Klimawandel und die Folgen: Jammern hilft nicht

17.04.2019 - Der Hitzesommer 2018 mit hohen Temperaturen und geringem Niederschlag war für kleine Erzeugerhöfe besonders schwierig und konnte sogar existenzbedrohend sein. Durch einen Besuch beim Capriolenhof in der Uckermark erfahren wir mehr über die Folgen der Dürre und wie sich ein kleiner Betrieb in Zukunft gegen die klimatischen Veränderungen wappnen kann...

(c) Runa Apel.jpgWir sind in die Uckermark, in die Nähe von Fürstenberg an der Havel, gefahren und haben den Capriolenhof besucht. Ein für Brandenburger Verhältnisse kleiner Betrieb, der idyllisch direkt an der Havel liegt. Hier werden Ziegen der Rasse Toggenburger gehalten. Das Fleisch der Ziegen wird vermarktet und handwerkliche Rohmilchkäse hergestellt: vom affinierten Frischkäse über Weich- bis zu Hartkäsen in diversen Reifegraden. Sie zählen zu den besten in Deutschland und werden unter anderem an die Berliner Spitzengastronomie geliefert. Dem Hof stehen Wiesen und gepachtete Ackerflächen zur Verfügung. Auf der Heide wird durch die Ziegen Landschaftspflege betrieben. Diese drei Säulen machen den Betrieb weniger abhängig bei Ernteausfällen. Und die Vielfalt des Futters erfreut die Kundinnen und Kunden, denn der Geschmack der Käse und des Ziegenfleisches ist einzigartig.

Schlachten, weil das Futter nicht reicht

Wie war das nun mit dem Hitzesommer 2018? Alles nicht so schlimm? Das frage ich Hanspeter Dill, den Bauern und Eigentümer des Capriolenhofs. Zusammen mit Sabine Denell bewirtschaftet er ihn, sie stellt den handwerklichen Käse her. »Der Sommer war extrem, die Herausforderungen enorm. Normalerweise schlachten wir alle zwei bis drei Wochen vier bis acht Zicklein. So können wir das ganze Jahr über Frischfleisch auf dem Markt anbieten. Zu Beginn der Wintersaison mussten wir möglichst viele Ziegen schlachten, denn das eingebrachte und zugekaufte Futter reichte nicht. Wir mussten die Herde verkleinern, um die verbleibenden Tiere durch den Winter bringen zu können.«

Im Herbst gab es daher ein außergewöhnlich großes Angebot an frischem Fleisch. Ziegenfleisch ist in Deutschland jedoch nicht leicht zu vermarkten. Es ist nicht so bekannt wie Lammfleisch und mit alten Vorurteilen behaftet, gilt als zäh und zu intensiv im Geschmack. Viel Fleisch musste daher im Herbst tiefgefroren werden. Dadurch ist es nahezu unverkäuflich geworden. Auf dem Markt fehlt es schlichtweg an einer mobilen Tiefkühlvorrichtung.

Dem Hof ist damit eine wichtige Einnahmequelle weggebrochen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ziegen aufgrund des kargen Futters in diesem Winter deutlich weniger Milch geben. Normalerweise geben jene Ziegen, die spät, also erst im Frühsommer, Zicklein bekommen, noch bis März oder April Milch. Derzeit werden nur acht Ziegen aus einer Herde von 160 Milchziegen gemolken. Und das geschieht mit der Hand. Die Milch wird vollständig für die Käseherstellung verwendet. Das Angebot ist entsprechend gering und dem Hof entgehen damit weitere, wichtige Einnahmen.

Komplizierte Dürrehilfe

Insgesamt also eine schwierige Lage für einen kleinen ökologischen Betrieb. Wie sieht es aus mit den Millionen, die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner als Dürrehilfe zugesagt hat? Konnten die Verluste des letzten Sommers ausgeglichen werden?

»Für ökologische Betriebe ist es oft schwieriger, die für den ökologischen Anbau vorgesehenen öffentlichen Fördermittel zu erhalten. Die Auflagen, zusätzlich zu der Tatsache, ein kontrollierter Ökobetrieb zu sein, sind umfangreich und kompliziert. Um Flächenbeihilfen für Ackerland und Grünland zu bekommen muss eine bestimmte Hektargröße erfüllt werden. Sehr kleine Betriebe fallen durch das Raster, weil ihre Anbauflächen zu klein sind, mittelgroße tierhaltende Betriebe dürfen nicht nur Futter anbauen, auch wenn beispielsweise unser Futteranbau viel artenreicher ist als der Getreideanbau. Sie erhalten sonst gar keine Ökoförderung. Der Antrag für die Dürrehilfe ist komplizierter als für konventionelle Betriebe. Aber wir bekommen auch ein bisschen davon ab. Wir wollen nicht nur klagen, der Hitzesommer 2018 hat die ökologischen Betriebe weniger stark getroffen. Denn ein gesunder Humusboden hat ein höheres Wasserhaltevermögen als die synthetisch gedüngten Böden der konventionellen Betriebe. Humusaufbau ist bei ökologischen Betrieben schließlich ein Hauptaugenmerk. Und zum Glück haben wir ja die Heide«, schildert Hanspeter Dill.

Die Heide dient neben den Acker- und den Weideflächen als dritte Futterquelle. Die Ziegen fressen im Winter die jungen Kiefern und verhindern damit die Verwaldung der Heideflächen. Dieses Futter enthält viele Kohlenhydrate und muss durch eiweißhaltige Sorten wie Kleegras oder Luzerne ergänzt werden. Die Erstattung der Kosten für die Landschaftspflege ist für den Capriolenhof ein wichtiges Standbein in Ergänzung zur Käseproduktion.

Mehr Probleme im Süden

Abschließend frage ich Hanspeter Dill, ob ihm die Klimaveränderungen Sorgen machen. »Wir sind seit 25 Jahren hier und haben schon alles erlebt«, relativiert er, »Winter, die bis in den Mai gingen, verregnete Sommer und Überschwemmungen durch die Havel. Ja, wir sind beunruhigt, aber Jammern hilft uns nicht weiter. Schließlich ist es ein Zusammenspiel von zahlreichen Faktoren. Es gilt, die Veränderungen anzunehmen und die Kulturen, die wir anbauen, auf die neuen Bedingungen anzupassen. Nicht alles wird immer nur schlechter. Ich persönlich freue mich sogar darauf, dass es bei uns wärmer wird.

Aber es gibt Länder und Regionen, da werden die Veränderungen dramatisch sein. In der Mittelmeerregion wird der Anbau in Zukunft viel schwieriger sein, in einigen Gebieten durch die fortschreitende Desertifikation sogar unmöglich. Das sieht man zum Beispiel an den vielen illegalen Brunnen in Südspanien. Die Menschen sind auf sich gestellt und müssen sich selbst irgendwie helfen. Die haben viel größere Probleme als wir hier.«

Weitere Informationen: www.capriolenhof.de

Text: Barbara Assheuer

Bild (c) Runa Apel