Pestizid-Aktionswoche: Testen Sie jetzt ihr Pestizid-Wissen

27.03.2023 – Im Rahmen der Pestizid Aktionswoche, die vom 20. bis 30. März stattfindet, hat Slow Food diverse Fakten zum globalen Einsatz, den Folgen und den Erzeugerfirmen von Pestiziden herausgestellt. Hätten Sie die Antworten auf diese Fragen gewusst? Testen Sie jetzt ihr Pestizid-Wissen...

1. Wie viele schwerwiegende Vergiftungen sind jedes Jahr weltweit auf den Kontakt mit Pestiziden zurückzuführen?

  • Antwort: 385 Millionen

Die Chemikalien in synthetischen Pestiziden können die Luft, das Wasser, den Boden und die Ökosysteme kontaminieren und belasten. Sie können über die Luft, durch Wasser- und Bodenabfluss transportiert werden. Der Mensch kann Pestiziden auch über Lebensmittelrückstände und das Trinkwasser ausgesetzt sein.

Einige Gruppen sind jedoch stärker mit Pestiziden belastet, darunter Landarbeiter*innen. Jährlich treten weltweit schätzungsweise 385 Millionen unbeabsichtigte akute Pestizidvergiftungen auf, darunter etwa 11.000 Todesfälle. Das bedeutet, dass 44 % der Landwirt*innen jedes Jahr durch Pestizide vergiftet werden.

2. Pestiziden ausgesetzt zu sein kann diese Folgen haben:

  • Antwort: Kurzzeitwirkungen (Haut- und Augenreizungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit) und chronische Krankheiten (Krebs, Asthma, Diabetes) 

Der Mensch kann Pestiziden über Lebensmittelrückstände und Trinkwasser ausgesetzt sein. Das Ausmaß oder die Dosis der Exposition, die Kombination von Pestiziden sowie der Grad der Toxizität und die Persistenz des Pestizides sind alles Faktoren, die deren Auswirkungen beeinflussen.

Über die potenziellen zusätzlichen Schäden von Pestizidkombinationen, dem so genannten "Cocktaileffekt", gibt es noch keine Forschungsergebnisse. Bis heute führen die meisten Regulierungssysteme weiterhin Risikobewertungen für einzelne Pestizide durch und ignorieren dabei die Tatsache, dass Pestizid-Cocktails wesentlich mehr Schaden anrichten können als einzelne Pestizide.

3. Stimmt diese Aussage? Mit genetisch veränderten Organismen (GVO, englisch: GMO) lässt sich der Einsatz von Pestiziden verringern:

  • Diese Behauptung ist falsch

Die agrochemische Industrie behauptet oft, dass GVO und neue GVO (gentechnisch veränderte Organismen) dazu beitragen können, den Bedarf an Pestiziden zu verringern, da sie die Pflanzen resistent gegen bestimmte Schädlinge machen. Die Datenlage belegt dies nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Der Einsatz von Pestiziden hat seit der Einführung von GVO zugenommen.

So wurden beispielsweise viele Kulturpflanzen so konzipiert, dass sie gegen Herbizide wie Glyphosat tolerant sind, was den weit verbreiteten Einsatz von Glyphosat ermöglicht. Eine wenig überraschende Erkenntnis, wenn man bedenkt, dass es dieselbe agrochemische Industrie ist, die sowohl GVO-Saatgut als auch Pestizide herstellt.

4. Stimmt diese Aussage? Synthetische Pestizide helfen den Landwirt*innen, höhere Einnahmen zu erzielen:

  • Diese Behauptung ist falsch

Die beispiellosen Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft seit 1945 sind nicht den Landwirt*innen zugute gekommen, sondern den anderen Akteur*innen in der Lebensmittelkette. Die Agrar- und Lebensmittelindustrie und der Einzelhandel haben am meisten profitiert, während sich der Endpreis, den die Verbraucher*innen für Lebensmittel zahlen, seit den 1960er Jahren verfünffacht hat.

Hinzu kommt, dass der Anteil des Wertes, den die Landwirt*innen erwirtschaften, ständig abnimmt, da sie zwischen der Volatilität der Rohstoffpreise und dem Anstieg der Inputkosten (Düngemittel, Pestizide) gefangen sind.

