Interview mit Luisa Kara, Exctinction Rebellion Aktivistin

04.09.2019 - Extinction Rebellion (engl. Rebellion gegen das Aussterben) ist eine globale Graswurzelbewegung, die sich mittels zivilen Ungehorsams gegen das Massenaussterben von Tieren und Pflanzen und das mögliche Aussterben der Menschheit als Folge der Klimakrise einsetzt. Die 2018 in Großbritannien entstandene und rasant wachsende Bewegung zählte bereits im Frühjahr 2019 über 330 Ortsgruppen in 49 Ländern auf sechs Kontinenten. Wir haben mit der Psychologin und Slow Food Youth Aktivistin Luisa Kara Ahlers über ihr Engagement mit Extinction Rebellion gesprochen.
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Ich bin Luisa Kara Ahlers, 28, Psychologin, seit 2012 bei SFY aktiv (leidenschaftliche Schnippeldisko-Organisatorin) und seit 2018 Teil von Extinction Rebellion (XR). Für XR halte ich regelmäßig Vorträge über die wissenschaftliche Grundlage unserer Bewegung und erkläre darin, warum wir friedlichen zivilen Ungehorsam als Strategie wählen.

Du bist seit letztem Jahr bei Extinction Rebellion aktiv. Was war deine erste Begegnung mit der Bewegung?

Ich habe im Oktober 2018 über Social Media mitbekommen, wie die Rebellion in London sehr eindrucksvoll gestartet ist - so friedlich und humorvoll hatte ich mir eine „Rebellion“ gar nicht vorgestellt. Da bin ich neugierig geworden und zum Gründungstreffen der Kölner Ortsgruppe gegangen. Die Begegnungen mit den anderen ganz „normalen“ Menschen, die meine Sorgen und Ängste teilen, hat mir unglaublich gut getan und mir viel Mut gegeben. Seitdem bin ich dabei - und das war die beste Entscheidung, die ich seit langer Zeit getroffen habe.



Welches war der bisher eindrücklichste Moment für dich mit Extinction Rebellion?

Ich werde nie die friedliche Besetzung einer Brücke in Köln vergessen - diesen rebellischen Tag mit viel Herzklopfen, an dem wir dann zum Glück Ermutigung und Zuspruch aus der Bevölkerung und auch seitens der Polizei erfahren haben. Die bunte Mischung aus Familien, Studenten, Senioren und verschiedensten anderen Bevölkerungsgruppen hat ihre Art des zivilen Ungehorsams auf eine so liebevolle Weise gestaltet, dass ich sehr davon berührt war. Besonders die Kinder dort zu sehen, die zum Teil sehr genau erfassen, was mit der Welt passiert, war bewegend für mich.


Die Bewegung ruft zu zivilem Ungehorsam auf. Wie weit würdest du gehen?

Ich betrachte es angesichts der Untätigkeit unserer Regierung als mein Recht, meinem Protest den Nachdruck zu verleihen, der nötig ist. Leider haben Petitionen, Demonstrationen usw. in den letzten Jahrzehnten nicht ausgereicht, um ein angemessenes Handeln angesichts der sich seit Jahrzehnten abzeichnenden ökologischen Krise zu bewirken.
In der Geschichte gibt es viele Beispiele für den Erfolg der Protestform des friedlichen zivilen Ungehorsams - von Mandela über Ghandi bis Luther King. Ich bin bereit, so weit zu gehen, wie ich muss - aber immer friedvoll und mit einer liebevollen Haltung hinter meinen Taten. Der Gedanke, mich verhaften zu lassen, ist kein besonders schöner - ich stehe normalerweise nicht mit dem Gesetz in Konflikt und bin ziemlich „autoritätshörig“. Aber der Gedanke an das, was meine Kinder erleben werden, wenn ich nichts tue, fühlt sich noch viel schlimmer an.

Ab dem 7. Oktober findet die Rebellion Week statt. In Berlin und vielen weiteren Städten der Welt wird zu friedlichen und kreativen Protesten aufgerufen, „um den alltäglichen Betriebsablauf zu stören“. Auf was für Aktionen können wir gespannt sein und wie kann man mitmachen?

Unsere Rebellion wird eine ähnliche Form annehmen wie die in London diesen April - also kunterbunt und ein tagelanges Dauer-Fest mit Stör-Faktor - denn leider werden wir wohl nur so gehört. Wir möchten, dass jede Person mit-rebellieren kann, auch Familien und Leute, die keine Regeln brechen wollen oder können. Am wichtigsten ist es, dass alle tatsächlich nach Berlin kommen und dort ihren Platz in der Rebellion finden - sei es beim Schnippeln und Kochen für Mit-Rebell*innen, in Form einer künstlerischen Aktion oder beim Blockieren von Verkehrsknotenpunkten. Wir werden nicht viele weitere Gelegenheiten haben, die existenzielle Herausforderung zu meistern, vor der die Menschheit gerade steht - sobald das Klima gekippt ist, könnten wir nicht mehr viel tun. 
Also: Ab dem 5. Oktober Urlaub nehmen, nach Berlin kommen, an Aktionstrainings teilnehmen und so lange bleiben, wie möglich!

Was wünschst Du dir für die Zukunft der Bewegung?


Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass die breite Bevölkerung die Liebe hinter allen unseren Taten wahrnimmt und sich uns anschließt. Das ist mein größter Wunsch - dass wir nicht als die linken Ökos abgestempelt werden, sondern klar zeigen können, dass wir das Wohl aller Menschen und Lebewesen im Sinne haben und ganz offen sind für Alle, die sich anschließen möchten. Dann kann unsere Rebellion Erfolg haben. Im Endeffekt weiß ich nicht, ob all unsere Mühen sich lohnen werden. Aber nichts tun - das geht auch nicht. Die Strategie von Extinction Rebellion ist aus meiner Sicht das Vielversprechendste, was wir haben.

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