Weltbienentag: Was Bienen wirklich hilft!

23.5.2018 – Auf Antrag Sloweniens hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 2017 die Einführung eines Weltbienentags beschlossen. Alljährlich am 20. Mai soll er die Welt auf die ökologische Bedeutung von Bienen aufmerksam machen und an die Notwendigkeit erinnern, diese zu schützen. Markus Hahnel, Stadtimker und Leiter von Slow Food München, macht sich zum ersten Weltbienentag Gedanken über die Honigbiene, den Trend zum Hobby-Imkern und den Wert von Aktionstagen.

Weltbienentag: "Was Bienen wirklich hilft"

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Bienen sind hipp. Fleißig, putzig, pelzig, süßen Honig sammelnd, durchaus wehrhaft; im gesellschaftlichen Mainstream als Sympathieträger angekommen, noch nicht wie Hundewelpen oder Katzenbabys – aber fast. Und Imker scheinen, bei all ihren sonstigen Sorgen, plötzlich zumindest keine Nachwuchssorgen mehr zu haben. Imkervereine können sich vor Interessenten und Neumitgliedern nicht mehr retten. Viele versuchen sich als Stadtimker, es gibt endlich mehr Imkerinnen. Und Blühstreifen oder Insektenweiden sind en vogue. Man liest und hört und vernimmt auch die Bedeutung von Insekten allgemein, Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen. Bald wird es in Bayern ein Volksbegehren zur Artenvielfalt geben, es nutzt die Bienen klug als kommunikatives Leitmotiv (www.volksbegehren-artenvielfalt.de).

Bild oben: Honigbienen sammeln Nektar und Pollen an der Gewöhnlichen Mahonie.

Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten

Jetzt gibt es auch noch den Weltbienentag. Sogar die deutsche Bundeskanzlerin erwähnte Bienen in ihrer Rede während der Haushaltsdebatte im deutschen Bundestag, auf Regierungsdächern wuseln sie schon seit Jahren rum. Und DBV-Präsident Rukwied baut den Dialog mit Imkern aus. Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde, das war mein erster Gedanke. Alles gut? Ein toller Trend? Sind wir auf dem richtigen Weg? Leider nein. Die Realität ist grau, bei aller Buntheit und Vielfalt. Eher in Richtung ADHS: Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom. Es bringt nichts, zum Aktionstag auf Bienenfreund zu machen, auf nationaler und EU-Ebene aber tagein, tagaus, aktiv oder in wohlkalkulierter Abstimmungstaktik gegen Bienen und Biodiversität zu arbeiten. Unsere Regierung setzt sich für Agrarchemie, Zulassungsverlängerung von Totalherbiziden, Verbotsverzögerung von Neonikotinoiden, Verharmlosung in Risikostudien ein. Es ist die engagierte Zivilgesellschaft, nicht die Politik, die für Besserungen und Veränderung sorgt!

So kann jeder Bienen wirklich helfen:

  • Lassen Sie sie in Ruhe, es gibt schon genug Kümmerer & Imker.
  • Kaufen Sie Honig aus der Region, sofern Sie das Glück haben, nicht Felder mit Agrarwüste um Sie herum zu haben und beziehen Sie Honig von Imkern und Imkerinnen, die nach ökologischen Grundsätzen imkern (biozertifiziert wird nämlich die Wirtschaftsweise, nicht die Biene).
  • Kaufen Sie grundsätzlich überwiegend saisonale Bio-Lebensmittel aus der Region!
  • Engagieren Sie sich für eine Agrarpolitik auf deutscher und EU-Ebene, die eine ökologische und kleinteilige Ausrichtung unserer Landwirtschaft forciert, sowie synthetische/systemische Spritz- und Beizmittel (genannt Pflanzenschutz) reduziert oder ganz verbietet,
  • Hinterfragen Sie die Motive und das Handeln von selbsternannten Bienenfreunden von der BayWa, über Bayer bis zu hin zu penny-Aktionen!
  • Sorgen Sie in Ihrem persönlichen Umfeld und Einflussgebiet für die Umsetzung von Maßnahmen, die Biodiversität, Artenvielfalt und Insektenverbreitung fördern!
  • Geben Sie Ihre Liebe den Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten!
  • Geben Sie mehr Geld für gute Lebensmittel aus und kämpfen Sie für eine Wirtschafts- und Sozialpolitik, die alle Menschen von ihrer Arbeit leben lässt und - Stichwort: Mieten - auch in Ballungsräumen wohnen bezahlbar erhält.
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Konventionelle Landwirtschaft: System ohne Zukunft

