Fränkische Bierkultur - einzigartige Geschmacksvielfalt

Fränkische Bier- und Brauereikultur - einzigartig in seiner Vielfalt

 Von Andreas Schneider

Weltweit einmalig ist die hohe Anzahl kleiner, oft familiengeführter Brauerei-Wirtshäuser, die Kombination aus Brauerei und Gasthaus. Einzigartig nicht nur in Deutschland ist deren Vielzahl und Vielfalt - und wer diese "Bierdiversität" kennen lernen will, muss ins Land der Franken kommen und diese Biere frisch vom Fass an deren Ursprung genießen.

Derzeit pendelt die Anzahl der Betriebe zwischen 260 und 270 Brauereien. Während in Mittel- und Unterfranken jeweils rund 50 bis 60 Braustätten beheimatet sind - dazu gehören die Metropolregion Fürth-Nürnberg-Erlangen sowie das Fränkische Weinland - konzentrieren sich zwei Drittel aller Kleinbrauereien in Bierfranken, am Obermain, um und in Bamberg und in der Fränkischen Schweiz, im Steigerwald bis hin zum Aischgrund.   

Speziell in diesem Gebiet hat sich eine einzigartige Bierkultur erhalten. Familiengeführte Gasthäuser betreiben kleine Braustätten und schenken ihre nach eigenem Rezept gebraute Haussorte direkt vom Fass zur Brotzeit und zum Mittagstisch aus. Mancherorts ist es ein dunkles, malz- oder hopfenbetontes Vollbier, mancherorts ein helles oder bernsteinfarbenes, herbes oder schwach filtriertes, kohlensäurearmes Lager. Je nach Jahreszeit ergänzen die Hausbiere zunehmend Saisonspezialitäten. Zur Advents- und Weihnachtszeit brauen viele Schankstätten traditionell kräftigen Bock. Berühmt ist das über Buchenholzfeuer gedarrte Bamberger Rauchbier, ein Kandidat der Slow Food Arche des Geschmack.

Bier-Feinkostlandstrich

"Bierfranken" ist für Liebhaber und Entdecker von Hopfen und Malz der Feinkostlandstrich. Nach Jahren des Sterbens vieler kleiner Dorfbrauereien gibt es eine Trendumkehr durch Neugründungen kommunaler und privater Initiativen: Bierkultur wird neu entdeckt.

Zum hausgebrauten Bier servieren die Wirtsfamilien typisch regionale Kost: Brotzeitteller mit fränkischem Roggenmischbrot - leider immer seltener selbst gebacken und nicht aus dem Holzbackofen - bestückt mit Wurstspezialitäten, teils aus eigener Schlachtung; aber auch Bratenküche mit Kloß und Kraut, hausgemachte bunte Salate sowie Fisch aus Bach und Teich frisch oder geräuchert ergänzen saisonal die Karte. 

Fränkische Braugasthöfe sind lokale Institutionen. Dort treffen sich Stammtische, Kartenspielrunden und Vereine. Mit besonderem Gebäck und Festtagsgerichten wird jährlich Kirchweihfest (Kerwa) gefeiert. Kult. In der warmen Jahreszeit betreiben etliche Braustätten im klassischen Bierfranken am Dorf- oder Stadtrand einen Schankbetrieb auf Bierkellern. 


Foto: Distelhäuser Brauerei

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