Kritischer Agrarbericht 2026: Wandel & Widerstand in der Landwirtschaft

16.01.2026 - Der jährlich erscheinende Bericht bündelt fundierte Analysen und Positionen zu Landwirtschaft und Ernährung – kritisch gegenüber dem Status quo, zugleich mit konkreten Konzepten und Praxisbeispielen für eine sozial-ökologische Agrarwende. Der Schwerpunkt 2026 lautet „Wandel & Widerstand“: Er zeigt, wo Reformen ins Stocken geraten, und skizziert Wege, wie Politik und Praxis wieder handlungsfähig werden. Die im AgrarBündnis zusammengeschlossenen Verbände – darunter Slow Food Deutschland – erwarten, dass die nächste Bundesregierung den breit getragenen Konsens aufnimmt und konsequent umsetzt.

10 x 5Cover KAB 2026 (c) Agrarbündnis Kernforderungen an die Politik

Das AgrarBündnis bietet mit dem jährlich erscheinenden Kritischen Agrarbericht eine Informations- und Diskussionsplattform für die nachhaltige Transformation von Landwirtschaft und Ernährung – in Deutschland, in Europa und weltweit. Auch in diesem Jahr haben die Autorinnen und Autoren der Jahresrückblicke (»Entwicklungen & Trends«) zu den zehn Themenschwerpunkten im Kritischen Agrarbericht jeweils fünf zentrale politische Forderungen formuliert. Diese 10 x 5 Kernforderungen richten sich vor allem an die neue Bundesregierung sowie an weitere politische Entscheidungsträger:innen und Akteur:innen der Zivilgesellschaft.

Die Kernforderungen sind als eigenständiges Dokument erhältlich unter

https://kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2026/KAB2026_Kernforderungen.pdf

Online

Die einzelnen Beiträge des Kritischen Agrarberichts 2026 stehen direkt nach der Pressekonferenz kostenlos online zur Verfügung https://kritischer-agrarbericht.de/

Stimmen aus den Mitgliedsverbänden

Die Podiumsteilnehmer*innen – Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsverbände – warnen vor einem agrarpolitischen Rollback: Statt Reformen voranzutreiben, drohen Rückschritte bei Umwelt-, Klima- und Tierschutz, eine Rückkehr zu pauschalen Flächenprämien sowie ein gefährlicher Kurs bei Neuer Gentechnik. Sie fordern klare Regeln, verlässliche Finanzierung und Transparenz – für den Erhalt bäuerlicher Betriebe und einen zukunftsfähigen Umbau der Tierhaltung.

Olaf Bandt, Vorsitzender, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), erklärt:

„Eine zukunftsfähige Landwirtschaft und ein widerstandsfähiges Ernährungssystem brauchen starke bäuerliche Betriebe – egal, ob ökologisch oder konventionell. Bäuerinnen und Bauern müssen von ihrer Arbeit leben, und auch mit dem Schutz von Natur, Klima und Tieren ein verlässliches Einkommen erzielen können. Doch dabei lässt sie die aktuelle Politik im Stich. Statt nach vorne zu gehen, wird der Rückwärtsgang eingelegt. Regelungen werden aufgeweicht, Förderungen gestrichen, Kennzeichnungen verschleppt. Die Bundesregierung verwässert das Düngerecht, stoppt die Förderung des Stallumbaus und verschleppt die von Verbraucher*innen und Handel gewollte Tierhaltungskennzeichnung. Auch auf EU-Ebene drohen Rückschritte – beim Schutz vor Gentechnik und Pestiziden und bei der Gemeinsamen Agrarpolitik, die nach Willen der EU-Kommission Steuergeld wieder vor allem nach Fläche verteilen soll. Das zerstört Lebensgrundlagen, ignoriert Verbraucherwünsche und gefährdet Höfe. Schluss mit diesem Rollback. Es braucht verlässliche Lösungen für Natur-, Tier-, Klima- und Umweltschutz und für den Erhalt bäuerlicher Betriebe.“

