Rückblick: Tag der Fische 2026 beim Bio-Forellenhof Benecke
Der bundesweite Aktionstag macht jährlich auf den Schutz bedrohter Fischarten und auf nachhaltigen Fischkonsum aufmerksam, und mit Katharina Benecke, Manfred Kriener, Gert Dirkwinkel, Yannick Rohrer und Claudia Nathansohn waren Referent*innen mit viel Fachwissen rund um die Forelle in die Lüneburger Heide gekommen.
Katharina Benecke stellte ihren Betrieb vor und führte durch die Anlage, die neben Bach- und Regenbogenforellen auch Lachsforellen bis zu sechs Kilogramm züchtet. Gert Dirkwinkel (Leitung Fischkommission Slow Food Deutschland) ordnete den Aktionstag ein, Yannick Rohrer von der Schweizer Organisation Fair Fish sprach über Aquakultur und Fischwohl, und Claudia Nathansohn von der Slow Food Deutschland Geschäftsstelle stellte das Slow-Food-Bildungsprojekt Green Spoons mit Schwerpunkt nachhaltige Teichwirtschaft vor. Bei geräucherter Forelle und Kartoffelsalat blieb im Anschluss viel Raum für Austausch – ein rundum informativer und geselliger Nachmittag.



Der Hitzesommer 2026: Existenzbedrohung für Fischwirte
Den fachlichen Schwerpunkt setzte Journalist und Buchautor Manfred Kriener ("Fisch in Seenot") mit einem Vortrag über die Forelle – und über den Hitzesommer 2026, der viele Fisch- und Teichwirte an ihre Grenzen gebracht hat. Statt mit dem erwarteten heiteren Einstieg eröffnete Kriener mit einer ernsten Bestandsaufnahme:
"Dieser Sommer war mit seiner Dürre und den drei brutalen Hitzewellen für alle Fisch- und Teichwirte und ganz besonders für alle Forellenzüchter eine große Herausforderung. Er war für einige Betriebe sogar ruinös und existenzbedrohend."
Bei sogenannten Himmelsteichen, die nur durch Regen gespeist werden, schrumpfte der Wasserspiegel vielerorts dramatisch – bis zu 80 Prozent Wasserverlust waren keine Seltenheit. In Bayern pumpte die Feuerwehr sogar Wasser aus dem Chiemsee in einen bedrohten Karpfenteich. Auch Durchflussanlagen blieben nicht verschont: Der Forellen-Familienbetrieb von Matthias Schnek an der sächsischen Zschopau verlor Ende Juni bei über 40 Grad Lufttemperatur seinen gesamten Bestand von mehreren tausend Forellen – ein Schaden von über 100.000 Euro, ohne Unterstützung durch die sächsische Landesregierung. Der Betrieb ist seither auf Spenden angewiesen.
Kriener erklärte, warum Forellen so empfindlich reagieren: Als Kaltwasserfische fühlen sie sich bei 8 bis maximal 18 Grad wohl, ab 23 Grad wird es für sie lebensbedrohlich. Da Fische wechselwarme Tiere sind, entspricht die Wassertemperatur direkt ihrer Körpertemperatur.
Mögliche Schutzmaßnahmen für die Zukunft – Beschattung durch Bäume oder Solarpaneele, Kühlschlangen, Grundwasserzufuhr – sind laut Kriener alle mit hohen Kosten verbunden, die sich in höheren Forellenpreisen niederschlagen würden. Gerade hier sieht er die Verantwortung der Kund*innen: Die meisten kaufen aus Preisgründen importierte statt regionale Ware, obwohl die deutsche Eigenversorgung mit Forellen bei nur zehn Prozent liegt.
Eine Schönheit mit Tupfen
Im zweiten Teil seines Vortrags würdigte Kriener die Forelle selbst – ihre Geschichte, Biologie und kulinarischen Qualitäten:
"Forellen sind echte Schönheiten. Der Name der Regenbogenforelle geht auf die Seitenlinie zurück, die in zartem Rosa und anderen Regenbogenfarben schimmert."
Seit ihrer Ankunft aus Nordamerika im Jahr 1882 hat sich die Regenbogenforelle zum Rückgrat der deutschen Aquakultur entwickelt: Knapp ein Drittel aller hierzulande gezüchteten Fische sind Regenbogenforellen, rund 5.200 Tonnen wurden im vergangenen Jahr erzeugt. Die Lachsforelle – eine große Regenbogenforelle mit durch Carotinoide rot gefärbtem Fleisch – empfahl Kriener ausdrücklich als nachhaltigere Alternative zum "Problemfisch Lachs" aus Netzkäfigen.
Auch dem Vorurteil, Forellen seien dumme Tiere, widersprach er: Tierexperimente zeigen, dass sie sich frühere Rivalen merken und sogar Schmerz empfinden.
Fazit
Der Tag der Fische machte deutlich: Hinter dem beliebtesten deutschen Süßwasserfisch steht eine Branche, die durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät. Der Besuch bei der Forellenzucht Benecke zeigte, wie handwerkliche Zucht und Sorgfalt auch unter schwierigen Bedingungen gute, saubere und faire Fische auf den Teller bringen – und warum die Unterstützung regionaler Fischwirte wichtiger denn je ist.














