Murnau-Werdenfelser Rind

Beschreibung des Passagiers

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Die Heimat des Murnau-Werdenfelser Rinds ist das Werdenfelser Land – das Alpen- und Voralpen- gebiet um Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, Oberammergau und Murnau mit seiner imposanten Kulisse von Zugspitze (2.964 m) und Alpspitze (2.628 m) sowie des Karwendel- und Wettersteingebirges. Das Murnau-Werdenfelser Rind ist sehr widerstandsfähig und an das raue Klima gewöhnt. Es ist nicht nur die einzige deutsche Rinderrasse, die an Moor- und Sumpflandschaften gut angepasst ist, sondern bewährt sich auch im steilen Gelände. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Murnau-Werdenfelser als „Dreinutzungsrind" beliebt, also als Arbeitstier, Milch- sowie in beschränktem Umfang als Fleischlieferant. Auch seine hohe Fruchtbarkeit trug zu seiner Verbreitung bei. Um das Jahr 1870 waren im Landkreis Garmisch noch 62.000 Rinder dieser Rasse heimisch. Doch schon 1936 gab es nur noch 23.000 Tiere. Mit der Entwicklung moderner landwirtschaftlicher Strukturen – , insbesondere der Spezialisierung der Landwirtschaft auf Fleisch- bzw. Milchproduktion auch im bayerischen Voralpenland – und der Züchtung entsprechender Hochleistungs-Rinderrassen, die nur noch entweder Milch- oder Fleischlieferant sein sollten, wurden die Murnau-Werdenfelser wegen ihrer geringeren Milch- und Fleischleistung bis auf 130 Zuchttiere und eine Gesamtpopulation von 350 Tieren zurückgedrängt. Ihre Bedeutung für die Region einerseits und ihre Eigenschaften hinsichtlich der Fleisch- und Milchqualität wurden lange verkannt. Mit der Aufnahme in die Arche des Geschmacks hat sich das geändert. Für das Murnau-Werdenfelser Rind gibt es nur noch wenige Züchter. Meist handelt es sich um ökologisch arbeitende Betriebe, auf jeden Fall aber werden die Tiere artgerecht, das heißt auf der Weide und nicht, wie heutzutage oft üblich, in Anbindehaltung aufgezogen. Die Mutterkuhhaltung ist die Regel.

Geschmack des Passagiers

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Jüngere Untersuchungen haben gezeigt, dass insbesondere die Milch des Murnau-Werdenfelser Rindes über beste Eigenschaften verfügt, die sie besonders für die Verkäsung geeignet machen. Noch ist die derzeitige Population viel zu klein, um aus der Milchmenge einen eigenen Käse herzustellen. Fernziel von Slow Food München und seinen Partnern ist es daher, die Zahl der Tiere so aufzustocken, dass eine separate Milchproduktion möglich wäre, die für die Erzeugung eines für das nördliche Alpengebiet typischen Käses (z. B. Weißlacker) verwendet werden könnte. Auch mit seiner Fleischqualität stellt das Murnau-Werdenfelser Rind eine geschmackliche Bereicherung dar. Früher wurden in der damals ärmlichen Region des Voralpenlands Rinder in der Regel erst dann geschlachtet, wenn ihr Nutzen als Milchkuh bzw. Zugochse nicht mehr vorhanden war. Ihr Fleisch eignet sich jedoch hervorragend für die in dieser Gegend übliche Zubereitung von kräftigen Suppen, Koch- und Schmorfleischgerichten. Dabei steht nicht, wie bei vielen anderen Rassen, die Zartheit des Fleischs an erster Stelle, sondern der außergewöhnlich aromatische Fleischgeschmack. Aufgrund der kleinen Population dürfen in den nächsten Jahren allerdings ausschließlich männliche Tiere geschlachtet werden. Somit sind Fleischwaren vom Murnau-Werdenfelser Rind vorerst nur begrenzt verfügbar.

Grund der Gefährdung

Vom Aussterben bedrohte Haustierrasse.

Die Region des Arche-Passagiers

Werdenfelser Land, Oberbayern.

Züchter, Erzeuger und Bezugsquellen

Archehof Schlickenrieder
83624 Otterfing

Gut Kerschlach
82396 Pähl

Bilder: © Slow Food Archiv (3)