Slow Food verurteilt die Abstimmung der EU zur Deregulierung neuer Gentechnik: Verrat an Landwirt*innen, Biodiversität und Bürgerrechten

18.06.2026 - Gestern hat das Europäische Parlament dem Druck der Agrarchemie-Lobby vollständig nachgegeben und den Unternehmensgewinn offiziell über die Unabhängigkeit der Landwirt*innen, den Umweltschutz und die Rechte der Verbraucher*innen gestellt. Nach dem von den Abgeordneten verabschiedeten Text werden neue GVO (sogenannte neue genomische Techniken, NGT) von sämtlichen Sicherheitsprüfungen, Rückverfolgbarkeitsmechanismen und Kennzeichnungspflichten ausgenommen. Damit werden sie nach ihrem Markteintritt praktisch unsichtbar, sodass niemand mehr für mögliche negative Auswirkungen zur Verantwortung gezogen werden kann.

Biotechnologie.jpgAls wäre dies nicht genug, haben die Europaabgeordneten zudem dafür gestimmt, der Industrie zeitlich unbegrenzte Rechte für den Anbau und die Vermarktung neuer GVO ohne jegliche Überwachung einzuräumen. Dies ebnet den Weg für eine unkontrollierbare Ausbreitung von Patenten und eine zunehmende Abhängigkeit der Landwirt*innen von Biotechnologieunternehmen.

Schutzmechanismen ausgehebelt

Mit dieser Entscheidung hat sich das Europäische Parlament dafür entschieden, jene Schutzmechanismen zu schwächen, die unsere Lebensmittel, unsere Landwirtschaft und unsere Umwelt sichern. Vielfalt ist der Schlüssel zu Resilienz und Souveränität – neue genomische Techniken wirken jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Die Abschaffung von Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und umfassenden Risikoprüfungen nimmt den Menschen das Recht zu wissen, was sie anbauen und essen. Gleichzeitig werden Landwirtinnen und Landwirte zunehmend dem Risiko von Kontaminationen und dem Druck durch Saatgutpatente ausgesetzt.

Die Gleichstellung neuer GVO mit konventionell gezüchteten Pflanzen wird den Verlust der Agrobiodiversität beschleunigen, die Ernährung durch die Standardisierung von Saatgut und Kulturen verarmen lassen und die Autonomie sowie die Souveränität landwirtschaftlicher Gemeinschaften in ganz Europa weiter untergraben.

Das Vorsorgeprinzip durch eine Logik des Profits zu ersetzen, ist ein gefährlicher Weg. Technologische Scheinlösungen schaffen keine widerstandsfähigen, gesunden und nachhaltigen Ernährungssysteme. Erforderlich ist vielmehr ein grundlegender Wandel hin zur Agrarökologie – einem Modell, das auf echter Fürsorge für Landwirtinnen und Landwirte, Menschen, Tiere und die Umwelt basiert“, erklärt Marta Messa, Generalsekretärin von Slow Food.

Text: Pressemitteilung von Slow Food International vom 17. Juni 2026

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