Blauer Silvaner

Alte fränkische Rebsorte

Arche-Passagier seit 2021

Unterstützt von Slow Food Hohenlohe-Tauber-Mainfranken

Beschreibung des Passagiers

BrendelTraube.JPGDer Silvaner ist die typische fränkische Weißwein-Rebsorte. Bereits 1659 wurde sein Anbau in einer Urkunde erwähnt, die sich im Archiv des Fürstlich Castell`schen Domänenamtes in Castell (zwischen Würzburg und Bamberg) befindet. Bis ins 20. Jahrhundert war es üblich, verschiedene Rebsorten im sog. „gemischten Satz“ anzubauen. Dazu gehörte neben dem Grünen, Gelben und Roten auch der Blaue Silvaner.

Die Trauben des Blauen Silvaners sind mittelgroß, dichtbeerig und haben eine rundliche Form. Die Besonderheit ist ihre Färbung: In der Reifezeit nehmen sie eine dunkelrote bzw. violette oder blaue Farbe an. Der Name „Blauer Silvaner“ hängt sicher mit dieser Beerenfarbe zusammen. Ampelografisch lassen sich Blauer und Grüner Silvaner bis zur Reifezeit fast nicht voneinander unterscheiden.

Im Durchschnitt erreicht der Blaue Silvaner einen mindestens genauso hohen Öchslegrad wie der Grüne Silvaner. Das hat der Winzer und Rebzüchter Kaspar Steinmann aus Sommerhausen über mehrere Jahre hinweg ermittelt.

Mit einer gewissen Maischestandzeit – je nach Ausbaurichtung – kann der Wein des Blauen Silvaner kupfergolden bis lachsrot werden. Um eine Rotweinsorte handelt es sich aber nicht, weil der Wein bei der Maischegärung nicht viel Farbe abgibt. Anthocyane oder auch Pflanzenfarbstoffe, die für eine rote, violette, blaue oder blauschwarze Färbung sorgen, sind im Fruchtfleisch der Beeren des Blauen Silvaner sehr gering enthalten oder fehlen ganz.

Gefährdung des Passagiers

Im frühen 20. Jahrhundert ging man dazu über, den Grünen Silvaner auch dank seiner Frühreife, niedriger Säure und Ertragsstabilität sortenrein anzubauen und auszubauen, jedoch nicht den Blauen Silvaner. Dieser blieb noch längere Zeit ein Bestandteil des gemischten Satzes in alten fränkischen Weinbergen.

Bis heute hat der Blaue Silvaner eine vergleichsweise geringe Anbaufläche: 2018 betrug nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes die bestockte Rebfläche in Deutschland 29 ha. Für den Grünen Silvaner wurde im selben Jahr eine Anbaufläche von 4.744 ha erfasst. An der gesamten Silvaner-Anbaufläche hatte der Blaue Silvaner somit einen Anteil von nicht einmal einem Prozent.

KoenigTrauben3.jpeg2018 kam der Blaue Silvaner im Weinbaugebiet Franken auf 22 ha und der Grüne auf 1.501 ha. Das entspricht beim Blauen Silvaner einem Anteil von 1,4 % an der gesamten Silvaner-Anbaufläche in dieser Weinbauregion. Zudem ist auch die Anbaufläche je Weingut für diese Rebsorte im Durchschnitt sehr klein.

Diese Tatsachen machen den Blauen Silvaner zu einem absoluten Nischenprodukt. Zur Zeit gibt es vom Blauen Silvaner nur einen Klon, der sich im Besitz der Rebschule Steinmann in Sommerhausen befindet.

Vermarktung des Passagiers

Angebaut und vermarktet wird der Blaue Silvaner derzeit von Weingütern in Franken, Baden, an der Nahe, in Rheinhessen, im Saale-Unstrut-Gebiet und in Württemberg.

Vom Slow-Food-Convivium Hohenlohe-Tauber-Mainfranken wurde im Silvaner-Jubiläumsjahr 2009 eine Weinprobe zum Blauen Silvaner durchgeführt. 2017 fand eine Verkostung statt, bei der verschiedene Weingüter ihre Blauen Silvaner vorstellten.

Die schon erwähnte Rebschule Steinmann bemüht sich als Erhaltungszüchter um den Blauen Silvaner, u. a. durch fortgesetzte Leistungsselektion, d. h. aus Anlagen mit dieser Rebsorte werden Stöcke mit gewünschten guten Eigenschaften ausgewählt und weitervermehrt.

Inzwischen befassen sich auch das Staatliche Weinbauinstitut Freyburg/Unstrut und die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg mit dem Blauen Silvaner.

Regionale Bedeutung des Passagiers

KoenigTrauben2.jpegEs ist bis heute noch unklar, ob der Blaue Silvaner die Ursprungsrebe des Grünen Silvaners oder eine Mutation desselben ist. Erwähnt bzw. beschrieben wird der Blaue Silvaner im „Handbuch über die Obstbaumzucht und Obstlehre“ bereits um 1804 und in „Der Rheinische Weinbau“ um 1827. Die Rebsorte war also schon bekannt, aber neben dem Grünen, Gelben und Roten Silvaner als Bestandteil des gemischten fränkischen Satzes. Auf die einzelnen Silvaner-Varianten wurde dabei bis ins 20. Jahrhundert kein besonderer Wert gelegt.