Die Art und Weise wir wie unsere konventionelle Landwirtschaft betreiben, ist ein System ohne Zukunft. Sie zerstört die Lebensgrundlage von Bienen und vielen Insekten. Sie versteht komplexe Ökosysteme als Fabrik, nur ohne Dach. Input: Boden, Dünger (Kunstdünger, Gülle), Pflanzen“schutz“ (Totalherbizide, Herbizide, Fungizide, Pestizide), Saatgut (meist hybrid), Kapital (teure Maschinen) und Arbeitskraft; Output: tierische und pflanzliche Produkte. Externalisiert werden Bodenerosion, Überdüngung, Tierwohl, Verseuchung des Trinkwassers, multiresistente Keime. Agrarwüsten aus wenigen Kulturen, wie Mais, Weizen, Raps dominieren die Landschaft; selbst in Gegenden mit viel Grünland und wenig Ackerbau sorgen bis zu 7 Grasschnitte im Jahr dafür, das viele Kräuter und Gräser niemals zum Ausblühen kommen und somit von der Wiese verschwinden. Schuld sind aber nicht die Bäuerinnen und Bauern, Schuld sind wir alle, die mehrheitlich billige Lebensmittel wollen, sich nicht dafür interessieren, wie etwas hergestellt oder verarbeitet wird.

Bild oben: Imkerkurs betrachtet Rahmen mit Naturwabenbau (ohne Mittelwand).

Acht kurze Geschichten rund um Bienen

1. Faszinosum Honigbiene

Es gibt weltweit Tausende, in Europa Hunderte von Bienenarten, alles Wildbienen. Die meisten sind Solitärbienen, seltener sind in Staaten oder Dauergemeinschaften lebende Insekten. Sie bevölkern seit der Kreidezeit unsere Erde in Ko-Evolution mit Blütenpflanzen; immer aneinander angepasst, zum Teil hochgradig spezialisiert.

Ein Volk von Honigbienen nennt man Bien, es stellt eine Art Superorganismus dar. Erst in dieser Gesamtheit ist die einzelne Biene lebensfähig, im Unterschied zu den erwähnten Solitärbienen. Der Mensch kam erst später dazu, raubte den Honigbienen den Honig wie der Bär. Wir kamen sehr spät auf den Trichter, die Bienen so zu halten, wie man es heute überwiegend handhabt: in sogenannten Beuten, mit herausnehmbaren Rahmen, in denen sich die Waben befinden. So kann der begehrte Honig zwar nicht störungsfrei, aber doch zerstörungsfrei entnommen werden.

Auch ideologisch missbrauchte der Mensch die Honigbiene: das Individuum ist nichts, das Kollektiv alles.

In der Landwirtschaft ist die Bestäubungsleistung der Bienen von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Honigbiene ist dabei nicht effizienter als Wildbienen oder andere Insekten, durch ihre Verwendung als Nutztier aber viel gezielter einsetzbar. In der Gemüseproduktion sind z. B. Hummeln für die Bestäubung von Tomatenpflanzen sehr wichtig. Also liefern uns die Holländer nicht nur Tomaten, sondern auch Hummeln als fliegende Holländer, ganz ohne Wagner.

2. Blitzgescheit auch ohne richtiges Gehirn

Eine Biene hat nicht einmal ein richtiges Gehirn, sondern nur Nervenknoten und ein sogenanntes Oberschlundganglion. Dennoch kann sie mit Tausenden, ja Zehntausenden solcher Wesen in der Gesamtheit zu komplexen und koordinierten Entscheidungen finden. Das hat uns Menschen schon immer fasziniert. Und es gibt Arbeiterinnen und Sammlerinnen und Kundschafterinnen. Wer tut wann was; wie wird es organisiert? Den Schwänzeltanz kennen wir, Schall, Schwingungen und Pheromone spielen auch eine große Rolle. Den ersten Frust schoben Forscher, als sie feststellten, dass nicht ein Bienenkönig, wie lange Zeit vermutet, sondern tatsächlich ein weibliches Wesen, eine Königin, dem Bienenvolk vorsteht.

Egal ob König oder Königin, Bienen sind absolut faszinierend. Die Evolution hat immer das behalten, was gut funktioniert, einfach und stabil ist. Resilienz, wie wir es heute u. a. nennen. Man kann sich ein Bienenvolk auch wie unser Gehirn vorstellen: Die einzelne Biene ist die Nervenzelle, das Volk das Gehirn, mit Informationsweiterleitung, -verarbeitung, Spezialisierung, Ruhephasen, Entscheidungsfindung, Schwellenwerten.

