Rupert Ebner
Über 20 Jahre hatte ich das Privileg, Carlo Petrini kennenzulernen. Nicht nur über das Verstehen seiner Veröffentlichungen, sondern auch in vielen persönlichen Gesprächen als Mitglied des internationalen Beirates, als Delegierter zu allen Kongressen seit 2008, als Terra Madre Delegierter und nicht zuletzt als „Besucher“ der Cheese.
Der Kontakt mit Carlo wurde ganz besonders intensiv und herzlich, als mein ältester Sohn im Gründungsjahr der Universität in Pollenzo 2004 einen Studienplatz bekam. Die Besuche bei meinem Sohn waren auch immer mit einem Treffen und mit Gesprächen bei Carlo verbunden.
Nach meiner Wahl in den Vorstand von Slow Food Deutschland 2010 war es dann ein ganz besonderes Erlebnis, Ursula Hudson Carlo vorstellen zu dürfen. Wie wir alle wissen, der Beginn einer äußerst herzlichen und produktiven Zusammenarbeit und Freundschaft bis zu Ursulas Tod.
Nun ist auch Carlo von uns gegangen.
Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich ihn bei der Slow Wine Fair in Bologna im Februar 2026 noch einmal erleben und ihm die Hand schütteln durfte. Gerade zu diesem Zeitpunkt wurde in unserem Magazin der Standpunkt von Sabrina zur Beziehung Slow Food und Kunst veröffentlicht. Wir hatten den Text ins Italienische übersetzt, und obwohl gezeichnet von seiner schweren Krankheit, ging ein Lächeln über Carlos Gesicht, als er ihn gelesen hatte.
Sein Tod traf mich nicht unvorbereitet – Marta Messa, unsere Generalsekretärin, hatte mich darauf vorbereitet. Dennoch war ich nicht in der Lage, noch zu Lebzeiten für Carlo einen Nachruf zu schreiben. Ich bin kein Journalist, der sich auf so etwas vorbereiten mag, um der Erste zu sein. Meine Gedanken, Erinnerungen und mein Dank brauchen Zeit, um die richtigen Worte zu finden.
Es war mir eine Herzensangelegenheit, persönlich an der kurzfristig für Pfingstsonntag angesetzten Trauerfeier für Carlo teilzunehmen. Seine Schwester, sie hat Carlos Leben begleitet, hatte den Rahmen für die Feierlichkeiten vorgegeben. Sein Sarg wurde in einem Saal der Slow-Food-Universität Pollenzo, dessen Präsident Carlo bis zu seinem Tod war, aufgebahrt, und viele Freunde, Vertraute, Offizielle und Menschen aus der Region erwiesen ihm dort die Ehre. Ich hatte Gelegenheit, im Namen von Slow Food Deutschland unseren Dank an Carlo in das Kondolenzbuch einzutragen.
Die Trauerfeier fand anschließend im Vorhof des Campus der Universität statt. Weit über tausend Trauergäste hatten sich dort eingefunden. Neben dem Präsidenten der Universität und persönlichen Wegbegleiter*innen von Carlo sprach Präsident Edward Mukiibi ergreifende Worte.
Für mich sehr ungewohnt war, dass fröhlich gesungen und viel geklatscht wurde. Den Abschluss bildete ein tausendstimmiger Chor, der Carlos Lieblingslied „cielito lindo“ sang, angestimmt durch eine Bandaufnahme von Carlo. Ich bin mir sicher, er hatte sich das so gewünscht.
Ich traf viele der langjährigen Mitarbeiter*innen von Slow Food International und Slow Food Italien. Auch ihnen habe ich mein Beileid ausgesprochen, mit der Versicherung, dass Slow Food Deutschland das Vermächtnis von Carlo mit aller Kraft in die Zukunft tragen wird.
25.5.2026
Rupert