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EU-Fischereipolitik: Beschluss der Minister zur Gesamtfangmengen zu zögerlich

14.12.2017 – Im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik verpflichteten sich die EU-Entscheidungsträger im Jahr 2013 rechtsverbindlich, der Überfischung bis 2020 ein Ende zu setzen. Dieser Schritt ist Voraussetzung für die Erholung der Fischbestände und den Schutz mariner Ökosysteme. Am 11. und 12. Dezember 2017 trafen sich die EU-Fischereiminister, um die zulässigen Gesamtfangmengen für 2018 in Nordsee und Atlantik festzulegen. Obgleich die Minister für neun weitere Bestände den höchstmöglichen Dauerertrag (Maximum Sustainable Yield) gemäß den wissenschaftlichen Empfehlungen beschlossen haben, liegen für etwa ein Drittel der Bestände die Gesamtfangmengen noch immer darüber.

Ursula Hudson, die Vorsitzende von Slow Food Deutschland, kommentiert die Entscheidung der EU-Fischereiminister wie folgt: „Nur durch das sofortige Beenden der Überfischung können sich gefährdete Fischbestände in Nordsee und Atlantik erholen und der Schutz mariner Ökosysteme gesichert werden. Die beim Treffen der EU-Fischereiminister am 11. und 12. Dezember beschlossenen Gesamtfangmengen für 2018 stellen einen noch zu zögerlichen Fortschritt in Richtung Nachhaltigkeit dar. Für das Erreichen des 2020-Zieles braucht es eine entschlossenere Anstrengung, da für etwa ein Drittel der Bestände die Gesamtfangmengen noch immer oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen liegen.

Auch gesamtheitlich ist ein noch mutigeres Umdenken in Sachen Fischerei nötig, da die auf Massenfischerei ausgelegten politischen Entscheidungen nicht nur die Nachhaltigkeit einzelner Fischbestände bedrohen, sondern sich auch negativ auf marine Ökosysteme auswirken. Slow Food Deutschland fordert deshalb, die Fischereipolitik ganzheitlich auf Nachhaltigkeit und den Schutz mariner Ökosysteme auszurichten, da nur gesunde Fischbestände in gesunden Meeren eine zukunftsfähige Fischerei und – für uns Verbraucher – einen zukunftsfähigen Fischgenuss gewährleisten."

Erholung der Fischbestände und Umstellung auf nachhaltige, handwerkliche Fischerei dringend nötig

Um Fischerei und Aquakultur so umzugestalten, dass sie umweltverträglich sowie wirtschaftlich und sozial tragbar sind, ist aus Slow-Food-Sicht die Förderung der handwerklich arbeitenden Fischerei, die Vielfalt auf dem Teller sowie die Zusammenarbeit lokaler, öffentlicher und privatwirtschaftlicher Akteure mit Vertretern der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft über regionale und nationale Grenzen hinaus, zentral.

Handwerklich arbeitende Fischer sollten noch stärker in Entscheidungsprozesse und Ressourcenmanagement eingebunden werden. Sie kennen die lokalen Ökosysteme und Bestände, verfügen über das Wissen, flexibel auf Änderungen in ihrer Region beispielsweise aufgrund des Klimawandels zu reagieren. Sie sind ein unverzichtbarer Faktor, wenn es um eine vielfältige und nachhaltige Versorgung mit dem wertvollen Lebensmittel Fisch aus unseren Küstenregionen geht.

Die meisten Kleinfischer jedoch sind Zulieferer für Zwischenhändler, den Großhandel und Auktionen. Sie haben wenig Einfluss auf Preismechanismen und die Wertschöpfungskette. Hier muss die Politik regulierend eingreifen, um die notwendigen Voraussetzungen für Direktvermarktung und Diversifikationsmaßnahmen zu schaffen.

Bild oben: Italienischer Kleinfischer. | © Slow Food Archiv

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