Abschied von Ursula Hudson

Dr. Ursula Hudson_(c) MISEREOR.JPGDr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland und Vorstandsmitglied von Slow Food International, ist am 10. Juli nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Als Vorstandsvorsitzende seit 2012 trug sie maßgeblich dazu bei, Slow Food eine relevante Stimme und politische Ausrichtung zu verleihen und eine gerechtere, bessere und somit zukunftsfähige Ernährungswelt voranzutreiben. Bis zuletzt war sie für den Verein aktiv und hat seine Geschicke gelenkt. Auf dieser Seite gedenken ihrer Menschen aus dem Slow-Food-Netzwerk und danken ihr für ihren außergewöhnlichen Einsatz für die Wende unseres Lebensmittelsystems sowie für ihre Energie und Leidenschaft, mit der sie die Slow-Food-Bewegung vorangebracht hat.

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Barbara Assheuer

Diesen Nachruf habe ich für meine Freundin Ursula geschrieben. Er ist auf der Webseite der Heinrich-Böll-Stiftung www.boell.de veröffentlicht.

Ursula Hudson, die Vorsitzende von Slow Food Deutschland, ist gestorben. Sie war Verbündete, Wegbereiterin, Inspiratorin und Freundin

Was auf den Teller kommt, ist politisch.
Mit Ursula Hudsons Eintritt in den Vorstand von Slow Food Deutschland 2010 begann eine Zeitenwende für die Slow-Food-Bewegung – in Deutschland sowie international. Essen war auf einmal politisch. Nicht mehr nur reiner Genuss und Tafelfreude. Ursulas zentrales Anliegen war nichts weniger als die Veränderung unseres Ernährungssystems – hin zu Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit.

Lebensmittel und Essen standen für sie in einem größeren politischen, kulturellen und gesellschaftlichen sowie ökologischen Zusammenhang. Entsprechend groß war für sie das Potenzial, über die Art unserer Ernährung Veränderung zu bewirken. Über unsere eigenen Probleme im reichen Norden hat sie die internationale Gerechtigkeit und den globalen Süden mit seiner weitaus größeren Verletzbarkeit mit in den Blick genommen.

Ernährung sollte dem bewährten Dreiklang von Slow Food gut, sauber und fair entsprechen, denn Lebensmittel haben eine „innere ethische Qualität“. Der gesamte Herstellungsprozess wird betrachtet, vom Feld bis zum Teller. So waren Lebensmittel für Ursula alles andere als reine Wirtschaftswaren, die wie totes Gut in einer Fabrik produziert werden. Sie wollte wissen, woher das Essen kommt, wer es angebaut oder gezüchtet hat, wie es verarbeitet wurde und wie die Arbeitsbedingungen waren.

Für Ursula standen die Menschen, die uns mit guten Lebensmitteln versorgen, im Mittelpunkt. An ihnen, ihrem Können und ihrem Wissen war sie leidenschaftlich interessiert. Produktion und Konsum sollten sozial, ökologisch und ethisch vertretbar sein und der Menschheit nicht die Lebensgrundlagen entziehen. Denn das war für Ursula der große Rahmen ihrer Arbeit: Der Mensch kann nur gesund sein, wenn auch der Planet gesund ist.

Ursula machte erfahrbar, dass gute Lebensmittel nicht nur Freude bereiten, sondern große Beziehungsstifter sind. Sie setzen uns in Beziehung, mit uns selbst, mit anderen Menschen, ihren Lebensweisen, ihrer Kulinarik, mit der Umwelt, der Natur, den Tieren, den Pflanzen, der Landschaft, dem Boden, dem Wasser, dem Klima und vielem mehr.

Dafür setzte sie sich ein und kämpfte mit Leidenschaft und scharfem Intellekt für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem. Sie nahm die Verbraucher*innen in ihrem Alltagshandeln als politische Akteur*innen mit in die Verantwortung. Das tat sie voller Charme und Begeisterungsfähigkeit. Zugleich war ihr klar: Eine Systemveränderung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und diese kann ohne die richtigen Weichenstellungen durch die Politik nicht gelingen. 