5. Die Welt produziert genug Nahrungsmittel für die Ernährung von:

  • 10 Milliarden Menschen

Pestizidbefürworter*innen behaupten regelmäßig, dass die Landwirt*innen nicht mehr in der Lage wären, die Welt zu ernähren, wenn Pestizide aus der Landwirtschaft verbannt würden. Dabei produzieren wir derzeit genug Lebensmittel, um die Weltbevölkerung 1,5 Mal zu ernähren. Das entspricht 10 Milliarden Menschen, wobei wir derzeit etwas mehr als 8 Milliarden sind.

Die seit Mitte des 20. Jahrhunderts verfolgte Strategie besteht darin, "die Welt zu ernähren", und zwar durch eine ständige Produktivitätssteigerung, die weitgehend durch den intensiven Einsatz von Pestiziden aufrechterhalten wurde. Dennoch sind weiterhin 40 % der Weltbevölkerung von Ernährungsunsicherheit betroffen, während ein Drittel der produzierten Lebensmittel verschwendet wird oder verloren geht.

6. Stimmt diese Aussage? Monokulturen brauchen keine Pestizide zum Schutz der Pflanzen:

  • Diese Behauptung ist falsch

In Monokulturen wird jeweils nur eine Pflanzenart auf einem Feld angebaut, die eher von Krautfäule oder Schädlingen befallen wird, da sich diese Bedrohungen aufgrund der geringeren Artenvielfalt schneller ausbreiten können. Als Reaktion darauf setzen die Landwirt*innen größere Mengen an Pestiziden und Herbiziden ein, um die Pflanzen zu schützen. Diese Chemikalien sickern in den Boden und verseuchen sowohl den Boden als auch das Grundwasser.

Außerdem neigen Monokulturbetriebe dazu, den Einsatz von Pestiziden noch weiter zu intensivieren, da einige Schädlinge den Einsatz von Chemikalien überleben, indem sie Resistenzen dagegen entwickeln. Später geben diese Parasiten diese neu erworbene Immunität an ihre Nachkommen weiter, die sich ihrerseits auf der betreffenden Parzelle noch stärker vermehren, da ihre Hauptnahrungsquelle an einem Ort verbleibt.

7. Wie viele Industriekonzerne halten die Mehrheit am weltweiten Pestizidmarkt?

  • 4

Im Jahr 1990 wurden 80 % des weltweiten Pestizidmarktes von 16 Unternehmen gedeckt. Durch Fusionen und Übernahmen haben sich jedoch vier führende Unternehmen herausgebildet: Syngenta/ChemChina, Bayer, BASF und Corteva halten fast 67 % des gesamten Marktes.

"Fun” fact: In den Händen dieser vier Unternehmen liegen auch rund 60 % des weltweiten Saatgutmarktes. Diese Strategie hat es ihnen ermöglicht, ein hohes Rentabilitätsniveau zu erreichen, während viele Landwirt*innen ihrer Ernährungssouveränität beraubt wurden.

8. Stimmt diese Aussage? Die Europäische Union plant, den Einsatz von Pestiziden bis zum Jahr 20230 um 50 % zu reduzieren:

  • Richtig

Ja, es handelt sich um ein Hauptziel der EU Farm-to-Fork-Strategie, die den Übergang zu einer nachhaltigen Ernährung und Landwirtschaft in Europa sichern soll. Leider wird diese wichtige Strategie seit ihrer Veröffentlichung von der Industrie-Lobby angegriffen. Jüngste Wendung: Sie nutzen jetzt die tragische Situation in der Ukraine, um die Umsetzung der Ziele zur Reduzierung von Pestiziden zu blockieren.

Viele Organisationen der Zivilgesellschaft in ganz Europa, darunter auch Slow Food, wehren sich dagegen!

Unsere Botschaft? Die EU Farm-to-Fork-Strategie ist die einzige Möglichkeit, die natürliche Umwelt Europas und die Gesundheit seiner Bürger*innen zu erhalten. Wir müssen sie verteidigen und umsetzen!

>> Mit diesen 5 Tipps können Sie sich gegen die für Mensch, Tier und Umwelt schädlichen Pestizide einsetzen

Mehr Informationen zur Pestizid Aktionswoche und wie Sie aktiv werden können unter: http://www.pesticideactionweek.org/

Über die Pestizid Aktionswoche: Die Pestizid Aktionswoche wird von Générations Futures organisiert. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet diese französische Organisation am Problem der chemischen Pestizide und fördert die Warnung  über ihre Gefahren. Im Rahmen der Pestizid Aktionswoche versammelt der Verein mehr als 50 nationale Partner, internationale Organisationen sowie lokale Teilnehmer*innen; darunter Slow Food Europe und nationale Organisationen wie Slow Food Deutschland und Italien

Inhaltspezifische Aktionen