildung zur Landwirtin machen.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Die Landwirtschaft ist für mich ein extrem faszinierender Bereich, da er eine direkte Verbindung zwischen Mensch und Natur darstellt. Ich habe mich für diesen Bereich entschieden, weil ich überzeugt bin, dass der Mensch leben kann, ohne die Natur auszubeuten. Genau das möchte ich in der Landwirtschaft tun. Außerdem macht es mir auch einfach unglaublich viel Spaß, draußen mit Tieren und Pflanzen zu arbeiten.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Die Highlights meines Studiums sind, wenn ich eine Veranstaltung organisiert habe (zum Beispiel zu Ernährungssouveränität) und die Menschen in diesen Veranstaltungen auch tatsächlich etwas lernen bzw. Diskussionen führen über Fragen, die sie sich vorher nie gestellt haben. In meiner Arbeit auf den Bauernhöfen sehe ich Highlights, wenn ich eigenverantwortlich etwas schaffe, etwas neu dazulernen kann oder mir Arbeit durch eine Idee erleichtern kann.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Ein Schlüsselmoment ist schwer zu finden. Für mich ist das Faszinierende, dass die Landwirtschaft so stetig voran geht mit immer dem selben Rhythmus, aber ständig neuen Herausforderungen. Ich hatte keinen einzelnen Schlüsselmoment, sondern bin eher nach und nach hineingewachsen.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Das Besondere liegt an der Verbindung, die ich zu den Produkten habe und an meinem Wunsch, das Beste für den Menschen und die Umwelt in dem Produkt zu vereinen. Allerdings wünsche ich mir, dass diese Art von Produktion nicht besonders, im Sinne von selten, bleibt, sondern zur Norm wird.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Ich bin ganz offen und freue mich andere Menschen aus den verschiedensten Bereichen kennen zu lernen. Am meisten interessieren mich aber die Erzeugerinnen und Erzeuger und diejenigen, die aus erster Hand kaufen.

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Ich will gerne von Projekten erfahren, welche gerade international am Laufen sind und interessiere mich besonders dafür, welche Ansätze es gibt, um Produzentinnen und Produzenten aus ländlicheren Gebieten mit zu integrieren und wie der Weg zu einer fairen Bezahlung gefunden wird.

Veröffentlicht am 12. September 2018
Foto: © Privat


Henrik Maaß, junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL)

Die junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft ist eine Gruppe junger Bäuerinnen und Bauern, Gärtnerinnen und Gärtner, Imkerinnen und Imker und anderer Menschen aus dem landwirtschaftlichen Umfeld, die gemeinsam zu agrarpolitischen Themen arbeiten. Wir bringen uns aktiv in die Politik ein und wollen mehr Menschen für die Belange der Landwirtschaft sensibilisieren.

Für unsere Vorstellung von Landwirtschaft ist die Möglichkeit, als Bäuerin und Bauer selbstbestimmt zu handeln, eine wesentliche Voraussetzung. Dazu gehören neben fairen Handelsbeziehungen weltweit auch angemessene Preise für nachhaltig erzeugte landwirtschaftliche Produkte. Der Kulturbegriff „bäuerlich“ bedeutet für uns, dass Gemeinsinn sowie ein respektvoller Umgang mit Mensch, Tier und Pflanze unser wirtschaftliches Handeln in der Natur leiten.

Wir sind überzeugt, dass es für die Herausforderungen der Zukunft keine industriellen Antworten gibt, sondern klein strukturierte, regional angepasste Wirtschaftsweisen nötig sind. Es gibt einen aktiven Kern mit etwa 30 Personen und einen größeren Kreis von ca. 300 Personen.

Ich habe die junge AbL 2009 mitgegründet und bin bis 2016 für die jAbL im AbL-Bundesvorstand gewesen. Für nyeleni.de bin ich einer von zwei Koordinatoren. Bei TRUE bin ich für das Arbeitspaket Wissensaustausch und Kommunikation zuständig. Ab und zu arbeite ich auf dem elterlichen Bioland-Betrieb in NRW mit und bin in Baden-Württemberg auf der Suche nach einem eigenen Hof.