Gegen den Krebs hat sie lange erfolgreich gekämpft, es waren die Krebsmedikamente, die ihr Körper nicht mehr verkraften konnte. Am 10. Juli ist sie gestorben.

Barbara Assheuer ist langjähriges aktives Mitglied von Slow Food Deutschland und
Mitarbeiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in der Abteilung Internationale Zusammenarbeit.

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Henriette-Davidis-Gesellschaft e.V. – Verein zur Förderung des Deutschen Kochbuchmuseums

Die Mitglieder der Henriette-Davidis-Gesellschaft e.V. – Verein zur Förderung des Deutschen Kochbuchmuseums trauern um ihr Gründungsmitglied Ursula Hudson.

Bücher und Kochen gehörten für Ursula Hudson als Kulturwissenschaftlerin eng zusammen. Im Vorwort ihres sehr lesenswerten Buches „Meisterwerke für uns’ren Gaumen - Max Liebermanns Geselligkeit und feine Küche“ preist sie das gute Essen im Kreis von Freunden als einen Akt der Kultur: „Es schafft Vertrauen und Identität, befördert den geselligen Austausch, beflügelt Gespräch und Gedanken – und macht glücklich!“ Schöner kann man es nicht sagen! 

Im Deutschen Kochbuchmuseum sah sie eine große Chance, die Kulturgeschichte des Kochens, Essens und Trinkens mit den aktuellen Herausforderungen an die Kommunikation für eine zukunftsfähige und dennoch genussvolle Ernährungswelt zu verbinden. 

Wir verlieren mit Ursula Hudson eine wunderbare Inspiratorin und Ratgeberin – nicht nur wir haben ihr viel zu verdanken. 

Ulrich Frohnmeyer
für Vorstand und Mitglieder der Henriette-Davidis-Gesellschaft e.V.

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Michael Hemberger

Liebe SlowFood‘er*innen,
Frau Dr. Hudson habe ich 2011 und 2012 2x auf der SlowFood-Messe persönlich getroffen. Wir haben über“Überfischung“ und „Fisch“ in Großkantinen und einem Projekt diskutiert.
Ihre Intensität beim Zuhören und den Anderen wahrnehmen, hat mich sehr beeindruckt. Es kam nicht zum Projekt, dass lag an zeitlichen Umständen mancher Beteiligter.
Ich bewundere Menschen mit solchem „Klarblick“, Achtsam- und Aufmerksamkeit.
Ich trauere um diese Aktivistin und spreche Ihnen mein Beileid aus.

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Slow Food Youth Deutschland

Ursula Hudson, Vorbild, Unterstützung, Freundin und bis zuletzt Vorstandsvorsitzende von Slow Food Deutschland e.V., ist letzte Woche Freitag verstorben.
Wir sind über den Todesfall sehr traurig und denken an ihre Familie und Freund*innen. Wir haben Ursula als warmherzige Person, inspirierende Visionärin und politische Vordenkerin kennengelernt.

Sie hat die Anliegen von Slow Food Youth stets aufrichtig unterstützt und uns großes Vertrauen entgegengebracht. Sie sah uns als die Generation, die das Ernährungssystem von morgen gut, sauber und fair gestalten wird. Damit hat sie uns unglaublich motiviert und uns als wichtiges Vorbild darin gestärkt, für unsere Ideale einzustehen.

Trotz ihrer Rolle als Vorstandsvorsitzende war sie stets persönlich nahbar. So hatten viele Slow-Food-Youth-Mitglieder die Möglichkeit, Ursula auf Veranstaltungen wie Terra Madre Salone del Gusto, den Mitgliederversammlungen oder zur jährlichen Demonstration in Berlin, persönlich kennenzulernen.

