Rauhwolliges Pommersches Landschaf

Genügsames Schaf für karge Böden und raues Klima

Arche Passagier seit 2026

Unterstützt von Slow Food Berlin

Herde Rauhwolliger Pommerscher Landschafe mit schwarzem Kopf auf einer Weide

Beschreibung des Passagiers

Das Rauhwollige Pommersche Landschaf ist eine alte, robuste Landschaftsrasse, die ursprünglich an der Ostseeküste Pommerns, Mecklenburgs, Polens und Schlesiens beheimatet war. Als Dreinutzungsrasse (Wolle, Fleisch, Milch) diente es Fischer- und Landarbeiterfamilien zur Selbstversorgung.

Das mittelgroße, hornlose Schaf ist mischwollig: Kopf, Hals und Unterbeine sind schwarz, der Körper grau bis graublau mit bräunlichem Anflug (Lämmer werden schwarz geboren). Muttertiere wiegen 50–55 kg, Böcke 70–75 kg, die Widerristhöhe liegt bei bis zu 75 cm.

Die Rasse ist genügsam, robust und bestens an raues Küstenklima, magere Sandböden und Moorflächen angepasst. Seit der Wende wird sie auch in Mittelgebirgen zur Landschaftspflege eingesetzt, wo andere Rassen scheitern. Die energiearme Kost führt zu geringeren Schlachtgewichten, dafür überzeugt das Fleisch durch besondere Qualität und Aroma. Die Tiere gelten zudem als sehr menschenbezogen.

Die Mischwolle mit bis zu 20 cm langem, teils hohlem Überhaar ergibt einen leichten, voluminösen Faden. Erzeugnisse daraus sind luftig, isolierend, wasserabweisend und weicher als der Name der Schafsrasse vermuten lässt (bis zu 4 kg Wolle pro Tier/Jahr). Die vier Grautöne (grau, graublau, blaugrau, blau) erlauben natürliche Farbvielfalt, die Wolle lässt sich aber auch problemlos färben. Sie eignet sich für Strickjacken, Pullover, Jacken und traditionell auch für Fischerpullover und Arbeitskleidung.

Rauhwolliges Pommersches Landschaf mit dunklem Kopf auf einer winterlichen, teils schneebedeckten Wiese

Gefährdung des Passagiers

Rauhwollige Schafe sind in Schlesien bereits seit dem 13. Jahrhundert belegt. Im 19. Jahrhundert wurden sie in Großbetrieben zunehmend durch leistungsstärkere Rassen wie Merino verdrängt, blieben aber bei Kleinbauern und Fischerfamilien wegen ihrer Genügsamkeit beliebt (1912: rund 210.000 Tiere, 1936: 70.000).

In der DDR erlebte die Rasse durch die Landreform zunächst einen Aufschwung (Anfang 1950er: ca. 110.000 Tiere in Mecklenburg-Vorpommern), wurde dann aber durch Großfelderwirtschaft fast ausgelöscht – 1982 blieben nur noch 46 Mutterschafe und 7 Böcke. Engagierte Züchter retteten die Rasse in letzter Minute und bauten über ein Linien-Rotationsverfahren die Population ohne Inzuchtprobleme wieder auf. Das SNP-Projekt „Pomaedi" (2024, Uni Gießen, TiHo Hannover, IGRPL) bestätigte eine überraschend hohe genetische Vielfalt.

Heute existiert die Rasse – abgesehen von einem kleinen Bestand in Westpolen – nur noch in Deutschland, mit Schwerpunkten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg (v. a. Rügen, Ummanz, Hiddensee). 2023 zählte man 2.690 weibliche und 202 männliche Zuchttiere – wenig genug, um weiterhin als gefährdet (GEH-Rote-Liste 2025, Stufe III) zu gelten. Die Haltung ist wirtschaftlich anspruchsvoll: geringe Gewinnspannen, kein Mastpotenzial, ganzjährige Freilandhaltung und hoher Flächen- sowie Pflegebedarf.

Schäfer mit Hut und seine Herde Rauhwolliger Pommerscher Landschafe auf einer Weide

Vermarktung

Die Landesschafzuchtverbände in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg betreuen die Zucht mit Fokus auf Landschaftspflege-Eignung und Wollqualität. Seit 1993 bündelt die Interessengemeinschaft Rauhwolliges Pommersches Landschaf e.V. (IGRPL) Züchter und Interessierte zur Erhaltung der genetischen Vielfalt und zur besseren Vermarktung.

Fleisch wird bislang vor allem direkt vor Ort vermarktet – hier gibt es noch Ausbaupotenzial, etwa durch Online-Vermarktung oder Kooperationen mit der Gastronomie. Bei Wolle und Textilien haben sich mehrere Anbieter etabliert: Nordwolle (Marco Scheel) fertigt moderne Walkloden-Jacken; der Schneider Laurent Moussier näht klassische Mäntel aus zweifarbigem Köperstoff; Christoph und Karin Höller vertreiben Garne und Vliese für Handarbeiten; das Wollkontor des ZVSP bietet Fertigprodukte wie Westen, Pullover und Mützen an.

