Jakob-Fischer-Apfel

Beschreibung des Passagiers

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Im Jahre 1903 hat der Landwirt Jakob Fischer im Wald in der Nähe von Rottum im Kreis Biberach einen Zufallssämling gefunden und bei seinem Hof eingepflanzt. Von diesem Baum, der als Naturdenkmal immer noch an seinem Platz steht, stammt die Apfelsorte „Schöner vom Oberland“, die landläufig „Jakob-Fischer-Apfel“ genannt wird. Obwohl die Sorte inzwischen selten geworden ist, werden ihre Äpfel manchmal noch von einigen kleinbäuerlichen Betrieben auf dem Biberacher Wochenmarkt angeboten.

Die Bäume sind robust und frosthart und werden daher gerne beim Veredeln anderer Apfelsorten als Stammbildner genutzt. Sie tragen früh, regelmäßig und reichhaltig. Die bis zu 500 Gramm schwer werdenden Äpfel erntet man meist schon Anfang September. Sie duften stark, sind unregelmäßig und grobkantig, hellgelb bis leuchtendrot verwaschen, oft blau-violett bereift. Das Fruchtfleisch ist grünlich weiß und wird schnell braun.

Gefährdung des Passagiers

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Der Jakob-Fischer-Apfel wurde in seiner oberschwäbischen Heimat früher häufig angebaut, vor allem auf den Streuobstwiesen. Der enorme Flächenbedarf durch Neubausiedlungen und Gewerbegebiete sowie die Intensivierung der Landwirtschaft und die Flächennutzung für Biogaserzeugung tragen viel Verantwortung für das langsame Verschwinden dieser traditionellen, artenreichen Streuobstwiesen. Heute wird die Zahl der Bäume in den Landschaften um die Städte Biberach, Memmingen, Ravensburg und Ulm auf weniger als 500 geschätzt.

Hauptsächlich wegen seiner frühen Reifezeit, der kurzen Haltbarkeit der Früchte und den schlechten Lagereigenschaften ist der Jakob-Fischer-Apfel wirtschaftlich nicht interessant und wird deshalb selten gepflanzt. Seine guten Stammbildnereigenschaften haben ihm zwar in seiner Verbreitung in neuen Streuobstbeständen etwas geholfen, aber letztlich bedeutet dies für die Sorte, dass sie gerne umveredelt wird und damit der Apfel Jakob Fischer und seine Produkte immer mehr verschwinden.

Erwerbbarkeit des Passagiers

Auf dem Biberacher Wochenmarkt wird der Apfel von kleinbäuerlichen Betrieben hier und da noch während der Erntezeit angeboten. Regional wird er von Baumschulen als Halb- oder Hochstamm angeboten. Er darf auf keiner Streuobstwiese in Oberschwaben fehlen, die die Sortenvielfalt der Region widerspiegeln soll.

Regionale Bedeutung des Passagiers

Der Jakob-Fischer-Apfel war neben seiner Heimatregion Oberschwaben früher in ganz Baden-Württemberg verbreitet.

Geschmack des Passagiers

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Die Früchte sind aromatisch, feinsäuerlich und saftig. Obwohl sie am besten frisch vom Baum gepflückt schmecken, eignen sie sich nur begrenzt für den Frischeverzehr. Die Äpfel, halten sich nur ungefähr vier Wochen und werden schnell mehlig. In der oberschwäbischen Küche werden sie zum Backen verwendet oder mit Zucker und Zimt zu Apfelmus oder Kompott verarbeitet. Auch Süßmost wird aus Jakob-Fischer-Äpfeln gewonnen. Sortenreiner Saft ist wegen seines geringen Säuregehaltes bei Kindern sehr beliebt.

Züchter, Erzeuger und Bezugsquellen

Wochenmarkt Biberach

Baumschule Haid, Ingerkingen
www.baumschule-haid.de

Oberschwäbisches Museumsdorf Kürnbach (Obstsortenarboretum)
www.museumsdorf-kuernbach.de

Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Landkreis Biberach e.V.
www.kov-biberach.de

Baumwartvereinigung Landkreis Biberach, Ochsenhausen

Bilder: © Robert Friedenberger (1), Tobias App (2), Lothar Klatt (1)