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3. Die Sache mit dem Sex

Es heißt ja, Bienen helfen Pflanzen beim Sex, denn sie tragen den Pollen auf die Narbe des Fruchtknotens. Doch es wird noch schlimmer: Eine unbegattete Bienenkönigin paart sich bei ihrem Hochzeitsflug bei Tageslicht mit ganz vielen Drohnen, bis zu einem Dutzend. Die Drohnen haben außer der Fortpflanzung keine wirkliche Funktion; also nicht wie die von Menschen gemachten, die filmen, überwachen, Pakete liefern oder ferngesteuert Terroristen töten. Die echten Drohnen chillen, lassen sich durchfüttern und fliegen bei schönen Wetter zur Mittagszeit zu Drohnensammelplätzen, um auf Königinnen zu warten. Kommt eine Drohne tatsächlich zum Zug, so bezahlt sie das mit ihrem Leben. Bei der Begattung wird das Geschlechtsteil mitsamt der Samenblase herausgerissen und die Drohne verendet.

Das Drohnenjahr ist ohnehin kurz nach der Sommersonnenwende vorbei: kein Einlass mehr in den Stock, kein Futter, Tod. Din Königin hingegen kehrt in ihren Stock zurück und beginnt bald mit der Eiablage, der Spermienvorrat reicht für ihr Leben. Ein befruchtetes Ei wird eine Arbeiterin oder Königin, ein unbefruchtetes Ei eine Drohne. Biologieunterricht: haploider und diploider Chromosomensatz! Ob Arbeiterin oder Königin, das entscheiden allein das Futter und die Aufzucht.

Bild oben: Drohnenbrut – geöffnete Zelle mit Varroa-Milbe

4. Die Honigbiene, das Nutztier

Der Mensch hat die Honigbiene domestiziert und durch gezielte Zuchtselektion dazu gemacht, was sie heute ist: eine fleißige Honigsammlerin, möglichst friedlich und wenig aggressiv, dazu nur gering schwarmfreudig. Alles nachvollziehbare Motive, nur wie so oft, weit über das Ziel hinausgeschossen. Wie unsere überwiegend hybriden Spezialzüchtungen bei vielen anderen Nutzpflanzen und -tieren. Die Tomate, die ertragsstark, lange lagerfähig, gut über weite Strecken transportierbar und mit perfektem Aussehen glänzt. Wir lernten, der Geschmack blieb dabei auf der Strecke. Oder wie der Eliteweizen, der hohe Erträge liefert, homogene Einzelpflanzen hervorbringt, und immer gleiche Inhaltsstoffe aufweist, die für eine gute Maschinengängigkeit in der Backfabrik wichtig sind. Wir wissen, das Ergebnis sind Unverträglichkeiten, Allergien und seltsame Heilsversprecher. Ich, mein Essen und meine Neurose!

Bei den Nutztieren bekam die Kuh immer mehr Milch, die Sau immer mehr Koteletts, das Huhn eine immer größere Brust. Bessere Futterverwerter, schnellerer Fleischansatz. Zum Wiesn-Hendl in nur 30 Tagen. Königinnen werden bei speziellen Zuchtlinien übrigens auch künstlich befruchtet, wie bei der Kuh, wo das Sperma tiefgekühlt und der Stier aus dem Katalog kommt. Und wie bei Ferkeln die Ringelschwänze kupiert werden, kann man bei Königinnen die Flügel stutzen, damit sie nicht schwärmen.

Im Unterschied zu vielen Pflanzenzüchtungen, die auch eine höhere Widerstandsfähigkeit und Resistenz gegen bestimmte Krankheiten zum Ziel haben, hat man das bei der Honigbiene komplett ausgeblendet. So kam z. B. die Varroa-Milbe, von nicht sehr gescheiten Forschern aus Asien eingeschleppt und entwickelte sich zum absoluten Desaster. Asiatische Honigbiene kommen mit der Milbe klar, weil sie lange mit dem Parasiten lebten und dabei Fertigkeiten entwickelt haben, ihn in Schach zu halten. Diese Jahrtausende der Ko-Evolution fehlen unseren heimischen Bienenarten. Dafür gibt es ersatzweise Produkte der Industrie. Noch ein Geschäftsfeld! Erst die Beizmittel und Spritzmittel verkaufen, die Bienen schwächen, schaden oder töten und dann die verbliebenen Bienen mit allerlei teuren Behandlungsmittel wieder „heilen“. Das nennt man dann Bayer Bee Care Center oder anders.