Auch eine Vielzahl unserer Slow-Food-Youth-Veranstaltungen bereicherte sie mit ihrer Präsenz. So ließ sie es sich zum Beispiel nicht entgehen, jährlich an der Auftaktveranstaltung der Slow Food Youth Akademie teilzunehmen. Zuletzt teilte sie ihre Ideen für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem mit uns, als sie im Frühling am digitalen World Disco Soup Day teilnahm.

Sie gab uns immer wieder bestärkende Impulse und hörte uns zu. Ursula zeigte uns, wie politische Arbeit funktioniert und gab uns Raum und Zeit, ebenfalls gehört zu werden. Wie zum Beispiel als sie im Januar 2019 gemeinsam mit einer Slow Food Youthie auf der großen Wir-haben-es-satt-Bühne 2019 stand und die beiden gemeinsam vor Zehntausenden für unsere Überzeugungen warben und die Politik herausforderten.

Wir sind dankbar Teil einer Bewegung zu sein, der eine so großartige Frau in Deutschland vorstand und diese auch international maßgeblich prägte. Ihr Verlust schmerzt uns sehr. Wir werden uns durch ihre Power für Veränderung weiterhin bestärken lassen und ihr Feuer, welches sie auch in uns entfacht hat, weitertragen.

Denn nur gemeinsam, wie Ursula immer wieder betonte, können wir es schaffen, ein zukunftsfähiges Ernährungssystem zu gestalten.

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Yury Stolpovsky

DSC00934.jpgEin aufrichtiges Beileid richtet Slow Food Russland an das Team Slow Food Deutschland und an die Familie Ursula Hudson aus.

Es ist ein großer Verlust für uns. Wir haben eine Freundin und eine Partnerin verloren. Wir waren Verbündete und hatten große Zukunftspläne für unsere Zusammenarbeit.

Dank Ursula haben wir Slow Food Deutschland kennengelernt. Sie hat uns ermöglicht die Landwirte, Gastronomen und Wissenschaftler zu interviewen. Ihre Erfahrung hat uns geholfen zu verstehen wie und womit wir Slow Food in Russland starten können.

Wir haben Ursula 2015 kennengelernt, als sie uns in Susdal bei Terra Madre besucht hat. Sie hat uns mit ihren Berichten über Slow Food Deutschland, mit ihren Projekten, Ideen und Plänen begeistert. Ursula hat sich so harmonisch in den Kreis der russischen Gleichgesinnten angepasst, so dass sie eine Deutsche mit russischer Seele genannt wurde. Ein offener, lebensfroher, kluger, reiner, wunderbarer Mensch. Ursula hat unsere Liebe, Erkenntlichkeit und Dankbarkeit dazugewonnen.

Wir danken dir, liebe Ursula. Du bleibst für immer in unseren Herzen. Wir werden unser Bestes tun, um die gemeinsamen Ideen zu verwirklichen. Die Ideen, die wir gemeinsam entwickelt haben.

Du bleibst immer in unserer Erinnerung.

Yury Stolpovsky,
Präsident von Slow Food Russland

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Carlo Petrini, internationaler Slow-Food-Präsident

Ursula Hudson e Carlo Petrini.jpgLiebes Slow-Food-Netzwerk,

das Ableben von Ursula Hudson stellt einen immensen Verlust für unser gesamtes internationales Slow-Food-Netzwerk, aber auch für den Rest der Welt dar. Ursulas Engagement, ihre Begeisterung und Großzügigkeit gegenüber Slow Food waren sehr wichtig für die Entwicklung unserer Bewegung.
Ihre täglichen Bemühungen als globale Akteurin – im Großen wie im Kleinen – waren stets von zwei Charakterzügen bestimmt: ihrer Intelligenz und ihrer herausragenden Organisationsfähigkeit.
Die Entscheidungen der letzten zehn Jahre waren durchweg beeinflusst von ihren kritischen, konstruktiven Beiträgen. Dafür werden wir ihr immer dankbar sein.

