Slow Food Youth Akademie: Getreide und Bodenfruchtbarkeit

20.8.2018 – Das Wochenende „Getreide und Bodenfruchtbarkeit“ startete für die Teilnehmenden der Youth Akademie im Schloss Kirchberg Jagst, welches zur Stiftung „Haus der Bauern“ gehört. Die Stiftung ist Kooperationspartner der Akademie. Ziel des Wochenendes war es, die jungen Erwachsenen in die Grundlagen der Bodenkunde einzuführen, ein realistisches Bild unserer heutigen Bodenfruchtbarkeit zu vermitteln und gemeinsam mit ihnen die Voraussetzungen für Getreideproduktion und den Schutz von Biodiversität zu diskutieren.
aktuelles-aktuelles_2018-wucrmesuche-mit-daniel-diehl-288.jpg

Woraus besteht Boden und wie ist er aufgebaut? Was zeichnet einen gesunden Boden aus und wie erkennt man ihn? Was setzt unseren Böden zu? Wie kann die Bodengesundheit verbessert werden? Wie hängen gute Böden und gute Erträge zusammen? Was sind Fruchtfolgen? Bei der Beantwortung dieser Fragen unterstützte die Changemaker maßgeblich Daniel Diehl, der Bodenexperte bei Slow Food Deutschland: Böden sind eine wunderbare aber komplexe Angelegenheit – allein in einer Hand Boden befinden sich mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde. Lebendige Böden und die sie bevölkernden Lebewesen binden den Kohlenstoff im Boden, recyceln Nährstoffe und halten so die natürlichen Kreisläufe in Gang. Das Bodenleben sorgt für sauberes Wasser, beseitigt Abfälle und sogar Schadstoffe. Doch Monokulturen, Ackergifte und intensive Bodenbearbeitung können das Leben in der Erde stark beeinträchtigen.

Bild oben: Würmersuche mit Daniel Diehl

aktuelles-aktuelles_2018-auf-dem-getreideacker-von-der-familie-schoell_288.jpg

Alles rund ums Korn

Nach einem kurzen theoretischen Einstieg ging es für die Teilnehmenden auf den Acker – und zwar auf den Buchenhof zu Familie Schöll in Frankenhardt. Dieser befindet sich schon seit vielen Generationen in Familienbesitz und wird seit 1984 biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Familie Schöll hat sich auf den Anbau der Urgetreidesorten Emmer, Einkorn und Dinkel spezialisiert. Die Herstellung der Waren beruht auf einem geschlossenen Kreislauf, das heißt, dass das Urgetreide, welches auf den Äckern der Familien wächst und gedeiht, nach der Ernte vollständig auf dem Hof verarbeitet wird. Die Körner werden gereinigt, in einer Gerbanlage entspelzt und schließlich in der eigenen Steinmühle zu Mehl gemahlen. In der Hofbäckerei wird das Getreide zu korngesunden Backwaren zubereitet. Ob für Frühstück oder Mittagessen, Kaffeepause oder Brotzeit, ob einfach oder raffiniert, süß oder pikant – die Angebotspalette hält für jeden Zeitpunkt und jeden Geschmack das Passende bereit. Nach Theorie und Praxis wurden die jungen Frauen und Männer von der Familie Schöll mit hohenlohischen Blootz, eine Art Flammkuchen, belohnt – eine Spezialität ihres Hauses.

Bild oben: Auf dem Getreideacker der Familie Schöll

aktuelles-aktuelles_2018-bierverkostung-am-freitagabend-mit-ilonka-lange-288.jpg

Bierverkostung

Über die geschmackliche Vielfalt und die reichlich gesunden Inhaltsstoffe von Getreide berichtete den Akademieteilnehmern auch Ilonka Lang, Leiterin der Mohrenköpfe Gastronomie und Biersommelier der Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwabisch Hall. Sie zeigte den jungen Frauen und Männern während einer Bierverkostung vor allem auch, wie sich Getreide flüssig genießen lässt.

