2021 - Weil sie für eine bessere Lebensmittelwelt eintritt: Elisabeth Schmelzer ist Ursula Hudson Preisträgerin

Die Ernährungswelt wird nur besser, wenn wir vom Reden ins Handeln kommen. Nach diesem Motto hat Elisabeth Schmelzer in den vergangenen 20 Jahren einen fantastischen Gemeinschaftsgarten und den Verein GreenFairPlanet aufgebaut – ein aktiver Mitstreiter der Ernährungswende. Dafür hat die Initiatorin nun den ersten Ursula Hudson Preis erhalten.

ES-5070.jpg„Ein???“, antwortet Elisabeth Schmelzer auf die Frage nach ihrem Lieblingsessen, und die Antwort ist natürlich für eine Frau wie Elisabeth Schmelzer nur folgerichtig. „Alles, was mit guten Lebensmitteln, bio und fair und mit Liebe zubereitet ist, genieße ich.“ Wie kann man schließlich eine Frau wie Elisabeth Schmelzer auf ein Lieblingsgericht festlegen wollen. Schließlich setzt sich kaum jemand so engagiert, beharrlich und erfolgreich für die Vielfalt in unserer Ernährung und Lebensmittelwelt ein wie die Frau aus Ostwestfalen.

Elisabeth Schmelzer hat vor zwei Jahrzehnten den Verein GreenFairPlanet initiiert. Vor fünf Jahren hat sie für und mit diesem Verein den Gemeinschaftsgarten Tausendschön in Minden errichtet,  einen Anlaufpunkt für alle, die mehr über die wunderbare Vielfalt unserer Ernährung und unserer Umwelt erfahren und dafür eintreten wollen. Und für dieses außergewöhnliche Engagement hat sie nun als erste überhaupt den Ursula Hudson Preis von Slow Food Deutschland (SFD) verliehen bekommen.

„Jede und jeder Einzelne“, sagte SFD-Vorsitzende Nina Wolff zur Preisverleihung „hat die Kraft, etwas zu verändern.“ Das sei die wichtigste Botschaft des Preises in Gedenken an die viel zu früh verstorbene Vorsitzende von Slow Food Deutschland. Und niemand verkörpert dieses Bild vom Einzelnen, der die Ernährungswelt verändern kann, besser als Elisabeth Schmelzer. Aus 80 Bewerbungen hatte das Kuratorium des Preises sie ausgewählt. „Weil Sie zeigen, dass ein einzelner Mensch die Kraft hat, die Ernährungswende voranzubringen“, wie auch Preis-Kuratorin Barbara Assheuer während der Verleihung an Schmelzer gewandt sagte. „Alles was Sie machen, machen Sie mit Leichtigkeit und Freude.“

Die Idee des Gemeinschaftsgartens

ES-5101.jpgSeit dem Jahr 2000 tritt GreenFairPlanet konsequent für gutes Essen, gute Landwirtschaft für alle sowie für die Bewahrung der biologischen Vielfalt und einen lebendigen Planeten ein. Der Verein fördert und fordert regionale Ernährungssouveränität, Bauernhöfe statt Agrarindustrie sowie Tierwohl. Der Gemeinschaftsgarten Tausendschön ist eine nachhaltige Ernährungs- und Wertschätzungsbildung in Form von Säen, Pflanzen, Ernten, Kochen, Vorratshaltung. Der Garten ist globaler Lernort, Begegnung und Teilhabe für Integration und Inklusion. Gemeinsam, im freundschaftlichem Miteinander, halten die Menschen dort Hühner, Enten, Ziegen und Bienen. In Schulen, KiTa’s, Jugendhäusern und sozialen Einrichtungen vermittelt Elisabeth Schmelzer mit ihrem Garten Themen wie Lebensmittelverschwendung, regionale Ernährung, Biodiversität, Artenvielfalt, Bienenschutz, Hochbeete und Urban Gardening.