In Afrika, wo sich die Imker Chemie & Co. nicht leisten können und die Wirtschaftsweise zum Teil komplett anders ist, ist erst einmal ein sehr großer Teil der Völker eingegangen. Es überlebten nur Varroa-tolerante Bienenvölker und die Populationen erholen sich langsam wieder. Denn die Varroa-Milbe ist nur ein Aspekt verschiedener Bienenkrankheiten. Die Verletzungen, sprich Bisswunden, der Milben schwächen die Honigbiene und dienen anderen Erregern als Eintrittsöffnungen. Überlässt man ein Volk Honigbienen sich selbst, so kann es nicht dauerhaft eigenständig überleben und bricht irgendwann zusammen. Überlebende, noch halbwegs agile Einzelbienen flüchten dann in andere Völker und haben die Milbe im Huckepack dabei.

5. Der Imker-Hype

Kürzlich erzählte mir die Vorsitzende eines Imkervereins, sie führt jetzt schon Einzelgespräche, bevor sie neue Mitglieder aufnimmt. Manche geben an, sie wollten nur ein cooles Hobby, das andere nicht haben. Zeit hätte man im Sommer eh nicht so richtig, weil man oft und länger verreise, und wie steht es mit dem Bezug zu Natur und Pflanzen? Fehlanzeige! Oder es kommt der Kommentar, andere Haustiere, Hund, Katze, Reptilien, Vögel habe ich schon probiert, liegt mir nicht so, jetzt probiere ich es mal mit Bienen.

Andererseits imkern viele Vereinsimker seit gefühlten Jahrzehnten im gleichen Stiefel, Durchschnittsalter 60plus, Fachliteratur bitte nicht auf Englisch, Sammelbestellung aus dem Bayer-Katalog vom freundlichen Berater ganz unabhängig präsentiert, Styroporbeuten schön preiswert, Wachskreisläufe bis zum Sondermüll, Königinnenzucht mit künstlicher Besamung und Flügelstutzen. Und in den Imkerzeitschriften gibt es, was im ADAC-Magazin ganz hinten die vielen Anzeigen zu Treppenliften sind, zahlreiche Angebote für günstigen Importhonig von Südamerika bis Ungarn, fertig zum Abfüllen in DIB-Gläser, die muss man schon extra bestellen, Bienenkosmetikprodukte zum Weiterverkauf als Eigenmarke, Propolis und Gelee Royal aus China. Hey, Nestbeschmutzer?! Nun, wenn wir Imker es nicht kauften, so würden diese Anzeigen wohl kaum geschaltet werden. Ich habe O-Töne vom Vereinsvorsitzenden an Infoständen auf Landesgartenschauen gehört, wo mir anders wurde: Nein, unsere Bienen sind automatisch bio, eine Biene weiß, welche Pflanze gespritzt ist und fliegt da nicht hin. Nein, unsere Nachbarn spritzen nichts Bienengefährliches, das dürfen die gar nicht und nie in die Blüte. Bin selber Landwirt, alle Wiesen werden nur zweimal im Jahr gemäht, da finden die Bienen immer genügend Nahrung.

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6. Zeigen Sie mir Ihren Balkon und Garten!

Nein, ich doch nicht! Hab‘ uns doch extra ein Insektenhotel im Baumarkt gekauft. Aber das Unterholz muss halt weichen. Die Büsche schön ausdünnen, nehmen ja so viel Licht weg. Aber dafür lasse ich ein extra Igelhäufchen stehen. Etwas Zen soll der Garten sein, klare Linien, weniger ist mehr. Und der Vorgarten bitte pflegeleicht, wer mag schon Laubrechen. Der neue Mähroboter nutzt KI, ist so cool und fährt mit eigenem Solarstrom, total nachhaltig. Und schlammige Schuhe auf dem Weg von der Garage zur Haustür - bitte nicht. Ach so, der Hausmeister soll endlich mal wieder das Unkraut zwischen den Ritzen wegbrennen, schädigt ja die Bausubstanz, totale Wertminderung! Und mein Hund braucht keine Leine, der will nur spielen, tut doch nix. Und die Stadt soll im Park endlich öfter mähen, meine Allergie! Das Gras auf dem Mittelstreifen ist eh viel zu hoch, ist ja vorsätzlich verkehrsgefährdend, diese Sichtbehinderung beim Abbiegen usw. So trägt jeder seinen eigenen kleinen Teil zur Verringerung von Artenvielfalt bei.

Das gut gemeinte Insektenhotel ist zu 99,9 Prozent eine völlige Fehlkonstruktion und killt sogar Insekten, weil das Holz falsch geschnitten ist. Und die Blühmischung im Eck hilft nur wenig, wenn jedes andere Fleckerl blanke Erde mit weißen Riesenzierkieseln, schicken Hochbeeten, Ziergräsern und sonstiger Zier verunziert wird. Unordnung, Chaos – das kennt das Universum als stabilsten Zustand. Mut zum ungepflegten Grün! Wenn sich die Nachbarn beschweren, dann macht man es richtig.

