Gastbeitrag im Tagesspiegel: Doppelstandards bei Rindfleisch aus Brasilien
Seit dem 3. September 2026 gilt ein vorläufiger EU-Importstopp für brasilianisches Rindfleisch – Grund ist eine mögliche Kontamination mit Reserveantibiotika. Unser Vorsitzender Dr. Rupert Ebner ordnet den Schritt in einem Gastbeitrag für Tagesspiegel Background ein: Er begrüßt den Importstopp grundsätzlich, hält ihn aber für unzureichend. Die Gründe, Einfuhr und Verzehr von Rindfleisch aus Brasilien kritisch zu hinterfragen, seien zahlreich und reichten weit über die aktuelle Antibiotika-Problematik hinaus.
Was hinter den Kulissen der Rindfleischproduktion passiert
In seinem Beitrag beschreibt Ebner, wie brasilianisches Rindfleisch tatsächlich entsteht: Statt auf saftigen Weiden, wie es Verpackungen und Werbung oft suggerieren, stehen die Tiere vielfach in riesigen Mastanlagen, sogenannten Feedlots. Gefüttert wird dort mit gentechnisch verändertem Soja, das in der EU teils nicht zugelassene Pestizide enthält. Hinzu kommt der regelmäßige Einsatz von Antibiotika und Wachstumshormonen, die in der EU seit Jahrzehnten verboten sind – ein erheblicher Wettbewerbsvorteil für brasilianische Erzeuger*innen gegenüber europäischen Betrieben, die sich an strengere Vorgaben halten müssen.
Auch bei der amtlichen Kontrolle sieht Ebner ein strukturelles Problem: Seit einem Gesetz von 2022 setzt Brasilien bei Schlachthöfen auf ein risikobasiertes Selbstkontrollmodell. Tierschutzorganisationen werten das als Schwächung der unabhängigen Kontrolle.

Die Forderung: Spiegelmaßnahmen statt Doppelstandards
Ebners zentrale Forderung: Der Zugang zum EU-Markt muss konsequent an die Einhaltung von EU-Standards gebunden werden – mit lückenloser Rückverfolgbarkeit vom Kalb bis zum Schlachthof und einem dauerhaften statt nur temporären Einfuhrverbot für Fleisch von Tieren, die mit in der EU verbotenen Wachstumsförderern behandelt wurden.
Diese Forderung ist kein neuer Standpunkt, sondern Kern unserer Kampagne "Gleiche Standards für alle Lebensmittel": Rindfleisch aus Brasilien war dort bereits eines von drei Importprodukten – neben Soja und Äpfeln aus Chile –, die wir im Detail analysiert haben. Der aktuelle Importstopp zeigt exemplarisch, warum eine dauerhafte Lösung über Spiegelmaßnahmen nötig ist, statt nur auf Einzelfälle wie den aktuellen Antibiotika-Fund zu reagieren.
>>> Den vollständigen Gastbeitrag von Rupert Ebner lesen Sie bei Tagesspiegel Background.
>>> Mehr zu unserer Forderung nach gleichen Standards für alle Lebensmittel finden Sie in unserer Kampagne "Gleiche Standards für alle Lebensmittel".