Bildung

Slow Food Youth Akademie
Erfahrungsbericht 2017

© Julius Hahne


Auf nach Utrecht – internationaler Austausch für die Slow Food Youth Akademie!

Im Oktober 2017 fand in den Niederlanden das letzte Treffen der changemaker der Slow Food Youth Akademie 2017 statt. Dabei erlebten die Teilnehmer zusammen mit ihren Kollegen der holländischen Slow Food Youth Akademie neue Eindrücke, spannende Praxis-Erfahrungen und interessante Diskussionen.

„Wir sollten nicht traurig sein, denn dies ist kein Ende, sondern der Anfang des Slow Food Youth Akademie Alumninetzwerkes!“, sagten Paul Fankhänel aus Dresden und andere Teilnehmer der Slow Food Youth Akademie 2017 bei der Abschlussrunde. Und damit liegt er richtig, denn es ist erklärtes Ziel der Akademie, Basis und Motivation für weiteren Austausch zwischen den jungen Akteuren zu schaffen. Alle Teilnehmer waren sich einig: Auch mit Abschluss des Akademiejahres bleiben sie in Kontakt und vernetzt. „Während dieser Zeit haben wir von verschiedenen Best-Practice-Beispielen gelernt, die gut funktionieren und die für uns Vorbildcharakter haben. Sie zeigen, dass es auch anders geht, selbst wenn man seinen Hof nach Slow-Food-Prinzipien betreiben möchte. Auch wenn das nicht von heute auf morgen geht und es hier vieles zu beachten gilt. Wir haben erfahren, dass es möglich ist! Also, los für ein gutes, sauberes und faires Lebensmittelsystem!“, rief Janina Hielscher, Studentin der Ökotrophologie aus Münster und Teilnehmerin der SFY-Akademie 2017, begeistert aus. Einen Plan für das kommende Jahr haben die Teilnehmer schon jetzt: Sie möchten sich in 2018 vier Mal selbstorganisiert treffen, unterstützt von Slow Food Deutschland und der Heinz Sielmann Stiftung.

Bild oben: Die Slow Food Youth Akademie 2017 – Absolventen mit ihren Urkunden.


Abschlussreise in die Niederlande

Die Reise ins Ausland wurde als der perfekte Abschluss des ersten Akademiedurchgangs wahrgenommen. Die Slow Food Youth Akademie in den Niederlanden lief 2017 bereits zum achten Mal. Der Austausch mit den Absolventen der vergangenen Akademiejahre hat den Teilnehmern aus Deutschland neue Einblicke und Perspektiven eröffnet. Während des Wochenendes ergaben sich spannende Diskussionen, unter anderem zu den unterschiedlichen Ansätzen der beider Akademien. In den Niederlanden z. B. bekommen die Teilnehmer ein breiteres Bild von der Landwirtschaft sowie des Lebensmittelsystems. Dazu gehören auch Einblicke in konventionelle Erzeugung. Bei der ersten Akademie in Deutschland standen vor allem die bäuerlich-ökologische Landwirtschaft sowie handwerkliche Betriebe im Fokus, ebenso wie die kritische Auseinandersetzung mit unserem Lebensmittelsystem. „Wir versuchen unseren Teilnehmern ein realistisches Bild des Lebensmittelsystems zu vermitteln, da ist leider nicht alles bunt und leicht. Slow Food ist Vielfalt, Demokratie und Austausch, das spiegelt sich auch in unserem Programm der Akademie wieder. Und bei aller Vielfalt schauen wir natürlich immer auch auf das, was uns vereint. Wir sind eine Graswurzel-Bewegung, die weltweit von einander lernt und zusammenwächst“, meinte Marieke Creemers, Koordinatorin der Slow Food Youth Akademie in den Niederlanden.