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Ackerbau, Gartenbau, Vernetzung, Agrarpolitik, Forschung.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Ich bin auf einem Hof aufgewachsen und habe dann eine Ausbildung sowie ein Studium der Ökologischen Landwirtschaft absolviert.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Die Verbindung von Bodengebundenheit und internationaler Vernetzung.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Der Austausch mit Bäuerinnen und Bauern von La Via Campesina bei den Agrarökologie-Austausch-Treffen.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Der Anbau von heimischen Leguminosen reduziert die Abhängigkeit der EU von Sojaimporten und künstlichem Stickstoffdünger. Der Einsatz von externen Inputs im Betrieb wird minimiert. Es wird in möglichst geschlossenen Kreisläufen gewirtschaftet.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit Menschen, die mit Leguminosen arbeiten, und Menschen, die sich agrarpolitisch engagieren und für Ernährungssouveränität einsetzen.

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Über Wege für die gleichmäßige Ausweitung des nachhaltigen Anbaus und Konsums von Leguminosen. Außerdem interessieren mich die Aktivitäten des Slow-Food-Netzwerkes in Bezug auf Agrarpolitik und Ernährungssouveränität.

Veröffentlicht am 6. September 2018
Foto: © jABL


Thomas Rippel, Biodynamischer Landwirt

Ich bin biodynamischer Landwirt, beschäftige mich intensiv mit dem Thema Hofschlachtung und berate zum Thema Kompostierung und Pflanzenkohle-Herstellung.

Ich schreibe Artikel (SwissBioFarmer.com, Medium.com/@SwissBioFarmer), arbeite mit der Kulturland Genossenschaft und beschäftige mich intensiv mit dem Thema Boden als Allgemeingut. Denn Boden ist kein Spekulationsobjekt.

Zudem bin ich Mitgründer von OpenCrowdInvest.org, einer open-source crowd investing Plattform für die Landwirtschaft, und Mitgründer von Terrafina.org, einem Blockchain-basiertem Konzept, um Land aus der Spekulation zu befreien.

Während Terra Madre Salone del Gusto möchte ich mich gerne mit Menschen vernetzen, die an ähnlichen Themen arbeiten wie ich.

Veröffentlicht am 30. August 2018
Foto: © Thomas Rippel


Marliese Sitter und Anne Kimmel, Schäferinnen

Frau Sitter, in welchem Bereich arbeiten Sie?

Ich bin Schäferin und studiere Agrarwissenschaften in Stuttgart-Hohenheim. Nebenher arbeite ich auf einem Bioland-Milchviehbetrieb.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Entscheidend waren die Naturnähe, das nachhaltige Wirtschaften und die Arbeit mit Tieren.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Lämmer, die nicht angenommen werden, erfolgreich aufzupäppeln; im Sommer auf der Weide zwischen den Tieren Kirschen zu pflücken; interessierten Leuten erklären, wie Landwirtschaft funktioniert.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Die Liebe zu spüren, die die Tiere zurückgeben; die Fakten zur Nachhaligkeit von Streuobstwiesen.

Was ist an Ihrer Tätigkeit besonders?

Sie ist sehr arbeitsaufwendig. Und die Leidenschaft für diese Arbeit ist ein Muss.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Slow Schaf, Slow Food Youth, Teilnehmer der letzten Slow Food Youth Akademie

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Über die Presidi und Slow Food im Allgemeinen.

Sonstiges?

Ich bin Teilnehmerin der Slow Food Youth Akademie 2018.


Frau Kimmel, in welchem Bereich arbeiten Sie?

Ich bin Schäferin in der Hüte- und Wanderschäferei.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Ich mag Schafe und ihre Eigenschaften. Schafe pflegen und erhalten die Landschaft, sie liefern mit Wolle einen nachwachsenden Rohstoff und tolles Fleisch.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Ich liebe es, draußen mit der Herde zu sein und sie mit Hilfe meiner Hunde zu führen – das ist Friede und Freiheit.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Dazustehen, die Schafe rupfen ihr Futter, die Hunde tun ihre Arbeit, ich bin mit mir im Einklang. Dafür nehme ich all die schwere Arbeit in Kauf.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Sie ist nachhaltig, tierfreundlich und landschaftserhaltend.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit Hirten aus aller Welt, mit Augenmerk auf Europa, da wir besonders unter den gleichen Zwängen und Verordnungen leiden.

