Eberhard Spangenberg

Mitgründer von Slow Food Deutschland im Jahr 1992

Ein paar Gedanken zum Tod von Carlo Petrini

Slow Food in Italien wurde 1986 geboren, von ein paar Genossen, unter ihnen der „Anführer“ und „Chefideologe“ und Vordenker Carlo Petrini. Nur fünf Jahre später legten wir den Grundstein für die Gründung von Slow Food Deutschland. Damals, ich war Weinhändler und Verleger, traf ich Carlo Petrini 1990 das erste Mal in Trient, in der geographischen Mitte zwischen Piemont und München. Unser Deal, den wir auf eineinhalb Seiten Papier festhielten, war: Er gibt mir die Rechte für die deutsche Übersetzung von Osterie d’Italia, ich lege dafür – mit einer Anmeldkarte für Interessenten im Buch – den Grundstein für Slow Food Deutschland. Ein gutes Jahr später fand das Gründungstreffen in Königstein statt, natürlich mit Carlo an erster Stelle.

Carlin, so nannten ihn seine Freunde, war durch und durch Piemonteser, woraus sich fast selbstverständlich Brà als Hauptsitz von Slow Food ergab. War es ein Zufall, dass hier auch die Heimat des Barolo ist, dem „König der Weine“? Ganz in der Nähe wurde 2004 auch die Universität der Gastronomischen Wissenschaften in Polenzo von Carlo gegründet.

Er war einer der intensivsten Menschen, die ich kennengelernt habe. Über unsere Zusammenarbeit in den folgenden Jahren wurde er für mich zu einer meiner Leitfiguren, auch wenn wir in den letzten Jahren weniger Kontakt hatten. Da waren seine Offenheit, sein Mut, sein unternehmerisches Denken, seine scharfen Sinne und sein präziser Verstand. Da war auch seine klare, immer unbestechliche moralische und politische Ausrichtung, mit der er Slow Food über viele Jahre geleitet und - das ist das Besondere! - auch weiterentwickelt hat. Und da war seine unvergleichbare, rhetorische Begabung, mit der er jeden Menschen und auch jeden Saal in wenigen Sekunden in seinen Bann ziehen konnte. Und schließlich war da seine Solidarität mit den „Genossen“ und Mitstreitern im Verein und in der gesamten Bewegung, die sich Schritt für Schritt über die ganze Welt ausbreitete.

Oft wird es vergessen und weggelassen, viel dieser Fähigkeiten und die besondere Aura, die Carlin auszeichneten, seine Visionen und seine politische Begabung haben gründen in seiner Vergangenheit und der Erfahrung in der linken Bewegung Italiens der Siebziger- und Achtziger. Jahre. So wenig diese sich in der Politik Italiens durchsetzen konnte, konnte Carlin dann in „seiner“ Slow Food Bewegung sehr viel bewegen und realisieren, was immer von einer tiefen und wahrhaftigen Menschlichkeit geprägt war. Carlin führte Slow Food über Jahrzehnte nie als Funktionär und Bürokrat, Carlin war der König. Unvergessen!

23. Mai 2026



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