Bild oben: Gruppenbild mit den Kolleginnen und Kollegen von der Slow Food Youth Akademie in den Niederlanden


Ein spannendes Programm

Für das letzte Akademiewochenende hatte die Slow Food Youth Akademie in den Niederlanden ein tolles Programm vorbereitet. Begrüßt wurden die Teilnehmer aus Deutschland mit einem leckeren Hotchpotch, ein traditionelles Gericht aus den Niederlanden, welches aus Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Fleisch zubereitet wird. Dieses Mal wurde es mit vegetarischem Fleischersatz gekocht, aus „The Vegetarian Butcher“, eine sehr erfolgreiche vegetarische „Metzgerei“ in den Niederlanden, die Ersatzprodukte für Fleisch und Fisch vorbereitet: unter anderem vegetarisches Hähnchen, Buletten und Schawarma, aber auch Thunfisch und Garnelen. Am Freitagabend trafen die Akademieteilnehmer Joris Lohman, Gründer des internationalen Slow Food Youth Netzwerkes, engagierter Slow-Food-Aktivist und Leiter des Beratungsunternehmens „Food-Hub“, das sich mit Fragen der nachhaltigen Ernährung beschäftigt. Joris hielt einen Vortrag über den Wandel im Lebensmittelsystem: „Wenn wir den Hintergrund unserer Landwirtschaft nicht kennen, wird es schwierig, alte Fehler zu vermeiden“, merkte Lohman während seines Vortrags an. Deshalb gab er den Teilnehmern einen Überblick über die Geschichte der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion des vergangenen Jahrhunderts. Dabei wurde deutlich, welche Szenarien und Wege mit Nachhaltigkeit im Einklang stehen können und welche nicht. Auch zur Zukunft des Youth Netzwerks wurde diskutiert. „Slow Food Youth in den Niederlanden und Slow Food Youth Deutschland werden künftig stärker kooperieren. Dieses Wochenende ist deshalb der Startschuss für eine spannende Brüderschaft. Zusammen sind wir stärker, um tatsächliche Veränderungen umzusetzen!“, sagte Jorrit Kiewick, Koordinatorin des Slow Food Youth Netzwerkes in den Niederlanden.

Bild oben: Austausch-Dinner mit den holländischen Alumnis

Vortrag bei der Rabobank

Am Samstag Morgen besuchten die Akademie-Teilnehmer die Rabobank, eine ursprüngliche Bauernbank, die zu einer der größten Banken der Niederlanden geworden ist. Chris Bakker, Agrarökonom und Projektberater für das Transitionsteam bei der Rabobank, nahm an der niederländischen SFY Akademie 2017 teil. Er hielt einen Vortrag über den niederländischen sowie den globalen Agrarsektor und die Rolle, die Banken für diesen Wirtschaftszweig spielen.

Zur Mittagspause ging es ins Bistrot Central, das lokale, gesunde und nachhaltige Essen am Hauptbahnhof in Utrecht anbietet: Ausgerechnet an einem Ort, an dem normalerweise Essen überhaupt nicht „Slow“ konsumiert wird. Wietse Linker, Operationsmanager bei Bistrot Centraal ist ebenfalls ehemaliges Akademie-Mitglied in den Niederlanden.


Besuch bei niederländischen Erzeugern

Am Nachmittag stand ein Stopp im Milchbetrieb „Den Eelder“ an. Der Betreiber hat während seines Jahres bei der Slow Food Akademy viel gelernt und dies in guter Erinnerung. Er versucht mit seinem Handeln, die Dichotomie zwischen Profit und gut, sauber und fair zu reduzieren. Von dort ging es zu David Klingeln von Glee Easy, einem jungen Erzeuger, der geklärte Butter und aus Chikkoree produzierten Kaffee herstellt und verkauft. Drei Dinge sind ihm dabei besonders wichtig: „Wir arbeiten ausschließlich mit Bio-Produkten, wir leihen uns kein Geld von Banken aus und keiner darf bei uns länger als 32 Stunden pro Woche arbeiten“, erklärte David, der die Akademie als Trainer, Dozent und Moderator unterstützt.