Veröffentlicht am 23. August 2018
Fotos: © Privat (2)


Heiko Niehaus, Betriebsleiter auf einem Traditionsschiff

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Ich bin Betriebsleiter des Traditionsschiffes HF 42 Providentia in Flensburg und habe am 10. Mai 2018 an Bord das Malgari Café eröffnet. Wir beziehen den Großteil unserer Zutaten von kleinen Lebensmittelmanufakturen im Umkreis von 70 Kilometern. Es sind gute, saubere und faire Lebensmittel ganz nach dem Motto von Slow Food: durch die Jahreszeiten begrenzt und durch altbewährte Methoden hergestellt. Zusätzlich bieten wir in Kooperation mit dem Verein Club Amici Valchiusella Genussreisen in Valchiusella an. Es handelt sich hierbei um Wanderreisen, die den Teilnehmern die Möglichkeit bieten, Produzenten zu treffen und etwas über Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und Lebensmittelhandwerk zu erfahren.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Weil ich die enge Kooperation mit der Ostseeschule Flensburg als Schiffseigentümer besonders interessant finde. Denn sie nutzt das Schiff als Schule in Fahrt und bietet so den Schülern tiefgreifende Eindrücke im Bereich der Schifffahrt als kulturelles Erbe und auf dem Gebiet Nachhaltigkeit in Norddeutschland. Das Café soll eine Ergänzung darstellen, indem es nun auch einen Lernort für gute Lebensmittel darstellt, um das Traditionsschiff als solches erhalten zu können.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Der Austausch mit den Gästen, die Begeisterung der Leute über die Produkte und Köstlichkeiten der Region und natürlich der persönliche Kontakt zu den Produzenten. Immer wenn es die Zeit erlaubt, besuche ich sie, um mit ihnen über Herausforderungen, Lösungen und Produkte zu sprechen und gemeinsame Projekte ins Leben zu rufen.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Die Idee und den Traum des Schiffscafés innerhalb von vier Wochen zu organisieren, die Herausforderungen von Stromauslastung, Logistik und Platzmangel zu bewältigen.

Was ist an Ihrer Tätigkeit besonders?

Wir arbeiten überwiegend mit kleinen Lebensmittelmanufakturen im Umkreis von 70 Kilometern zusammen, um das Handwerk in der Region und die lokale Wirtschaft zu fördern. Die enge Kooperation mit der Montessori-Schule Ostseeschule Flensburg erlaubt es uns, Bildungsarbeit an einem außergewöhnlichen Ort zu betreiben, Informationen über die Produzenten, ihre Produkte und ihre Bedeutung für die Region, wie auch Hintergrundinformationen über die Traditionsschifffahrt zu vermitteln.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Ich freue mich, interessante Produzenten kennen zu lernen, ihre Produkte möglicherweise in mein Portfolio aufzunehmen und Kooperationen einzugehen, um die Leute für eine umweltbewusste Ernährungsweise mit guten Lebensmitteln zu sensibilisieren.

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Mich würde es sehr interessieren, andere Projekte oder Initiativen kennen zu lernen, die sich ebenfalls mit den Themen Nachhaltigkeit, Bildungsarbeit und Gastronomie an besonderen Standorten beschäftigen.

Sonstiges?

Den Austausch mit anderen Teilnehmern, die Teilnahme an Diskussionen und Vorträgen finde ich immer sehr aufschlussreich und inspirierend. Ich hoffe nur, dass bei dem geballten Programm  des Terra Madre Salone del Gusto genug Zeit für Gespräche und Reflektion bleibt.

