Bildungsprojekt mit Lerngarten in Kreisau zum Erhalt regionaler Lebensmittelketten

Slow Food Deutschland und die Stiftung Kreisau/Krzyżowa haben Anfang 2020 das Projekt "Regionale, saisonale Lebensmittelwertschöpfung erhalten und weiterentwickeln – Tradition und Moderne verbinden" initiiert. Dabei liegt der Fokus des Projekts auf interkultureller Zusammenarbeit sowie dem Erhalt und der zukunftsgerichteten Weiterentwicklung saisonaler und regionaler Erzeugungstechniken entsprechend der Jahreszeiten. Ziel ist es, den jungen Erwachsenen den nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln in Theorie und Praxis zu vermitteln. Dies geschieht durch Umweltkommunikation, Ernährungsbildung und einem Lerngarten im europäischen Kontext.

Wachsen (c) CC.jpgInterkulturelle Zusammenarbeit zählt zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN, um gemeinsam auf globale Herausforderungen zu reagieren. In der Ernährungsbildung jedoch findet dies bisher kaum Anwendung. Das möchte Slow Food Deutschland zusammen mit der Stiftung Kreisau/Krzyżowa für Europäische Verständigung ändern. Im Zuge der Errichtung eines interkulturellen Lerngartens für Kinder und Jugendliche unterstützt Slow Food Deutschland die Stiftung Kreisau bei der Entwicklung interkultureller Lehrmaterialien.

Das Gut Kreisau, auf halbem Wege zwischen Breslau und der tschechischen Grenze, steht beispielhaft für die polnisch-deutsche Aussöhnung. Einerseits als historischer Ort des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, andererseits als internationale Jugendbegegnungsstätte im Geiste der Aussöhnung. Slow Food Deutschland und die Stiftung Kreisau rufen genau hier eine Initiative polnisch-deutscher Freundschaft ins Leben: einen Lerngarten, der jungen Erwachsenen den nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln in Theorie und Praxis vermittelt. Inhaltlich geht es insbesondere um den Erhalt und die zukunftsgerichtete Weiterentwicklung saisonaler und regionaler Erzeugungstechniken entsprechend den Jahreszeiten.

Für die Arbeit vor Ort entwickeln Slow Food Deutschland und die Stiftung Kreisau Lehrmaterialien, welche die Jugendlichen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit unserem Ernährungssystem und Konsumverhalten befähigen. Im Zentrum des Austauschs stehen auch traditionelle proökologische Techniken und Methoden aus Polen, die das Repertoire an alltagsnahen Ideen in Deutschland bereichern. Althergebrachte Ansätze ressourcenschonenden Wirtschaftens aus einer nach wie vor bestehenden Nutzgartenstruktur in Polen können - innovativ angepasst und modernisiert - frische Impulse für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem eröffnen. Entsprechend vermittelt das Projekt, unsere Lebensmittel in Beziehung zu Mensch und Tier, Natur und Umwelt sowie Kultur und Tradition zu setzen, ihre Herkunft wertzuschätzen und zugleich für eine enkeltaugliche Zukunft neu zu beleben.

Das Material unterstützt die internationalen Jugendgruppen und Schulklassen aus der Umgebung dabei, den angelegten Garten gemeinsam auszugestalten und lebendig zu halten. In einem Küchenlabor üben die Schüler*innen sich in der kulinarischen Umsetzung zukunftsfähiger Ernährung. Eine zweisprachige Publikation der Projektträger wird Rezepte und gärtnerische Erfahrungen als saisonalen Kalender bereitstellen. Im Fokus stehen alte und selten gewordene Obst- und Gemüsesorten, die im industrialisierten Lebensmittelsystem vom Verschwinden bedroht sind. 

Projektlaufzeit

Das Projekt läuft bis Anfang 2022; 2020 entsteht der erste Teil des Gartens.

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