Bild oben: Besuch beim Milchbetrieb Den Eelder

Bildungsinitiative „thecolourkitchen“

Am Ende des Tages lernte die Gruppe die Initiative „thecolourkitchen“ kennen, die sich nach dem Motto „No Social Waste“ für die Weiterbildung von sozial benachteiligten Jugendlichen einsetzt. Dort gab es Zeit und Raum für die Teilnehmer beider Akademien, um sich auszutauschen. „Es ist einfach wunderschön mitzuerleben, wie sich junge Erwachsene aus Deutschland und den Niederlanden verstehen und wie sie bereit sind, miteinander die Veränderung des Lebensmittelsystems voranzutreiben!“, schwärmt Louise Duhan, Slow Food Youth Koordinatorin in Deutschland.


Campaigning-Workshop

Am Sonntag machten die Teilnehmer aus Deutschland zusammen mit Absolventen der Slow Food Youth Akademie in den Niederlanden bei einem Campaigning-Workshop mit. Yvonne Faber, ehemalige Koordinatorin von Slow Food Youth in den Niederlanden, leitete den Workshop. Dabei ging es darum, die Fähigkeiten von Slow Food weiterzuentwickeln, die zur Vermittlung einer überzeugenden Botschaft helfen und unterstützen, neue changemaker zu erreichen.

Zum Abschluss dieses Wochenendes gab es erste wehmütige Blicke der Slow Food Akademie Teilnehmer, da sie wussten, dass das Ende ihres Akademiejahres und der gemeinsamen Zeit anstand. Die jungen Erwachsenen haben sich gegenseitig durch dieses Jahr begleitet, daraus entstanden sind natürlich auch Freundschaften. Alle waren sich einig: Die Zeit und Erfahrung ist unvergesslich. Elia Carceller, Slow Food Youth Akademie Koordinatorin, fasst die Erfahrung des ersten Jahres in ihren Worten zusammen: „Als ich die Gruppe zum ersten Mal zusammen gesehen habe, war ich mir schon sicher, dass sie gut zusammenpasst. Allerdings wurden meine Erwartungen übertroffen! Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und auf die Slow Food Youth Akademie 2018“.

Bild oben: Präsentation während des Campaigning-Workshops


Diskussion bei Glee Easy


Austausch mit Willem van der Schans auf dem Milchbetrieb Den Eelder


Alle Bilder: © Slow Food Archiv


7. Wochenende: Abschlusstreffen der jungen "Changemaker"

Duderstadt: 15.-17.9.2017 – 25 Teilnehmer der Slow-Food-Youth Akademie trafen sich am Wochenende bei der Heinz Sielmann Stiftung auf Gut Herbigshagen. Thema des Wochenendseminars: „Obst und Gemüse“.

Bereits am ersten Abend lernten die Teilnehmer, wie man Gemüse fermentiert. Barbara Assheuer, die neben ihrer Arbeit für eine politische Stiftung leidenschaftlich gern fermentiert, hatte nicht nur leckere Kostproben im Gepäck, sondern weckte auch die Lust am Experimentieren mit Gemüsesorten, Gewürzen und Kräutern. Besonders praktisch am Fermentieren ist, dass man auch älteres Gemüse verwenden kann, das sonst vielleicht im Mülleimer landen würde.

Die Eichsfelder Streuobstwiesenäpfel der Region Eichsfeld erhielten natürlich auch einen Platz im Programm. Der Besuch bei der Mosterei Malus in Silkerode war für alle Teilnehmer ein Erlebnis. Ingmar Dalchow startete in den achtziger Jahren als Student mit Freunden und Ehrenamtlichen seinen Bio-Mostbetrieb. Jetzt lebt er davon und garantiert gute Qualität aus der Region. Die jungen Besucher waren begeistert. Gerade diese Positivbeispiele beweisen, dass man selbst etwas tun kann – nicht nur privat, sondern auch beruflich.

Bild oben: Mostverkostung bei der Mosterei Malus.