In dieser traurigen Zeit sind meine Gedanken bei Ursulas Familie und allen Mitgliedern von Slow Food Deutschland, denen ich mein tiefstes Beileid und Mitgefühl ausdrücken möchte.
Ich persönlich habe in ihr eine wahre Freundin verloren, eine Freundin, die symbolisch für eben diese „Emotionale Intelligenz“ steht, die für die Slow-Food-Bewegung entscheidend ist. Ihr Beispiel wird uns ein ewiges Leitbild auf unserem zukünftigen Weg sein.
Um Ursula zu gedenken, werde ich dem Präsidenten des Internationalen Slow-Food-Beirates vorschlagen, an der Universität der Gastronomischen Wissenschaften ihr zu Ehren ein Stipendium einzurichten; sowie zehn Gärten in Afrika umzusetzen, um ihre Arbeit zu würdigen. Ebenso werde ich erbitten, dass der nächste internationale Slow Food Kongress ihr gewidmet wird, um sicherzustellen, dass ihr Lebenswerk und ihr Vorbild unsere Bewegung auf ewig begleiten werden.

Tiefst traurig und in Solidarität mit all jenen, die ihr nahestanden und sie geliebt haben,

Carlo Petrini

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Lothar Spielhoff

Jedes Treffen mit Ursula Hudson war eine Bereicherung.

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Markus Wagner

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Rohmilch-Fachtag auf dem Reyerhof, 2018

Liebe Ursula, 

deinen Mut, deine Tatkraft und deine Unerschrockenheit im anpacken von großen Themen werden mir fehlen. Slow Food hätte niemanden besseres finden können als dich. Ich werde dich sehr vermissen. Dass du nie vergessen hast, auch über dich selbst zu lachen, macht den Abschied von dir noch schwerer. 

Markus

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Birgit Wiedemann

Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren!

Mein tiefstes Beileid und inniges Mitgefühl,

Birgit Wiedemann, Flensburg

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Hans-Martin Zapf

Danke

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Karsten Sarnoch & Gabi Adolphi

Die traurige Nachricht von ihrem Tod kam für uns völlig überraschend. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen aber auch für Slow Food ist es ein großer Verlust.

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Rudolf Neumann

Zunächst möchte ich der Familie und den Freunden, dem Vorstand von Slow Food Deutschland e.V. und dem Team der Geschäftsstelle mein herzliches und tief empfundenes Beileid aussprechen. Ich kannte Frau Dr. Hudson nur aus einem Telefonat, welches ich anlässlich eines Leserbriefes mit ihr geführt habe. Dieses kurze Gespräch hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Frau Dr. Hudson hat mir zugehört, und sie hat sofort ein noch größeres Interesse an der Slow-Food-Idee in mir geweckt, als ich es ohnehin schon hatte. Ich habe mit großer Freude alle Ihre Veröffentlichungen gelesen, und ich kann nachempfinden, warum ihre Mitstreiter ihren Tod als großen Verlust empfinden. Eigentlich war auch ein Treffen geplant, welches aber aufgrund von Terminproblemen immer wieder verschoben werden musste. Ich hätte Frau Dr. Hudson gerne persönlich kennen gelernt.

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Thomas Massmann

“Wenn die Sonne des Lebens untergeht, leuchten die Sterne der Erinnerung.”

Mein allerherzlichstes Beileid und mein tiefstes Mitgefühl!

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Klaus und Angelika Flesch

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Traditionelle Perlentaucherin aus Jeju-do Island, Slow Food Messe Südkorea 2015

Du warst voller Ideen, hast immer nach vorne geschaut, und noch so vieles vorgehabt. Abrupt und viel zu früh ist dies alles nun zu Ende. Wir werden uns dafür einsetzen, deine angeschobenen Projekte weiter in deinem Sinne zu entwickeln.

Danke für deine Unterstützung, für deine Visionen, für dein Lachen, deinen unbändigen Willen zum Leben. 

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