Claudia Gerster, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), warnt mit Blick auf die laufenden Debatten zur GAP:

„Wenn es nach der Europäischen Kommission geht, sind in der GAP ab 2028 keine Gelder mehr für die Leistungen von Bäuerinnen und Bauern im Umwelt-, Klima- und Tierschutz reserviert. Landwirtschaftliche Betriebe sollen den Hauptteil der rund 300 Milliarden Euro an EU-Geld stattdessen wieder als Flächenprämien erhalten. Sollte das so kommen, werden gerade die Landwirtinnen und Landwirte systematisch wirtschaftlich geschwächt, die bereits heute besonders ressourcenschonend wirtschaften. Das ist eine weitere Rolle rückwärts in der Agrarpolitik, die auch die Legitimation der GAP als Ganzes massiv gefährdet. Minister Rainer und die Abgeordneten im Europaparlament müssen dafür sorgen, dass die bereits existierenden Mindestbudgets der Öko-Regelungen und Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen in der GAP erhalten bleiben und ausgebaut werden. Alles andere würde die Industrialisierung der Landwirtschaft abermals massiv vorantreiben.“­

Carolin Pagel, Vorstandsmitglied im AgrarBündnis und Leiterin Agrarpolitik Bioland e.V., ordnet das Motto „Wandel und Widerstand“ mit Blick auf das hochaktuelle Thema Neue Gentechnik ein:

„Neue Gentechnik wird als Innovation und Fortschritt beworben, doch bislang fehlen belastbare, breit wirksame Erfolge im Pflanzenbau. Gleichzeitig wachsen Risiken wie Abhängigkeiten, zunehmende Konzernmacht sowie der Verlust von Wahlfreiheit, Transparenz und somit der Ernährungssouveränität. Der Ökolandbau hält dagegen, denn er steht für einen zukunftsfähigen Innovationspfad, der auf Vielfalt, frei zugängliches Saatgut und Ganzheitlichkeit setzt. Wir fordern die Politik, insbesondere das EU-Parlament, auf, sich nicht von vagen Versprechen täuschen zu lassen, sondern die Notbremse zu ziehen. Wir brauchen eine klare Kennzeichnung zum Schutz der Verbraucher:innen sowie einen wirksamen Schutz vor Patenten für Landwirt:innen.“

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kritisiert die aktuelle Ausrichtung der Bundesregierung deutlich:

„Dem Bundeslandwirtschaftsminister fehlt der Weitblick – es gibt kein strategisches Ziel, wie die Tierhaltung in Deutschland künftig aussehen soll. Stattdessen setzt man weiter auf Instrumente wie das staatliche Tierhaltungskennzeichen. Das ist, als würde man ein Haus bauen, bevor man das Grundstück gekauft hat: Man gestaltet Details, ohne das Fundament zu planen. Diese plan- und ziellose Agrarpolitik lässt tierschutzwidrige Haltungsformen unangetastet, beschleunigt das Höfesterben und lässt den Frust größer werden. Die Bundesregierung muss den Stillstand beenden. Nur mit verbindlichen Maßnahmen, klaren Zielen, konkreten Zeitplänen und ausreichender Finanzierung kann sie das Staatsziel Tierschutz erfüllen und die landwirtschaftliche Tierhaltung zukunftsfähig machen. Der Wandel muss jetzt kommen. Tierschutz darf kein Lippenbekenntnis bleiben.“

Podiumsdiskussion mit Autorinnen und Autoren des Kritischen Agrarberichts 2026

Bitte beachten Sie: Am 15.1.2026 findet von 18:00 bis 21:00 Uhr in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin eine Podiumsdiskussion mit Autorinnen und Autoren des Kritischen Agrarberichts 2026 statt.
Programm, Anmeldung und Link zur YouTube-Aufzeichnung finden Sie hier: https://calendar.boell.de/de/event/unsere-gruene-woche-vorstellung-kritischer-agrarbericht

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