Bild oben: München, Innenstadt, fünfter Stock – eine große Vielfalt einheimischer und bienenfreundlicher Wildpflanzen wächst auf dem Balkon des Slow-Food-Mitglieds Katharina Heuberger. Auf www.wildermeter.de erhalten Sie Tipps zum Nachmachen!

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7. Imker-Fan

Eine Ehrenrettung der Imker braucht es nicht, die überwiegende Mehrheit der Imkerinnen und Imker, die ich kenne, imkert verantwortungsbewusst und ist sehr engagiert. Es gab und gibt jedoch viele Irrwege. Obwohl die Honigbiene als wirbelloses Wesen als Sache gilt und nicht einmal unter das Tierschutzgesetz fällt, gibt es im bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) sogar ein paar Paragraphen über sie. Tierethik-Kreise z. B. bei den Bioverbänden, machen sich viele Gedanken zu Umgang und Wesen. Und endlich gibt es wichtige gesamtgesellschaftliche Diskurse über die Art, wie wir uns ernähren, Landwirtschaft betreiben, mit Tieren umgehen. Die Standpunkte sind oft sehr konträr, manchmal unversöhnlich. Und alle Interessengruppen wird man nie unter einen Hut bekommen: Erwerbsimker, Hobbyimker, Wanderimker, Bienenhalter, Bioimker. Ein Beispiel: ein Erwerbsimker in den USA hat im Schnitt 2.400 Völker, Hobbyimker in Deutschland so sieben bis acht.

Bild oben: Winterruhe – Kälteperioden und Schnee stören Bienen nicht, problematisch sind Wetterkapriolen!

8. So gelingt der Einstieg

Wer tatsächlich imkern möchte, dem seien folgende Punkte ans Herz gelegt:

  • Jedes Hobby braucht Zeit und kostet Geld. Hobbyimker müssen rund 1.000 bis 3.000 Euro investieren, bis sie alles zusammen haben. Alternativ kann man im Verein viele Dinge gemeinsam nutzen. So heißt es: Schwerpunkte setzen. Das Bienenjahr ist arbeitsreich von März bis Juli. Wer in dieser Zeit länger als acht bis zehn Tage verreisen möchte, sollte nicht alleine imkern oder es besser ganz lassen!
  • Kurse besuchen, Imkerverein anschauen, Bücher lesen: am besten sind Imkerkurse mit wenigen Teilnehmern, parallelem Praxisteil und begleitend über ein ganzes Bienenjahr. Vergessen Sie den Wochenend-Crash-Kurs! Imkervereine anschauen, passe ich da rein, wo werde ich Mitglied?
  • Lesen hilft: Ja, es gibt Dutzende Tutorials auf YouTube und ja, Kinder kriegt man auch so, aber bitte bitte kaufen Sie sich etwas Literatur, lesen Sie Blogs und Vereinsnachrichten und besuchen Sie Vorträge!
  • Bevor Sie sich eigene Biene zulegen, besuchen Sie Lehrbienenstände und legen Sie sich einen Imkerpaten zu. Nett sein hilft, Anspruchshaltung ist fehl am Platze.
  • Achtsamkeit, Demut und Naturbeobachtung – Imkerei ist kein Hobby für Alphatiere; beobachten und zuschauen sind wichtige Kernkompetenzen. Was wächst und blüht wo und wann, wie verändert sich die Natur im Jahresverlauf? Was ist früh dran, spät dran, was hat wann Saison? Alles typische Imkerfragen.
  • Wo bekomme ich einen Standplatz, wo verstaue ich mein Material und Zubehör, wie ist die Imkerdichte in meinem Umfeld, wie ist das Trachtangebot über die gesamte Vegetationsperiode: Frühjahr, Sommer und Herbst?
  • Keinen Schrott kaufen (Styroporbeuten sind tabu, Mittelwände nur aus rückstandskontrolliertem Wachs).
  • Wer eigene Bienen hat, übernimmt Verantwortung. Die kann man nicht delegieren oder verschieben. Nicht kümmern hat nichts mit naturnah arbeiten zu tun, sondern ist verantwortungslos.

Bilder: © Markus Hahnel (5), Katharina Heuberger (1)

Mehr Informationen:

Slow Thema "Bienen"

Weltbienentag (Englische Website)

Pressemeldung der Vereinten Nationen zur Einführung des Weltbienentags (Englisch)