Veröffentlicht am 16. August 2018
Foto: © Privat


Julia Salomon, Oecotrophologin

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Ambulant unterstütztes Wohnen: Ernährungs-Begleitung für Menschen mit geistiger Behinderung (seit Oktober 2017), Gastronomie (Service), Studium der Oecotrophologie und Facility Management.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Es ist mir ein Anliegen, gute und gesunde Ernährungsweisen beziehungsweise das Wissen darum, an alle Menschen heranzutragen. Nicht nur an finanziell Benachteiligte, sondern auch an Menschen mit Lernschwächen oder anderen Barrieren. Die Kombination von Arbeiten mit Menschen und dem Studium der Oecotrophologie ist für mich genau das, was ich schon seit langer Zeit tun wollte.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Wenn eine Klientin mir Fotos von ihrem Essen schickt und von sich aus Dinge erfragt. Ein anderer Klient hat darauf beharrt, ein ganz bestimmtes Rezept von mir zu bekommen, um den Pfannekuchen-Wendetrick zu üben. Wenn ich sehe, dass einer der Klienten beim Zwiebelschneiden den Tunnel-Griff macht, den ich ihm vorher nur zweimal gezeigt habe.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Die Fotos der Klientin von ihrem Essen. Das kann man als außenstehende Person vielleicht nicht so gut nachvollziehen. Aber für mich bedeutete es, dass ein wenig meiner Arbeit bei ihr angekommen ist.

Was ist an Ihrer Tätigkeit besonders?

Weil diese Menschen etwas Besonderes sind. Und die Teilhabe aller Menschen die Gemeinschaft stärkt. „Wissen teilen“ heißt nicht, dass man es nur mit denen teilt, die es verstehen können. „Wissen teilen“ bedeutet, es jedem Menschen verständlich zu machen, der es verstehen möchte. Erst dann sind wir auf einer Augenhöhe.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit Menschen, die Interesse daran haben, die Teilhabe aller Menschen (und Tiere) als einen zentralen Punkt in der gemeinsamen Arbeit bei Slow Food zu etablieren. Die Teilhabe von Kleinbauern, Kindern, Menschen mit sprachlichen Barrieren, Nischen-Produzenten, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit wenig Einkommen und so weiter gehören meiner Meinung nach zu Slow Food wie die Schnecke, die Gabel-Faust und guter Wein.

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Welche Anregungen, Ideen und Materialien es schon im Bereich Teilhabe oder z. B. Food Literacy gibt. Wie in anderen Ländern damit umgegangen wird und ob es Interesse daran gibt, sich auch vielleicht international zu dem Thema zu vernetzen. Mich interessiert auch, wie es in anderen Ländern den Kleinbauern geht und wie dort mit Landgrabbing oder Ähnlichem umgegangen wird. Ob es Erfolge gibt oder wie man sich noch weiter vernetzen kann, um gegen übermächtige Konzerne eine Chance zu haben. Spannend finde ich auch, ob und welche Formen von alternativen Transport-Möglichkeiten vielleicht schon von Lebensmittelhändlern und -produzenten benutzt werden.

Sonstiges?

Ich freue mich einfach außerordentlich auf das Wiedersehen mit vielen tollen Menschen, neue Menschen kennenzulernen, interessante Diskussionen und viele neue Eindrücke. Außerdem habe ich vor, als Genuss-Botschafterin mit einem Lastenrad von Münster aus nach Turin zu fahren. Mit im Gepäck: (leichte) Spezialitäten aus Münster und emissionsarm transportierte Schokolade. Die Aktion ist noch in der Ideen-Phase, wird aber mit der Zeit immer konkreter. Es fehlen nur noch ein gesponsertes Leih-Lastenrad, die Münster-Spezialitäten und eine Straßenkarte. Eine motivierte Fahrerin mit Zelt, Zeit und trainierten Beinen gibt es schon.

Veröffentlicht am 9. August 2018
Foto: © Privat


Inken Mohr und Hardy Marienfeld, Archehof Bredland

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Wir bewirtschaften im Nebenerwerb einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb und bieten Urlaub auf dem Bauernhof an.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Uns ist es wichtig zu wissen, was wir essen, und wir möchten sicherstellen, dass es unseren Tieren bis zum letzten Tag gut geht.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Wenn plötzlich unsere Gäste verstehen, warum es so wichtig ist, alte Nutztiere vor dem Aussterben zu bewahren.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Als ein altes Kochrezept meiner Oma mit dem Schmalz unserer Angler Sattlelschweine plötzlich wieder funktionierte.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Weil wir den Tieren während deren Lebzeiten sehr viel Zeit und Liebe schenken, sie bis in den Tod begleiten und später das Stück Fleisch für uns eine sehr große Bedeutung hat.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit anderen Landwirten, aber auch mit Interessierten und kritischen Verbrauchern weltweit.