Im Bild: Bierverkostung am Freitagabend mit Ilonka Lange

Bei den Bienen fängt alles an

Über die Bedeutung der Bienen für den Schutz und den Erhalt unserer Biodiversität klärte Tobias Mittenberger von der Demeter-Imkerei Summtgart auf. Ohne die Bestäubung durch Bienen gäbe es eine Vielzahl von Wild- und Kulturpfanzenarten nicht und unsere Ernährung wäre deutlich weniger vielfältig. Deshalb hat das Bienensterben der letzten Jahre sowie die damit verbundene, geringere Bestäubung Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und Bandbreite von Nahrungsmitteln sowie auf den Fortbestand von Pflanzen, die für das ökologische Gleichgewicht entscheidend sind. Das Verschwinden der natürlichen botanischen Biodiversität bringt das gesamte hydrogeologische System unseres Planeten aus dem Gleichgewicht.

Tobias Mittenberger weiß um die Leistung der Bienen. Er ist Imker und hat gemeinsam mit David Gerstmeier die Demeter-Imkerei Summtgart gegründet. Der Name Summtgart drückt ihre Verbundenheit mit der Stadt und der Region Stuttgart aus und weist auf die Lebendigkeit hin, welche die Bienen dorthin bringen – nicht zuletzt durch ihren Klang. Mittenberger und Gerstmeier möchten Honigerzeugung und -genuss sowie Umweltschutz aktiv mitgestalten. So achten sie schonende Maßnahmen für ihre Bienenhaltung, was zugleich der hohen Qualität ihrer Produkte zu Gute kommt. Ihre Bienenvölker stehen größtenteils auf biodynamischen und städtischen Flächen. Von den verschiedenen Kostproben des Honigs waren die Teilnehmer hin und weg.

Alternative Lebens- und Wirtschaftsformen erkunden

Für den Erhalt der Biodiversität spielen alternative Landwirtschaftsmodelle, die ökologischen Anbau betreiben, Ressourcen schonen und aktuelle Forschungserkenntnisse mit traditionellem Wissen kombinieren, eine große Rolle. Ein Beispiel dafür ist die Solidarische Landwirtschaft, bei der die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben werden, sondern durch einen eigenen, transparenten Wirtschaftskreislauf zu den Menschen gelangen. Wie das aussehen und funktionieren kann, lernten die Akademieteilnehmenden bei der Gemeinschaft Schloss Tempelhof. Diese Ökosiedlung funktioniert bereits seit 2010 als basisdemokratische Gemeinschaft in Kreßberg im nördlichen Baden-Württemberg. Auf dem 30 Hektar umfassenden Dorfgelände leben fast 100 Erwachsene und 40 Kinder. Maya und Sebastian sind die beiden verantwortlichen Landwirte vor Ort. Sie zeigten ihr und hielten dabei unter anderem am Earthship, einem Gebäude, welches nur durch passive, solare Wärme und die Speicherung dieser mittels Masse geheizt und durch natürliche Luftzirkulation gekühlt wird. Von den Maßnahmen einer solchen alternativen Lebensform waren die Nachwuchskräfte hellauf begeistert.

aktuelles-aktuelles_2018-pizzabacken-mit-romy-marquart-teilnehmerin-der-sfya-2017-288.jpg

Das Alumni-Netzwerk

Erklärtes Ziel der Slow Food Youth Akademie ist es auch, den Austausch zwischen den verschiedenen Jahrgängen zu vertiefen und so leiteten Romy Marquart und Katrin Simonis, Teilnehmerinnen der Akademie 2017, einen Workshop zum Brot- und Pizzabacken an. Belegt wurden die Böden unter anderem mit Wildkräutern, welche die Teilnehmenden beim Wildkräuterworkshop mit Inés Lauber im Juli gesammelt hatten.

„Dieses Wochenende hat mir erneut so viele neue Perspektiven eröffnet. Seitdem ich bei der Akademie teilnehme, habe ich so viele neue Ideen im Kopf, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll“, schwärmte Ghyslaine Louvet, Teilnehmerin der Akademie 2018. Sie ist Verkäuferin bei Küstlichkeiten, einem Fischfachgeschäft in der Markthalle 9 in Berlin.

Bild oben: Pizzabacken mit Romy Marquart, Teilnehmerin der Slow Food Youth Akademie 2017

Alle Bilder: © Slow Food Archiv

Mehr Informationen:

Slow Food Youth Akademie

Erfahrungsberichte 2018

Erfahrungsberichte 2017

Die Teilnehmer 2017 stellen sich vor

Schulprojekt Boden Begreifen

Slow Thema: Boden