„Seit 1979 stehe ich als Person und seit 20 Jahren mit dem Verein GreenFairPlanet für gutes Essen, gute Landwirtschaft für alle weltweit“, erzählt Elisabeth Schmelzer. „Da ist Tausendschön-Dein Gemeinschaftsgarten die logische Konsequenz, Menschen einzuladen, mitzumachen ihr eigenes Gemüse anzubauen.“ Entsprechend zögerte sie auch nicht lange, als vor fünf Jahren jemand telefonisch bei ihr fragte, ob ihr Verein nicht Interesse an der Nutzung des Grundstücks hätte. Sie hatte. Und schloss eine Vereinbarung mit dem Eigentümer, der den Garten so lange zur kostenlosen Nutzung überlässt, wie der Garten dem Gemeinwohl dient.

ES-5658.jpgUnd das tut er. Auch, weil Elisabeth Schmelzer sich für das Projekt regelrecht aufopfert. Um fünf Uhr beginnt sie ihre Werktage, schmeißt das Büro, befüllt Internetauftritte mit Inhalten, bereitet die vielen Netzwerktreffen und Veranstaltungen vor. „To Do Listen für Gärtnern nach dem Mondkalender, Materialbeschaffung, Konzepte für die Projekte für Schulen, KiTa’s, Ferien entwickeln“, zählt Schmelzer auf und erklärt, für was es alles den reibungslosen Ablauf braucht. Zudem wollen die vielen ehrenamtlichen Helfer*innen organisiert werden.

Schmelzers Engagement reicht außerdem weit über Minden hinaus. Seit vielen Jahren ist sie beispielsweise zusammen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen bei der Wir haben es satt-Demonstration in Berlin aktiv. Schließlich hat man gleiche politische Ziele. Den Draht zu Slow Food hält sie seit 20 Jahren und arbeitet eng mit verschiedenen Slow Food Youth-Gruppen zusammen.

Die politischen Lehren aus dem Gemeinschaftsgarten

„Politik muss durch Transformation die Ernährungssysteme so verändern, wie  Menschen und unser Planet sie dringend brauchen“, sagt Schmelzer, die eben auch ein politischer Kopf ist. „Für die Zukunft der Ernährungswelt ist wichtig, dass an Kindergärten, Schulen oder Jugendhäusern eigene Gartenprojekte entstehen, in denen Kinder Gemüse anbauen, zubereiten und gemeinsam essen. Dies hilft nicht nur gegen Fehlernährung, sondern führt auch zu einem anderen Denken und zur Wertschätzung der Lebensmittel.“

Schmelzer wäre nicht Schmelzer, wenn sie nicht auch eine konkrete Vorstellung davon hätte, was genau passieren müsste. Da ist es wieder, ihr Leitmotiv vom Handeln statt Reden. „Was die politischen Entscheidungsträger dringend machen müssen“, sagt sie, „ist Menschenrechte im Ernährungssystem verbindlich zu verankern.“

ES-5262.jpgDabei weiß die Preisträgerin, dass es ohne die Verbraucher*innen nicht gehen wird.
„Ich wünsche mir, dass regional und saisonal, wenn möglich beim Erzeuger eingekauft wird und nachhaltige Lebensmittelsysteme unterstützt werden“, sagt sie. „Großartig wäre es, wenn Menschen Gemeinschaftsgärten gründen oder darin mitwirken, Gemüse auch auf Balkon und Terrasse anbauen oder sich einer solidarischen Landwirtschaft anschließen, netzwerken und ihr Wissen teilen.“

Auch wenn sich die Dinge viel langsamer entwickeln, als es einem Energiemenschen wie Elisabeth Schmelzer lieb ist, bleibt sie optimistisch. Schließlich hat sich ja schon einiges bewegt. Und was wäre die Alternative? „Ich liebe Menschen und ich liebe unseren Planeten“, sagt sie. „Es ist nie nur gerade im Leben, das ist ja das Lebendige in mir.“

Inhaltspezifische Aktionen