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Über die anderen Kulturen, Menschen, Länder, Arten der Vermarktung. Außerdem interssieren mich alte traditionelle Rezepte.

Veröffentlicht am 6. August 2018
Foto: Hardy Marienfeld mit Schaf. | © Tierpark Arche Warder


Elgin Hertel, Multimedia-Journalistin

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Digital Storytelling, Podcasts, Radio, Fotografie.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Landschaft ist komplex, so wie der Mensch. Ich habe mich mit beiden beschäftigt und in zahlreichen sozialen sowie umwelt- und nachhaltigkeitsorientierten Organisationen gearbeitet. Ich betrachte mich als Audio-Anwältin für Menschenrechte und Nachhaltigkeit.

Um meine wissenschaftlichen und künstlerischen Neigungen miteinander verbinden zu können, habe ich an Theater-Workshops teilgenommen, arbeite als Radiojournalistin und Podcasterin. Ich möchte soziale Themen durch künstlerische Medien bearbeiten.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

2018: Landesverband Kinder- und Jugendfilm Berlin e.V. - Berlin. Produktion eines Podcasts für eine Radiosendung – als Tutorin des Projekts "Queer Faces Migrant Voices".

2017: Slow Food Berlin. Radioproduktion für das Projekt „Boden begreifen“ auf dem Gebiet Bildung und Unterhaltung.

2016: International Organisation of Migration – Dakar, Senegal. Radioproduktion des Theaterstücks "D´où tu vas" von Brrr.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Nachdem ich mich für meinen Bachelor mit trockenen Zahlen beschäftigt hatte, nach dem Eintauchen in die Berliner Gastronomie als Zwischenspiel, nach der Beschäftigung mit kreativem Schreiben und Theater, habe ich 2015 endlich meine erste Radiosendung produziert, eine Satire über die EU-Flüchtlingspolitik, "SOS Arschloch". Ich stellte fest, dass ich Inhalt mit kreativem Output verbinden konnte, ein Arbeitsprozess, der mir zusagt, um eine Geschichte zu erzählen, die wichtig ist – für mich und hoffentlich auch für andere.

Was ist an Ihrer Tätigkeit besonders?

Ich finde Sozialwissenschaften mindestens genauso wichtig wie die Naturwissenschaften. Daher setze ich mich bei jeder Gelegenheit fremden Kulturen und Perspektiven aus. Das tiefe Verständnis für interkulturelle Eigenheiten hat mir geholfen, mit Menschen von unterschiedlichster Herkunft zu arbeiten. Daher weiß ich, wie man eine bedeutsame Geschichte erzählt. Ich mache den Menschen zum Mittelpunkt meiner Arbeit. Für die Entwicklung eines Audio Produkts verwende ich einen anthropozentrischen Ansatz, um sicherzustellen, dass die Menschen, die von einer bestimmten Frage betroffen sich auch im Endprodukt wiederfinden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt meiner Arbeit ist die Verbindung von wissenschaftlicher Information mit Unterhaltung, also Infotainment. Dies stellt sicher, dass sich die betroffenen Menschen mit dem Produkt identifizieren und dadurch veranlasst werden, ihr Verhalten positiv zu verändern. Aus Erfahrung weiß ich, dass betroffene Gemeinschaften, die Lösung für ihre Probleme bereits kennen, dies wird jedoch von den internationalen Organisationen für Entwicklung und Zusammenarbeit oft übersehen. Als Radiojournalistin und digitale Geschichtenerzählerin kann ich allen eine Stimme geben.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Sicher mit positiv eingestellten Menschen, die eine Machermentalität bestitzen und unkonventionelle, neue und fachübergreifende Ideen haben. Aber wer? Es könnte jeder sein: ein urbaner Gärtner aus New York, eine indonesische Großmutter, ein bayerischer Schlachter, ein italienisches Kind...meine Offenheit, Neugier und Spontaneität haben mir stets geholfen, also möchte ich mich auch spontan vernetzen.