Erst der bereits erwähnte Kaspar Steinmann fand 1964 in einer 1,3 ha großen Anlage mit Grünem Silvaner einen Stock von der blauen Variante: Der optische Vergleich zeigte deutliche positive Merkmale im Vergleich zu den benachbarten Rebstöcken des Grünen Silvaner. Diese Entdeckung löste nun einige Aktivitäten für den Blauen Silvaner aus: Von der Rebschule Steinmann wurde die genetische Stabilität sowie von in- und ausländischen Fachlabors die Stockgesundheit überprüft. Im Jahr 1968 begann die Rebschule mit der Selektion des Blauen Silvaners und stellte nach Abschluss der Leistungsselektion den getesteten Kleinklon dem Bundessortenamt in Hasloch (Pfalz) für die erforderliche Registerprüfung zur Verfügung. 1984 konnte die Prüfung erfolgreich abgeschlossen werden. Der Blaue Silvaner wurde als eigene Weißweinsorte unter dem Klon ST25 in die Sortenliste eingetragen, Kaspar Steinmann als erster Erhaltungszüchter registriert.

Bei der Regierung von Unterfranken erfolgten die Anträge auf Anbaueignungsversuche und als Voraussetzung für den freien Anbau auf Klassifizierung. Durch die Initiative der Rebschule Steinmann fand der Blaue Silvaner wieder seinen Platz im Weinbau.

Geschmack des Passagiers

BlauerimGlas.JPGDurch den höheren Gerbstoffgehalt in der Beerenschale beim Blauen Silvaner ist die Zusammensetzung der Aromen etwas anders als beim Grünen Silvaner: Töne von milder Birne, Quitte und Honig sind reduziert. Apfel, Stachelbeere und Gras/vegetativ lassen sich in ähnlicher Ausprägung wie beim Grünen Silvaner feststellen. Beim Blauen Silvaner kommt allerdings eine Mischung aus mineralischen, sehr feinen Bitterstoffen dazu. Während der Grüne Silvaner mehr Fruchtigkeit und Floralität hat, ist der Blaue Silvaner intensiver im Geschmack. In der Summe bringt der Blaue Silvaner eher robuste, kräftige und reife Weine hervor, die sich gut als Essensbegleitung eignen und auch lagerfähig sind. Abhängig von Bodenart und Ausbau ist  auch ein anderes Geschmacksprofil möglich.

Besonderheiten bei der Erzeugung und Weiterverarbeitung des Passagiers

Der Blaue Silvaner beansprucht mittlere bis gute Lagen mit Silvaner-geeigneten Böden. Er gedeiht besonders gut auf Muschelkalk, aber auch auf Keuper und Buntsandstein. Die Anbautechnik kann vom Grünen Silvaner übernommen werden.

BrendelRebstoecke.jpgDiese Rebsorte besitzt eine mittlere Winterfrosthärte. Aufgrund des etwas späteren Blühzeitpunktes ist sie weniger frostanfällig. In frostsicheren Lagen ist sie dank starker Blütenfestigkeit zu hohen Erträgen fähig. Außerdem kommt sie aufgrund ihrer Robustheit mit dem Klimawandel bisher gut zurecht. Die Anfälligkeit für die Pilzkrankheiten Falscher Mehltau (Peronospora) und auch für Grauschimmelfäule (Botrytis) ist gering bis mittel, für den Echten Mehltau (Oidium) fällt sie mittel aus.

Züchter, Erzeuger und Bezugsquellen

Erhaltungszüchter für den Blauen Silvaner:

Rebschule Steinmann e.K.
Sandtal 1,
97286 Sommerhausen,
Tel: (09333) 225
info@reben.de

Weingut Arnold
Klosterstraße 19b
97236 Randersacker
Tel. (0931) 708326
info@arnoldwein.de

Weingut Bürgerspital
Theaterstraße 19
97070 Würzburg
Tel. (0931) 35030
info@buergerspital.de

Weingut Bauer
Bühlstraße 19
97291 Thüngersheim
Tel. (09364) 1300
frankenwein-bauer@hotmail.de

Weingut Deppisch
Kirchgasse 4
97288 Theilheim
Tel. (09303) 8986
kontakt@weingut-deppisch.com

Winzerhof Geißendörfer
Am Hühnerberg 2
97320 Buchbrunn
Tel. (09321) 7369
info@winzerhof-geißendörfer.de

Winzerhof Hofmann
Herrengasse 9
91465 Ergersheim
Tel. (09847) 203
hofmann_stefan@gmx.de

Weingut Hulle
Maintalstraße 11
97855 Homburg am Main
Tel. (09395) 7809520
info@weingut-huller.de

Weingut König
Herrngasse 29
97236 Randersacker
Tel. (0931) 708166
info@weingut-koenig.de

Weingut Krämer
Türkenstr. 1
7247 Eisenheim
Tel. (09386) 90115
info@weingut-krämer.de

Weingut Zehnthof Theo Luckert
Kettengasse 3-5
97320 Sulzfeld am Main
Tel. (09321) 23778
luckert@weingut-zehnthof.de

Weingut im Pfülben
Wegscheide 26
97236 Randersacker
Tel. (0931) 708097
info@weingut-im-pfuelben.de

Weingut Horst Sauer
Bocksbeutelstr. 14
97332 Volkach
Tel. (09381) 4364
mail@weingut-horst-sauer.de

Weingut Schloss Saaleck
Am Marktplatz 1
97762 Hammelburg
Tel. (09732) 7887450
info@weingut-schloss-saaleck.de

Weingut Schloss Sommerhausen
Ochsenfurter Straße 17-19
97286 Sommerhausen
Tel. (09333) 260
info@weingut-schloss-sommerhausen.de

Weinerlebnis Stühler
Landwehrstraße 1
97247 Untereisenheim
Tel. (09386) 243
info@weinerlebnis-stuehler.de

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