Theorie und Praxis

Die 24-jährige Mizgin Dogru aus Hannover, die gerade eine Konditorlehre absolviert, findet es schade, dass faire und nachhaltige Konditoreien und Chocolaterien so selten sind. „Die Slow Food Akademie hat mich bereichert und motiviert, weiter an Lösungsmöglichkeiten für eine gerechte und faire Lebensmittelerzeugung zu tüfteln sowie komplexe Zusammenhänge zwischen Lebensmittelindustrie, Politik und Wirtschaft zu verstehen. Es war unglaublich inspirierend, all die Menschen über die Akademieperiode hinweg kennenzulernen, die in den verschiedenen Lebensmittelsektoren arbeiten und bemüht sind, gutes, faires und sauberes Essen für alle zugänglich zu machen.“ An diesem Wochenende hat sie den anderen Teilnehmern gezeigt, wie man einen traditionellen Vierer-Hefezopf flechtet – ein kleines Back-Kunststück.

Theorie und Praxiselemente bestimmen das Programm an diesem Wochenende. Nach Vorträgen zu Projekten wie „Open Source Seeds“, „Urban Gardening und Permakultur“ oder „Ahuelote“, einem Öko-Agrarprojekt in Mexiko City, diskutieren die Teilnehmer mit den Referenten zu den Möglichkeiten der Umsetzung, der Finanzierung oder Rentabilität. Bei der Exkursion zur Streuobstwiese oder dem Workshop „Mit Obst backen“ lernen sie viel über die Verarbeitung der Ernte.

Bild oben: Workshop „Mit Obst backen“.


Freundschaften, Netzwerke, Projekte

„Aus den Teilnehmern sind in der Akademie wirklich ‚Changemaker‘ geworden, freut sich die Projektleiterin Elia Carceller von Slow Food e. V. „Ich wusste vorher, dass sie engagiert und von der Slow-Food-Idee überzeugt sind. Aber jetzt sind sie alle so motiviert, dass sie wirklich etwas ändern möchten – nicht nur privat, sondern auch beruflich.“ Zudem habe sich ein tolles Netzwerk entwickelt, in dem jeder auf die Hilfe des anderen zählen könne und auch Freundschaften entstanden seien.

Neben den Freundschaften sind auch bereits kleine Projekte entstanden. Diese wurden im Rahmen von Gruppenprojektarbeiten erarbeitet. Der Blog www.die-armen-ritter.de beispielweise gibt praktische Tipps für eine nachhaltige Ernährung und Lebensweise.

Bild oben: Gruppenarbeit zum Thema Wild – Vorstellung der Fallstudien.

"Der Schutz der Natur geht mit einer nachhaltigen Ernährungsindustrie Hand in Hand!"

„Das Wochenende hat bestätigt, dass unsere Idee richtig war, die Slow-Food-Youth Akademie ins Leben zu rufen. Ich bin begeistert, wie engagiert sich die Teilnehmenden gezeigt haben. Sie haben verstanden, dass der Schutz der Natur mit einer nachhaltigen Ernährungsindustrie Hand in Hand geht“, resümiert Michael Beier, Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung. „Sie werden sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen stark machen, da bin ich sicher. Deshalb ist die Heinz Sielmann Stiftung der richtige Förderer für dieses Projekt und wir freuen uns auf ein weiteres Akademie-Jahr.“

Im März 2017 wurde auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt die Slow Food Youth Akademie eröffnet. Auf insgesamt acht Wochenendseminaren an verschiedenen Orten Deutschlands erfuhren die Slow-Food-Nachwuchskräfte eine Menge Neues über nachhaltige Ernährung und Lebensmittelerstellung. An den thematisch gegliederten Wochenenden zu Themen wie Getreide und Boden, Fischerei, Agrarökologie und Bäuerliche Landwirtschaft sowie Globaler Handel beschäftigten sich die jungen Teilnehmenden mit Konzepten und Projekten von nachhaltiger Erzeugung und Nutzung.