Aufgrund meiner Arbeit möchte ich aber auch definitiv mit Menschen aus den Bereichen Info/Edutainment, Radio, Podcast, Theater der Unterdrückten, konstruktiver Journalismus, kritischer Journalismus, Avantgarde-Bildung austauschen. Frage: Was ist Wissen?

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Als Frau interessieren mich natürlich auch Frauenthemen und da ich mit jungen Menschen und Migranten arbeite, interessiert mich alles, was damit zu tun hat. Auch erinnere ich mich, dass ich mich auf dem Terra Madre Kongress 2016 viel im Indigenen-Zelt aufgehalten habe.

Veröffentlicht am 2. August 2018
Foto: © Privat


Klaus Perovec, Küchenbulle und Streetworker

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Ich arbeite als Küchenbulle und Streetworker in dem Sozialprojekt jugend@work für das Katholische Jugendsozialwerk der Caritas. Im Rahmen dieses Projekts koche ich zusammen mit schwervermittelbaren Jugendlichen und jungen Erwachsenen Schulverpflegung.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Weil es eine Tätigkeit ist, in der ich alle meine Kompetenzen und Leidenschaften aus meinem bisherigen Lebenslauf ausleben kann.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Wenn meine Mitarbeiter nach ihren sechs Monaten im Projekt eine Lehrstelle antreten können. Und: Wenn Leute aus schwierigem sozialen Milieu sich plötzlich für gutes Essen und Kochen interessieren.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Zitat: „Der Pudding schmeckt ja viel besser als ein gekaufter Pudding!“. Da steckt alles drin.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Erstens: Weil wir mit einem kleinen Team nicht-qualifizierter Mitarbeiter jeden Vormittag selbstgekochtes Essen für 40 Personen zubereiten. Und wir dies Zweitens mit einem sehr knappen Budget bewerkstelligen und trotzdem sogar unser Brot selbst backen.

Mit wem möchten Sie sich während Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit den Personen, die irgendwo auf der Welt für/mit sozial Benachteiligten Mahlzeiten zubereiten. Und die nebenher diese Menschen auch noch ausbilden. Interessant wäre auch der Austausch mit Menschen, die koscher oder halal kochen, weil es ihre Religion und/oder ihre Gäste verlangen.

Über welche Themen möchten Sie während Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Wo auf der Welt gerade kulinarische Revolutionen stattfinden (ähnlich der New Nordic Cuisine), was bei Slow Food USA läuft (ich war gerade in North Carolina im Urlaub und habe das dortige Convivium getroffen). Außerdem interessieren mich Küchentechniken in den sogenannten Entwicklungsländern.

Veröffentlicht am 30. Juli 2018
Foto: © Privat


Jörn Mertins und Larissa Cunningham, Finne Brauerei

Wir sind eine kleine Craft Bier Brauerei aus Münster und stellen handwerklich gebraute Biere her, ausschließlich in Bio-Qualität. Unsere Hauptmotivation ist es, hochwertige Biere zu machen und die Vielfalt an Bierstilen wieder zu beleben. Wir möchten Biergenuss in den Vordergrund stellen und unseren Gästen und Kunden Wertschätzung für die Produktion und die Rohstoffe vermitteln. Wir sind noch ein sehr junges Unternehmen mit sechs Mitarbeitern. Seit Anfang 2017 sind wir Slow-Food-Unterstützer und fördern viele Slow-Food-Youth-Projekte in Münster. Darüber hinaus haben wir bereits beim Slow-Food-Convivium-Stammtisch in Münster teilgenommen und bieten auch ein Bierseminar für Conviviumsmitglieder an.

Als Brauer versuche ich verschiedene in Vergessenheit geratene Bierstile wieder zu beleben, aber ich lasse mich auch gerne inspirieren und entwickle moderne Rezepturen. Die Stile variieren, neben deutschen Stilen sind auch viele anderer Nationen dabei. Neben Bierseminaren und Verkostungen bieten wir bei uns in der Brauerei bald auch "Pairings" an und arbeiten hier mit lokalen Lebensmittelhandwerksbetrieben zusammen, mit denen wir uns verbunden fühlen. Unsere Speisekarte im Pub ist ausschließlich in Bio und auch hier beziehen wir Produkte überwiegend aus Münsterland, auch von Slow-Food-Unterstützern.