Mehrere Rauhwollige Pommersche Landschafe dicht beieinander im Nahporträt, im Abendlicht

Regionale Bedeutung

Ein Fund aus dem Jahr 950 n. Chr., der „Ralswieker Handschuh" (Ausstellung in Ralswiek/Rügen), belegt die Nutzung von Pommernwolle bereits durch die Slawen. Bis ins 19. Jahrhundert war das Schaf die prägende Nutztierrasse der ostdeutschen Küstenregionen und blieb bei kleinen Landbesitzern – den sogenannten „Büdnern" – bis in die 1950er Jahre wichtig. Oft wurden die Tiere „getüdert" (angepflockt), um auch Wegesränder als Weidefläche zu nutzen.

Heute liegt der Wert der Rasse vor allem in der Landschaftspflege: Vergütungen für Naturschutzflächen machen die Haltung zunehmend auch wirtschaftlich interessant.

Herde Rauhwolliger Pommerscher Landschafe beim Grasen auf einem Deich am Wasser

Geschmack und Verarbeitung

Das Fleisch ist mager, grobfaserig und aromatisch – der Geschmack erinnert an Reh und braucht kaum Würzung. Wegen des langsamen Wachstums werden Tiere teils erst mit 18 Monaten geschlachtet; das Fleisch älterer Tiere eignet sich besonders gut für veredelte Produkte wie Salami, Schinken oder Pfefferbeißer.

(Dieser Text ist die Zusammenfassung eines Textes, der viel mehr Informationen über diesen Arche-Passagier enthält. Sie finden ihn >>hier)

Züchter*innen, Erzeuger*innen und Bezugsquellen

Fleisch

Schäferei Hullerbusch (auch Wolle und Textilien und Gerichte im Hofcafé)

Hullerbusch 2

17258 Feldberger Seenlandschaft

Tel. (03 98 31) 2 00 06

schreiben@schaeferei-hullerbusch.de

www.schaeferei-hullerbusch.de

Frank Westphal (Herdbuchzucht; Produkte ab Hof: Wolle, Wurst, Fleisch)

Boddenstraße 52c

18586 Mönchgut/Rügen 

Tel. (01 62) 4 57 37 28 

Naturnahe Landwirtschaft und Landschaftspflege

Johanna Vielhaber

Zinzow 61

17392 Boldekow

Tel. (03 97 22) 2 27 86

johanna.vielhaber@web.de

Textilien

Laurent Moussier

Zum Bruch 1

27412 Bülstedt

info@laurent-moussier.com

(06 61) 97 21 28

Wollkontor - des Zuchtverbandes für Ostpreußische Skudden und Rauhwollige Pommersche Landschafe

www.schafzuchtverband.de/wollkontor/

wollkontor@schafzuchtverband.de

Pommernwolle

Christoph und Karin Höller

Goldbecker Str. 29

31737 Rinteln

www.pommernwolle.de

Tel. (0 57 54) 13 29

Naturnahe Landwirtschaft und Landschaftspflege

Johanna Vielhaber

Zinzow 61

17392 Boldekow

Tel. (03 97 22) 2 27 86

johanna.vielhaber@web.de


Links und Aktivitäten rund um den Passagier

Landesschaf- und Ziegenzuchtverband

Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Graf-Lippe-Straße 1

18059 Rostock

Telefon: (03 81) 87 71 33-36

E-Mail: schafzucht@lms-beratung.de

www.schafzucht-mv.de

Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg e.V.

Neue Chaussee 6

14550 Groß Kreutz

Tel. (03 32 07) 5 41 68

E-Mail: info@szvbb.de

www.schafzuchtverband-berlin-brandenburg.de

Interessengemeinschaft Rauhwollige Pommersche Landschafe

www.ig-pommernschafe.de

igrpl@gmx.de

Zuchtverband für Ostpreußische Skudden und Rauhwollige Pommersche Landschafe e.V.

Kalkstr. 17

53332 Bornheim

Tel. (0 22 22) 6 35 56

info@schafzuchtverband.de

www.schafzuchtverband.de

 Rauhwollige Pommersche Landschafe auf einer herbstlichen Weide, eines liegend im VordergrundNahporträt eines Rauhwolligen Pommerschen Landschafs mit Ohrmarken, im Maul einen Grashalm

Verwendete Quellen bei der Antragserstellung

https://www.g-e-h.de/rassebeschreibungen/72-rassebeschreibungen-schafe/102-rauhwolliges-pommersches-landschaf

Hans Hinrich Sambraus: Gefährdete Nutztierrassen. Ihre Zuchtgeschichte, Nutzung und Bewahrung, Stuttgart 2010

Jens Mecklenburg: Raritäten von der Weide. 66 Nutztiere, die Sie kennenlernen sollten, bevor sie aussterben, München 2014


Sie sind Erzeuger*in oder kennen Menschen Ihres Netzwerks, die im Sinne von Slow Food produzieren? 

Wir freuen uns über Ihren Vorschlag unter archekommission@slowfood.de

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