Alle Bilder: © Slow Food Archiv

Quelle: Pressemitteilung der Heinz-Sielmann-Stiftung vom 19. September 2017

Mehr Informationen:

Blog: www.die-armen-ritter.de


6. Wochenende: Die Slow Food Youth Akademie zu Besuch in der Hauptstadt

Berlin: 4.-6.8.2017 – Für das Wochenende zum Thema „Globaler Handel, Globaler Süden“ trafen sich die Akademie-Teilnehmer in Berlin. Denn hier pulsiert auch das Leben und die Bewegung für ein besseres, faireres und saubereres Lebensmittelsystem. Grund genug, um die Hauptstadt als Veranstaltungsort des sechsten Akademiewochenendes auszuwählen. Ziel dieses Wochenendes war es, den Teilnehmern einen Überblick über inspirierende Initiativen für ein nachhaltigeres Lebensmittelsystem zu geben und ihr Wissen über globale Handelsströme und den eigenen Einfluss auf die Nord-Süd-Beziehungen zu vertiefen.

Nein zu Lebensmittelverschwendung! Am Freitag ging es für die jungen Erwachsenen auf die Internationale Gartenausstellung (IGA), um den Weltacker zu besuchen. Dort wachsen auf 2000 m² alle Ackerkulturen in genau dem Verhältnis, wie sie weltweit angebaut werden. Somit konnten die Teilnehmer einen besseren Überblick über die Beschaffenheit der Landwirtschaft bekommen. Zum Abendessen kehrte die Slow Food Youth Akademie bei Restlos Glücklich ein, eine Initiative zur Wertschätzung von Lebensmitteln. Hier wird mit überschüssigen Lebensmitteln von verschiedenen Märkten und Supermärkten gekocht und kreative sowie hochwertige Gerichte gezaubert.

Bild oben: Gruppenarbeit auf dem Weltacker der Internationalen Gartenausstellung (IGA)


Eine gerechte und solidarische Landwirtschaft ist möglich

Da viele morgens als erstes zum Kaffee greifen, stand dieses Getränk ebenfalls auf der Agenda des Akademiewochenendes. Deshalb besuchte die Slow Food Youth Akademie die jungen Unternehmer von Coffee Circle. Martin Elwert, Mitbegründer von Coffee Circle, erklärte wie sein Unternehmen mit kleinbäuerlichen Kaffeebauern in Äthiopien und Kolumbien zusammenarbeitet. Geröstet wird der Kaffee in Berlin und online vertrieben. Pro verkauftem Kilo fließt ein Euro in soziale Projekte. Iris Schöninger, Referentin für Entwicklungspolitik bei der Welthungerhilfe, Partner von Coffee Circle, hielt einen Vortrag über die Chancen einer zukunftsfähigen Welternährung. Nach einem Besuch in der Rösterei probierten die Teilnehmer die verschiedenen Kaffeespezialitäten von Coffee Circle.

Zum Mittagessen ging es in die Markthalle 9. Sabine Laaks, Bildungsreferentin, berichtete über die Geschichte dieses kulinarischen Ortes. Gestärkt gingen die Akademie-Teilnehmer im Anschluss zur Expertendiskussion „Saatgutsouveränität“ in die Prinzessinnengärten. Nach einer Führung im Garten fand ein Tofu-Workshop unter Leitung von Weiwei Wang (Slow Tofu) und Franziska Schreurer (TofuTussies) statt.

Am Sonntag bekamen die Akademie-Teilnehmer theoretischen Input über Konzentrationsprozesse und Wettbewerbsrecht im globalen Saatgut- und Pestizidsektor. Gehalten wurde der Vortrag von Lena Michelsen, Referentin für Ernährung und Landwirtschaft von INKOTA.

Bild oben: Sabine Laaks zeigt die Markhalle Neun.


Die Teilnehmer der Slow Food Youth Akademie auf dem Weltacker der Internationalen Gartenausstellung (IGA)


Führung in den Kreuzberger Prinzessinnengärten


Tofu-Workshop in den Prinzessinnengärten


Franziska Scheurer vom Unternehmen "Tofu Tussis" erklärt, wie Tofu gemacht wird.