Warum haben Sie sich entschieden in diesem Bereich tätig zu werden?

Wegen der Freude am Lebensmittelhandwerk und dem Qualitätsanspruch bei einem Genussmittel.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Sensorik im Team.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Die Produktion des eigenen ersten Bieres.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Unsere Bio-Bierproduktion ist sehr handwerklich und erfolgt in Zusammenarbeit mit Hopfenbauern.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit anderen Brauern, Bier-Iinteressierten aus dem Slow Food Deutschland Netzwerk als auch aus dem internationalen Netzwerk und auch mit Winzern.

Veröffentlicht am 26. Juli 2018
Fotos: © Kerstin Niehoff


Krautkreise, Selbstversorger-Gemeinschaft

Wir sind eine Gemeinschaft, die sich um ein ökologisches und selbstversorgendes Zusammenleben bemüht. Ein Teil davon ist Permakultur und Landwirtschaft, der andere Teil besteht in einem gemeinsamen, sich gegenseitig unterstützenden Miteinander.

Unsere Gemeinschaft besteht aus acht festen Mitgliedern und jährlich vier bis zehn Helfern im Jahr. Im Rhythmus der Jahreszeiten säen wir, ziehen die Pflanzen auf, bis sie selbst auf dem Feld wachsen können und bringen sie in die Natur, das heißt, auf die Hügelbeete auf unseren Feldern. Dort wachsen sie in Symbiose mit anderen Pflanzen in Mischkulturen. Gemüse, Leguminosen und Fruchtsträucher existieren zusammen dort mit Fröschen, Bienen und anderen Insekten. Im Herbst oder zur Blütezeit werden die reichen Gaben geerntet und für den Winter vorbereitet, entweder eingenistet oder süß bzw. sauer eingemacht. Im Sinne der Permakultur ist uns ein Zusammenleben mit allen anderen Lebewesen wichtig.

Veröffentlicht am 23. Juli 2018
Foto: © Marion Gomuluch


Tobias Miltenberger und David Gerstmeier, Imkerei Summtgart

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Biodynamische Imkerei und Honiggewinnung. Unsere Imkerei ist in Stuttgart.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Aus Leidenschaft für Bienen.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Das Schwärmen von Bienenvölkern.

Was war für Sie ein Schlüsselmoment in Ihrer Arbeit?

Die Begegnung mit Menschen und Bienen.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Wir arbeiten mit den natürlichen Trieben der Bienen: mit dem Schwarmtrieb und dem Naturwabenbau und mit eigenen Königinnen.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit anderen Imkern.

Über welche Themen möchten Sie während des Terra Madre Salone del Gusto mehr erfahren?

Über Imkereien und Bienenhaltung.

Veröffentlicht am 20. Juli 2018
Foto: David Gerstmeier (li.) und
Tobias Miltenberger. | © proBiene


Nanetta Ruf, Konditorin

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Ich setze mich ein für ein Konditorenhandwerk, das ohne Zusatzstoffe auskommt und möglichst in Bioqualität produziert. Außerdem engagiere ich mich für ordentliche Arbeitsbedingungen und die gesellschaftliche Anerkennung von Handwerksberufen. Ich arbeite jetzt in einer Biobäckerei, die genau meine Ziele verfolgt. Etwa 15 Angestellte helfen, diese Philosophie umzusetzen und mit hochwertigen Rohstoffen unter fairen Arbeitsbedingungen tolle Produkte zu fertigen.

Warum haben Sie sich entschieden, in diesem Bereich tätig zu werden?

Ich möchte handwerkliche und nachhaltige Lebensmittel herstellen.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Bioprodukte zu machen und dafür gute Rohstoffe einzukaufen.

Warum ist Ihre Art der Produktion besonders?

Weil wir ohne Fertigwaren und mit vielen nachhaltig produzierten Rohstoffen arbeiten.

Mit wem möchten Sie sich während des Terra Madre Salone del Gusto vernetzen?

Mit allen, die sich auch für diese Themen interessieren, vor allem für Backwaren.

Veröffentlicht am 20. Juli 2018
Foto: © Max Frehner DHZ



Mehr Informationen zu Terra Madre Salone del Gusto 2018:

www.salonedelgusto.com (Englisch)


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