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Saatgut: Anbauverbot für Genmais

10.12.2015 - Vor einigen Wochen verkündete die Europäische Kommission, dass verschiedene Saatgutkonzerne auf Antrag der einzelnen antragstellenden EU-Staaten freiwillig auf den Anbau von Genmais verzichten. In Deutschland ist es durch das so genannte Opt-Out gelungen, den Anbau von sechs Genmaispflanzen in der Bundesrepublik zu verhindern. Dieser kleine Erfolg gegen die schleichende Einführung von GVO-Pflanzen in Deutschland ist aus Sicht von Slow Food Deutschland zu begrüßen, aber er ist für einen dauerhaften Schutz unzureichend.

Seit Anfang des Jahres genügt den Saatgutherstellern nicht mehr die Zulassung der EU-Behörde (EFSA), sondern die einzelnen Mitgliedsstaaten haben bei der Bewerbung einer Biotechnologie-Firma um den Anbau einer Genpflanze nun die Möglichkeit, den Hersteller um Opt-Out für die bestimmte Pflanze auf nationalem Gebiet zu bitten oder den Anbau eines bestimmten GVO im eigenen Land gesetzlich zu verbieten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte Ende September das Opt-Out (Phase 1) – Ausnahmeregelungen zu einem bestimmten EU-Vertrag, die einzelnen EU-Mitgliedstaaten zugestanden werden können – für acht Genmaissorten beantragt.

Für Deutschland haben die vier Saatgut-Konzerne Syngenta, Monsanto, Dupont Pioneer und Dow Agroscience bis zur offiziellen Frist keinen Einspruch gegen die Opt-Out Anträge für sechs Genmaispflanzen eingelegt, was bedeutet, dass sie freiwillig auf den Anbau dieser Genmaissorten im Bundesgebiet verzichten. Auch in weiteren 18 EU-Ländern sind verschiedene Opt-Out Anträge durchgegangen. Die Anfrage auf Anbau der anderen zwei von acht Genmaissorten für Deutschland wurde von Seiten der antragstellenden Konzerne gänzlich zurückgezogen, für das Bundesgebiet sowie für andere EU-Länder. Damit dürfen Gentechnik-Maissorten zwar hierzulande nicht angebaut werden, allerdings ist es mit diesem Genmais-Verbot nicht getan: Treten Konzerne mit neuen Genpflanzen zum Anbau an die EU heran, geht die Aufforderung zum freiwilligen Anbauverzicht durch Opt-Out wieder von vorne los. Das heißt, es gibt zurzeit keine Garantie, dass Deutschland dauerhaft genfrei bleibt.

Bild oben: Trecker mit der Forderung "Gentechnik-Konzerne - bleibt uns vom Acker!" vor dem Kanzleramt in Berlin während der Großdemo "Wir haben es satt!" gegen industrialisierte Landwirtschaft. Zu den Trägern der Demo gehört auch Slow Food Deutschland. Sie findet alljährlich während der Grünen Woche statt. | © Katharina Heuberger

Nationales Gesetz für dauerhaften Schutz nötig

Um das Bundesgebiet dauerhaft vor dem Anbau von Genpflanzen zu schützen haben einige Bundesländer schon seit Langem ein nationales Gesetz gefordert und dazu einen Gentechnik-Gesetz-Entwurf vorgelegt. Leider gibt es keine Einigkeit darüber, ob Bund oder Länder über ein Verbot entscheiden sollten. Slow Food fordert ein klares Nein der Bundesregierung zum Thema Genanbau in Deutschland, vor allem weil ein „Gentechnik-Flickenteppich“, bei dem einige Bundesländer GVOs verbieten und einige nicht, keine mögliche Alternative sein kann.

Die Position von Slow Food zu gentechnisch veränderten Organismen

Slow Food lehnt den kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen aus verschiedenen Gründen ab: Derzeit ist man zwar in der Lage, ein Gen von einer Sorte zur anderen zu verpflanzen, es mangelt jedoch an Gewissheit über langfristige Folgen, die zur Bedrohung für die natürliche und landwirtschaftliche biologische Vielfalt werden könnten. Da man die Folgen zur Zeit noch nicht absehen oder eindämmen kann, stellt der Anbau von GVOs ein Risiko dar. Außerdem schränkt die Patentierung von Leben die Wahlfreiheit von Landwirten und Züchtern ein. In vielen Ländern – vor allem in Ländern des globalen Südens – sichern sich Saatgutkonzerne Patente auf Gensequenzen und damit auf Eigenschaften von Pflanzen. Das Patentrecht umfasst oft mehrere Pflanzen und auch deren Nachkommen und Ernteprodukte. Landwirten wird somit das Recht entzogen diese Samen weiter zu vermehren. Ohne eigenes Saatgut werden sie zu Kunden der Konzerne gemacht und müssen ihr Saatgut jedes Jahr neu kaufen. Dies bedeutet nicht nur, dass die Landwirte in Abhängigkeit zu den Konzernen stehen, sondern ihre Lebensgrundlage auch davon abhängt, ob sie sich die Samen jedes Jahr leisten können.

GVOs sind eine Gefahr für die gentechnikfreie Landwirtschaft und den Ökolandbau, da gentechnisch veränderte Samen kilometerweit getragen werden. Kontaminationen mit GVOs können in Erntemaschinen wie auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette passieren und gefährden somit Bio- und gentechnikfrei wirtschaftende Bauern in ihrer Existenz. In vielen Ländern haben Biolandwirte dadurch ihr Biosiegel und damit ihr Hab und Gut verloren.

Da Slow Food außerdem für Wahlfreiheit beim Einkaufen und Essen plädiert, fordern wir außerdem eine korrekte Kennzeichnung aller Produkte, die gentechnisch manipulierte Inhaltsstoffe enthalten, sodass Verbraucher eine mündige Kaufentscheidung treffen können. Die Kennzeichnungspflicht auf Verpackungen muss vor allem auch für Tierfutter und die tierischen Produkte gelten, die durch GVO-Tierfutter genährt wurden, ebenso wie für die zurzeit noch nicht deklarationspflichtigen Hilfsstoffe.

Greenpeace-Studie bestätigt Unwirksamkeit von GVOs

Die aktuelle Greenpeace-Studie zum Thema GVOs „Twenty Years of Failure“ streicht drei wichtige Erkenntnisse über die Unwirksamkeit von GVOs heraus: 1) GVOs gehen einher mit verstärktem Pestizid-Gebrauch. 2) GVOs ernähren den Planeten nicht. 3) Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsensus über die Sicherheit von GVOs. Basierend auf diesen drei Thesen, die die vermeintliche Nützlichkeit von GVOs widerlegen, müsste die Notwendigkeit des zukünftigen GVO-Anbaus generell in Frage gestellt werden. Die komplette Studie finden Sie hier

Weitere Informationen:

Opt-Out Anträge zu den verschiedenen Genmaissorten und Ergebnis in den verschieden EU-Ländern:
http://ec.europa.eu/food/plant/gmo/authorisation/cultivation/geographical_scope_en.htm

Slow Thema "Saatgut"


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