Hülsenfrüchte: Hoffnung der Agrarwissenschaft

19.02.2019 - Hülsenfrüchtler wie Bohnen, Erbsen und Linsen sind ein wichtiges Thema in der ökologischen Landwirtschaft. Gute Eigenschaften sowohl für den Ackerbau als auch für die Ernährung verschaffen ihnen diese Aufmerksamkeit. Slow Food Deutschland und Vivaorganic luden am vergangenen Freitag zum BioFach-Kongress nach Nürnberg ein, um das Thema näher zu beleuchten. Ein Bericht von Katharina Heuberger.

Hülsenfrüchte aus UngarnSabine Zikeli, Leitung des Zentrums Ökologischer Landbau an der Universität Hohenheim, berichtet, dass derzeit in Europa viel zu Leguminosen geforscht werde. Dafür gebe es gute Gründe. „Pflanzen brauchen Stickstoff zum Wachstum, der in der Regel im Ackerbau über Stickstoffdünger zugeführt wird. Leguminosen können in Symbiose mit Knöllchenbakterien den Stickstoff aus der Luft verfügbar machen“, erläutert die Agrarwissenschaftlerin. Leguminosen seien deshalb bei der Gestaltung von Fruchtfolgen zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und Einsparung von Dünger ein wichtiger Baustein. Eine weitere Bedeutung haben Leguminosen laut Zikeli als wertvolle pflanzliche Proteinquelle für die menschliche Ernährung und als Futterpflanzen für Nutztiere. Besonders hinsichtlich des umweltzerstörerischen hohen Fleischkonsums hätten Leguminosen ein wertvolles Potenzial zur Reduktion von tierischem Eiweiß auf unserem Speiseplan.

„Die wichtigsten Körnerleguminosen, die uns in Mitteleuropa im Ackerbau zur Verfügung stehen, sind Ackerbohnen, Körnererbsen, Linsen, Lupinen und Sojabohnen“, berichtet die Forscherin. Im Vergleich zu Mais und Weizen nähmen sie jedoch nur einen kleinen Teil der gesamten landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands von 16,65 Millionen Hektar ein. Die Ackerbohne wird auf etwa 55.000 Hektar, die Körnererbse auf 71.000 Hektar angebaut, auf Süßlupinen entfallen rund 23.000 Hektar. Der Linsenanbau ist klimatisch bedingt in Deutschland sehr schwierig, dementsprechend klein ist die Anbaufläche mit 300 Hektar. Unter Sojakultur stehen etwa 24.000 Hektar, hier sei die Tendenz deutlich steigend, da inzwischen Züchtungen zur Verfügung stünden, die mit dem Klima in unseren Breiten zurecht kommen.

Donau-Soja

Von einem österreichischen Sojaprojekt, berichtet Ursula Bittner von der Organisation Donau-Soja. Diese zertifiziert Soja nach eigenen Nachhaltigkeitsstandards. So muss Donau-Soja unter anderem gentechnikfrei und pestizidarm angebaut werden. Europa importiert momentan rund 40 Millionen Tonnen Soja jährlich, das entspricht in etwa 16 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche außerhalb Europas. Ziel der Organisation ist es, dass bis 2025 nur noch zertifiziertes Donau-Soja in ganz Europa verwendet wird, das jeweils zur Hälfte in Europa angebaut und zur Hälfte importiert wird. Das Projekt ist bislang erfolgreich. Rund 270 Mitglieder hat der Verein bereits, darunter Lebensmittelkonzerne, Umwelt-NGOs oder Futtermittelhersteller. Das zertifizierte Angebot wird angenommen. „Schon jetzt fressen die österreichischen Hühner zu 80 Prozent Donau-Soja“, sagt Bittner.

Hülsenfrüchte müssen ohne den Umweg über das Tier direkt auf den Teller.“

Ursula Hudson, Vorsitzende Slow Food Deutschland, Biofach 2019Ursula Hudson kann dem Geschäftsmodell von Donau-Soja allenfalls als Übergangslösung etwas abgewinnen. „Hülsenfrüchte müssen ohne Umweg über das Tier direkt auf den Teller,“ fordert die Vorsitzende von Slow Food Deutschland. Die Problematik, dass rund 80 Prozent des weltweit angebauten Sojas nicht für den menschlichen Verzehr, sondern zur Fütterung von Tieren verwendet wird, und der damit verbundene Flächenverbrauch, bliebe bestehen, auch wenn man Soja in Europa anbaut. Es müsse in Zukunft weniger Nutztiere in Deutschland geben und mehr bodengebundene Tierhaltung.

„Im Sinne der Slow-Food-Philosophie ist aber auch das kulinarische Ergebnis wichtig“, betont Hudson. Das erklärte Ziel von Slow Food sei es deshalb, die natürliche Vielfalt der Leguminosen weltweit zu erhalten, um die kulinarische Vielfalt auf dem Teller zu gewährleisten. „Die Geschmacksvielfalt muss erhalten bleiben, damit sie uns nicht von der Lebensmittelindustrie vorgegaukelt werden muss“, bekräftigt die Slow-Food-Chefin.

Slow Food habe dazu das Biodiversitätsprojekt „Arche des Geschmacks“ ins Leben gerufen, um eine neue Nachfrage nach Nutzpflanzen und Nutztieren zu schaffen, die einer modernen Landwirtschaft zum Opfer gefallen sind und vom Verschwinden bedroht sind. Derzeit befinden sich weltweit 245 Leguminosensorten in der Arche. In Deutschland stehen die Alblinse, das Ahrtahler Köksje (Bohne), die Kesselheimer Zuckererbse und die Paas-Lintorfer Frühe (Bohne) unter dem Schutz von Slow Food.

Slow Food Deutschland ist außerdem einer von 24 Partnern in elf EU-Ländern, die sich im TRUE-Projekt engagieren (Transition paths to sustainable legume-based systems in Europe). Das Ziel der Initiative ist es, die Kultivierung und den Verzehr von Hülsenfrüchten in Europa zu fördern. Dabei ist es die Hauptaufgabe von Slow Food, regionalspezifische europäische Hülsenfrüchte-Rezepte in einem Kochbuch zusammenzutragen.

Bilder: (c) Slow Food (1), Katharina Heuberger (1)