Dieter Kosslick

Ehemaliger Berlinaledirektor und Direktor des Greenvisions Filmfestivals potsdam

Carlin mein Held des Tellers

Carlin hat die Welt verändert.

In Italien ist er ein Held – und in mehr als 150 Ländern ebenfalls: Carlo Petrini, von Freunden „Carlin“ genannt, der Gründer und Mastermind der Slow-Food- und Terra-Madre-Bewegung, hat der Lebensmittelindustrie die Stirn geboten. Seine mehr als 100.000 Mitstreiter und Mitstreiterinnen kämpfen für eine neue Agrarordnung, für die traditionelle Zubereitung regionalen, pestizidfreien und köstlichen Essens sowie für eine faire Behandlung der Bauern, Fischer und Lebensmittelproduzenten.

Der Produzent kann und muss sich wehren, sonst kann der Irrsinn der heutigen Lebensmittelerzeugung mit den Folgen der Massentierhaltung und der ausgetrockneten, durch Dünger und Pestizide misshandelten Böden nicht gestoppt werden.

Bei der beliebten Berlinale-Reihe „Kulinarisches Kino“ haben Thomas Struck und ich mit Carlo zusammengearbeitet, und die Kooperation hat auch zum großen Erfolg der Reihe beigetragen. Durch ihn und die Slow-Food-Idee war es nicht nur eine Filmreihe mit gutem Essen, sondern auch ein politisches Statement.

Der Kurzfilmwettbewerb „Hunger, Essen und Geschmack“ des Festivals bescherte der Berlinale Hunderte gute Filme über Essen und Hunger in der Welt sowie aufregende Diskussionen über die vielen Ähnlichkeiten zwischen Food und Film. Wir besuchten Terra Madre in Turin und sahen die Begeisterung Tausender Produzenten und Konsumenten, die die kulturellen Unterschiede der Welt und ihre Vielfalt als Qualität liebten.

Carlo hat sie alle begeistert – und gesungen wurde auch, aber wie ……

Auch seine damalige Stellvertreterin, die international erfolgreiche Autorin, Erfinderin der Farmersmärkte und Köchin des berühmten Restaurants „Chez Panisse“ in Berkeley, Alice Waters, engagierte sich mit Carlo auf der Berlinale für die Slow-Food-Idee.

Essen ist zwar anders als Film lebensnotwendig – und doch gehört beides zusammen, denn Film, die Künste und das Essen sind unsere Kultur.

Carlo hat die Erde, Terra Madre, die so gefährdet ist, in die öffentliche Diskussion geschrieben, argumentiert und vor allem mit seinen magischen Reden getragen.

Der Film über ihn und die internationale Slow-Food-Bewegung, der bei der Berlinale Premiere hatte, zeigt das. Das Festival hat ihn dafür zusammen mit Alice Waters mit einer „Berlinale Kamera“ geehrt.

Für mich wird er immer ein Held bleiben, der die Welt und unsere Teller verändert hat. Auf diesen Tellern wurden nicht nur „gute, saubere und faire“ Speisen serviert, sondern vor allem Carlos praktische Philosophie des Glücks: das gemeinsame Essen, dessen Freude auch im Teilen liegt.

Mille grazie, Carlin.

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Dieter

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