5. Wochendende: Die Slow Food Youth Akademie auf der Lotseninsel-Schleimünde

Lotseinsel Schleimünde: 7.-9.7.2017 – Zum fünften Akademiewochenende im Juli trafen sich die 25 engagierten jungen Erwachsenen auf der Lotseninsel-Schleimünde, um sich zum Thema Fisch auszutauschen. Gastgeber des Fischwochenendes war die Lighthouse Foundation, die die Slow Food Youth Akademie fördert. Die Teilnehmenden nahmen die Route über die Schlei, um diesen wunderschönen Ort in der Nähe von Dänemark zu erreichen.

Fischerei bedeutet auf Jagd gehen An diesem Wochenende stellten sich die Akademie-Teilnehmer den Herausforderungen nachhaltiger Fischerei. „Wir müssen immer im Kopf behalten, dass die Fischerei keine Landwirtschaft ist, sondern eher mit der Jagd zu vergleichen ist,“ erklärte Herr Jens Ambsdorf, Geschäftsführender Vorstand der Lighthouse Foundation, in seiner Einführung zum Thema.

Am Samstag tauchten die Teilnehmer in das Projekt „Fisch vom Kutter“ ein und trafen sich dafür mit dessen Initiator Uwe Sturm. “Fisch vom Kutter“ ist ein dynamisches Internetportal, welches durch den Europäischen Fischereifonds gefördert und vom Arbeitskreis Fischerei ins Leben gerufen wurde. Das Portal zeigt täglich und immer aktuell durch eingegangenen SMS-Meldungen der Fischer wo sie anlanden und frischer Fisch verkaufen. Nachmittags fand eine Expertendiskussion zum Thema „Ausbeutung der Meere: Was ist die Zukunft der Fische?“ statt. Dr. Kristina Barz vom Institut für Ostseefischerei und Stefan Linzmaier vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei beantworteten den interessierten Akademie-Teilnehmern ihre Fragen. Am Sonntag ging es in einem Impulsreferat von Dr. Frank Thiedig, Geschäftsbereichsleiter für Marketing, Unternehmenskommunikation und Qualitätsmanagement von Edeka Minden um das Thema Fisch und Zertifizierung.

Bild oben: Gruppenarbeit


Leckere Gerichte von der Slow Food Universität der Gastronomischen Wissenschaften

Neben den spannenden Vorträgen genossen die Akademie-Teilnehmenden das gute, regionale Essen der Giftbude, die von Absolventen der University of Gastronomic Sciences von Slow Food betrieben wird - siehe Foto links.


Willkommensrunde


Jens Amsdorf zeigt den Teilnehmern die Lotseninsel.


2., 3. und 4. Wochenende: Die Slow Food Youth Akademie trifft sich im hohenlohischen Schloss

Kirchberg an der Jagst: 28.-30.4.2017 | 19.-21.5.2017 | 23.-25.6.2017 – Gleich drei Mal trafen sich die Teilnehmer der Slow Food Youth Akademie 2017 im Schloss Kirchberg. Das Schloss in Kirchberg an der Jagst ist im Besitz der Stiftung „Haus der Bauern“, Förderer der Akademie und Gastgeber des ersten Akademie-Jahres. Das Schloss liegt in der wunderschönen Kleinstadt Kirchberg an der Jagst und soll als „Symbol der Agrarwende gelten“, so Rudolf Bühler, Vorsitzender der Stiftung „Haus der Bauern“.

Die Schwerpunktthemen der drei Wochenenden in April, Mai und Juni im Schloss Kirchberg waren Getreide und Bodenfruchtbarkeit, Bäuerliche Landwirtschaft und Agrarökologie sowie Fleisch und Milch. Die 25 jungen, engagierten Teilnehmenden führten dazu spannende Gespräche, konnten über praktische Erfahrung den Boden begreifen, über Landgrabbing diskutieren und die Bienenkönigin zu Hause besuchen. David Gerstmeier von Summtgart besuchte die Gruppe und gab eine Einführung in das Thema Bienen. Zu den Höhepunkten des Praxisteils gehörte für die Teilnehmer der Besuch in der Holzofenbäckerei Weber. Dort lernten sie, wie man hohenlohischen Flammkuchen selbst zubereitet.

Bild oben: Die Teilnehmer backen zusammen mit Bäcker Weber.


Bäuerliche Landwirtschaft statt Agrarindustrie!

Das dritte Akademiewochenende im Mai widmete sich dem Thema bäuerliche Landwirtschaft: Was dahinter steckt und wie diese Art des Wirtschaftens funktioniert, das erfuhren die Teilnehmenden bei einem Besuch auf dem Hof von Familie Schöll in Frankenhardt. Dort genossen sie leckeres Blootz, einen typisch schwäbischen Flammkuchen. Am Sonntag führte es die Akademie zur Gemeinschaft Tempelhof, um das Konzept der solidarischen Landwirtschaft kennenzulernen.

Bild oben: Sebastian Heilmann zeigt den Teilnehmern die Gemeinschaft Tempelhof. 


Akademiewochenende zu tierischen Produkten

Im Juni trafen die Teilnehmer der Akademie in Kirchberg an der Jagst zusammen, um sich den tierischen Produkten Fleisch und Milch zu widmen, in Theorie und Praxis. Dafür begrüßten sie Michael Beier, Geschäftsführender Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung, Hauptförderer der Slow Food Youth Akademie. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion tauschte er sich gemeinsam mit Dr. Anita Idel, Tierärztin und Mediatorin, Rudolf Bühler von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall – BESH und Caroline von Wistinghausen-Noz, Betreiberin des Brunnenhofs in Hohenlohe, sowie den Teilnehmenden zu den Herausforderungen der Produktion und Weiterverarbeitung von tierischen Lebensmitteln aus. Während eines Besuchs auf dem Schlachthof der Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall konnten die Teilnehmer selbst Wurst herstellen. In der Dorfkäserei Geifertshofen stand eine Verkostung verschiedener Käsesorten auf dem Programm.

„Die Stimmung zwischen den Teilnehmern ist immer vertrauter geworden. Sie nutzen den Austausch mit den Referenten und freuen sich sehr über diesen Wissenstransfer. Wir merken, dass es bei ihnen nachwirkt und zu einem immer tieferen Verständnis und auch Ideen für den notwendigen Wandel unseres Lebensmittelsystems führt,“ erzählt Elia Carceller, Koordinatorin der Slow Food Youth Akademie.

Bild oben: Wurstherstellung auf dem Schlachthof der Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall


Einführung ins Akademie-Wochenende. Dozentin Anita Idel ist Tierärztin und Lead-Autorin im Weltagrarbericht, außerdem wurde sie für ihr  Buch "Die Kuh ist kein Klimakiller!" mit dem Salus-Medienpreis geehrt. Als Slow-Food-Mitglied arbeitet sie unter anderem mit in der Arche-Kommission von Slow Food Deutschland. Die Arche des Geschmacks ist ein Projekt der internationalen Slow Food Stiftung für Biodiversität. 


Im Bienenhaus


Daniel Diehl, Projektleiter des Slow-Food-Schulprojekts Boden Begreifen, zeigt den Teilnehmern verschiedene Bodensorten.


Familie Schöll vom Buchof


Auf der Weide im Buchhof


Ein junger Winzer


Käseverkostung in der Dorfkäserei Geifertshofen


Expertenrunde


Professor Stahr mit Teilnehmern auf dem Acker


Eröffnungswochenende: Erstes Treffen der jungen "Changemaker"

Duderstadt: 17.-19.3.2017 – Auf Gut Herbigshagen trafen sich erstmals junge Teilnehmer der Slow Food Youth Akademie (SYA). Sie stammen vor allem aus den unterschiedlichsten Bereichen der Lebensmittelbranche und haben das gemeinsame Ziel, den Samen für eine Lebensmittel-Revolution zu pflanzen.

In der Stiftungszentrale der Heinz Sielmann Stiftung trafen sich am vergangenen Wochenende 25 junge „Changemaker“ aus ganz Deutschland. Sie verbindet der Wunsch, die Welt ein wenig besser zu machen und alternative Lösungen zu entwickeln. Ein junger Mann aus der Nähe von Bovenden hatte die kürzeste Anfahrt. Er studiert eigentlich Forstwissenschaft. Allein der Wald reicht ihm als Studienschwerpunkt nicht aus, der 26-Jährige ist – wie alle der Teilnehmer der SYA – ein Liebhaber der guten Küche. Aus diesem Grund möchte er auch mehr über Speisen, ihre Herkunft und über Slow Food erfahren. Die Verbindung von Natur und Nahrung liegt dabei nicht weit auseinander.

"Positivbeispiele sind wichtig!"

Am Samstagmittag gab es für alle Teilnehmer Ossobuco, ein traditionelles Schmorgericht der italienischen Küche. Ossobuco bedeutet wörtlich „Knochen mit Loch“. Benannt nach dem Hohlknochen, der die Haxe durchzieht. Dieser stammte vom Harzer Roten Höhenvieh, welches direkt auf den Flächen von Gut Herbigshagen weidet. Dazu erklärte Pächter Daniel Wehmeyer, wie er es mit viel Willen und einer Portion Besessenheit geschafft hat, einen erfolgreich arbeitenden Biobetrieb im Eichsfeld zu platzieren. „Solche Positivbeispiele sind wichtig. Sie zeigen uns, dass ein Umdenken hin zu Slow Food auch wirklich funktionieren kann – nicht nur bei den Konsumenten, sondern auch bei den Erzeugern“, resümiert ein Teilnehmer.

Bild oben: Abendessen mit Produkten aus den Heitmatorten aller Teilnehmer.


"Ein Raum für junge Leute, um sich mit Lebensmitteln auseinanderzuetzen"

„Wir unterstützen die Slow Food Bewegung, um die Sensibilität für nachhaltige, gesunde, biologische und faire Nahrungsmittel in der Öffentlichkeit zu fördern“, so Michael Beier, Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung. „Die nachhaltige Lebensmittelerzeugung und der Schutz der Natur, wofür sich die Stiftung einsetzt, sind untrennbar miteinander verbunden.“ Ursula Husdon, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, freut sich über die gute Zusammenarbeit: „Nachdem wir schon geraume Zeit nach Möglichkeiten zur Umsetzung der Akademie gesucht hatten, entwickelte sich vor zwei Jahren mit der Stiftung das, was an diesem Wochenende begann.“

Gemeinsam sei ein Raum für junge engagierte Menschen geschaffen worden, um sich mit der Herkunft, der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln, deren Auswirkungen auf das soziale Zusammenleben und globale Zusammenhänge auseinander setzen zu können.

Dazu gab es auch viel Theorie zu verdauen. Wilfried Bommert, Institut für Welternährung, referierte über die Zukunft unserer Ernährung. Er machte auf die Probleme aufmerksam, die ohne ein Umdenken auf uns Menschen zukommen werden. Über die europäische Esskultur unter einem kulturanthropologischen Blickwinkel referierte Günther Hirschfelder von der Universität Regensburg. „In den letzten Jahren haben wir die Situation, dass Essen zur Mode geworden und ständig neuen Trends unterworfen ist. Food is fashion“, so sein Fazit.

Bild oben: Gruppenarbeit zum Thema Honig

Über die Slow Food Youth Akademie

Die Slow Food Youth Akademie ist ein aus sieben Themen-Wochenenden und einer Studienreise bestehendes interaktives Trainingsprogramm für junge Auszubildende, Berufstätige, Studenten aus den Bereichen Gastronomie und Lebensmittelproduktion und für Interessierte, die gerne mehr über das Lebensmittelsystem und dessen praktische Prozesse erfahren möchten. Das Projekt wird von der Heinz Sielmann Stiftung und anderen Stiftungen unterstützt. Im September findet ein weiterer Workshop auf Gut Herbigshagen statt.

Quelle: Pressemeldung der Hein Sielmann Stiftung vom 20. März 2017



Hofbesichtigung




Alle Teilnehmer des ersten Workshop-Wochenendes.


Alle Bilder zum ersten Treffen: © Slow Food Youth Akademie und Heinz Sielmann Stiftung


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