Terra Madre Turin 2026: Slow Food debattiert über die Zukunft der Ernährung
Die XVI. Ausgabe von Terra Madre Salone del Gusto – organisiert von Slow Food – kehrt vom 24. bis 27. September 2026 nach Turin (Italien) zurück. Sie ist eine der weltweit größten Veranstaltungen rund um gutes, sauberes und faires Essen. Ein internationales Vernetzungstreffen, bei dem Slow Food Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammenbringt, um gemeinsam an einer zukunftsfähigen Ernährung zu arbeiten.
Während Kriege weltweit die Versorgung mit Lebensmitteln beeinträchtigen, Klimaextreme zunehmen und die Lebenshaltungskosten steigen, erkennen wir immer deutlicher: Ernährung ist keine isolierte Branche mehr. Sie steht im Mittelpunkt der drängendsten Herausforderungen für die Menschheit.
Vom 24. bis 27. September kommt das internationale Event Terra Madre Salone del Gusto zurück nach Turin, Italien, und bringt 1500 Landwirte, Fischer, Köchinnen und Köche, indigene Führungspersönlichkeiten, Aktivistinnen und Aktivisten, Forschende, politische Entscheidungsträger und junge Initiatorinnen und Initiatoren aus mehr als 120 Ländern zusammen, um zu diskutieren, wie Ernährung Teil der Lösung werden kann.
Terra Madre wird von Slow Food, der Region Piemont und der Stadt Turin organisiert und zählt heute zu den wichtigsten Veranstaltungen weltweit, die sich der Zukunft unserer Ernährung widmen. Die Ausgabe 2026 findet in einer besonders entscheidenden Zeit statt, in der überall auf der Welt verschiedene Krisen ineinandergreifen und die Art und Weise, wie Lebensmittel produziert, verteilt und zugänglich gemacht werden, grundlegend verändern.
Diesmal findet auch die Slow Food Teilnehmerversammlung statt, in der Delegierte die zukünftige Ausrichtung der Bewegung bestimmen und die internationale Zusammenarbeit in den Bereichen Ernährung, Biodiversität und soziale Gerechtigkeit stärken.
„Wir treffen uns in einer Zeit, in der Konflikte, wirtschaftliche Instabilität und Umweltkrisen die Gräben zwischen Menschen und Ländern vertiefen", so Edward Mukiibi, Präsident von Slow Food. „Aber Ernährung erinnert uns an etwas Grundlegendes: Unsere gegenseitige Abhängigkeit. Jede Mahlzeit verbindet Landwirte, Ökosysteme, Kulturen und Gemeinschaften jenseits von Grenzen. Terra Madre ist ein Ort, an dem diese Verbindungen sichtbar werden und Lösungen direkt von denjenigen entstehen, die den Herausforderungen am nächsten sind."
Ernährung im Zentrum der aktuellen Krisen
Zwar stehen Klimaextreme, bewaffnete Konflikte, Migration oder Inflation oft im Blickpunkt der Medien, doch all diese Themen sind eng mit Ernährung verflochten.
Unwetter verringern Ernten und bedrohen Existenzen. Kriege unterbrechen Lieferketten und erhöhen die Ernährungsunsicherheit. Steigende Produktionskosten belasten Landwirte und Verbraucher gleichermaßen. Gleichzeitig schwächen Biodiversitätsverlust und Bodenerschöpfung die Grundlage der Lebensmittelproduktion.
Für viele Mitglieder des Netzwerks bleibt die Teilnahme an Terra Madre unerreichbar.
„Einige unserer Delegierten werden durch Konflikte, politische Instabilität oder wirtschaftliche und ökologische Krisen daran gehindert, teilzunehmen", erklärt Mukiibi. „Ihre Abwesenheit ist keine Schwäche, sondern der deutlichste Spiegel der Welt, die wir verändern wollen."
Dennoch ist Ernährung auch eines der wirksamsten Mittel, um diese Probleme anzugehen.
„Ernährung ist dort, wo Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftskrisen zusammentreffen", sagt Mukiibi. „Aber auch dort finden wir Lösungswege. Wenn wir Agrarökologie fördern, Biodiversität schützen, lokale Märkte stärken und faire Lebensbedingungen für Produzentinnen und Produzenten gewährleisten, verändern wir nicht nur das Lebensmittelsystem, sondern bekämpfen einige der Grundursachen für Instabilität und Ungleichheit."
Die Antworten gibt es bereits
Weltweit zeigen Gemeinschaften längst, wie solche Lösungen in der Praxis funktionieren.
In Regionen, die von Konflikten, Klimakrisen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten betroffen sind, schützen Landwirte, indigene Gruppen, Köchinnen und Köche, Fischer und lokale Aktivistinnen und Aktivisten die Biodiversität, bewahren traditionelles Wissen und stärken widerstandsfähige lokale Lebensmittelsysteme.
Vom Schutz heimischer Saatgutvielfalt in Indonesien bis zur Förderung von Beziehungen zwischen Stadt und Land in Kolumbien, vom Einsatz für Biodiversität in der Demokratischen Republik Kongo bis zur Umsetzung agrarökologischer Maßnahmen in Kuba und den Philippinen: Diese Beispiele zeigen, dass Gemeinschaften nicht auf Veränderung warten, sondern sie aktiv gestalten.
Terra Madre bietet die besondere Chance, diese Erfahrungen zusammenzuführen und dafür zu sorgen, dass Lösungen von einer Region auf die nächste übertragen und dort umgesetzt werden.
„Was uns Hoffnung gibt, ist, dass überall auf der Welt Menschen aktiv handeln", sagt Mukiibi. „Die Antworten auf viele der heutigen Krisen gibt es bereits in den Gemeinschaften. Unsere Aufgabe ist es, sie zu vernetzen, von ihnen zu lernen und ihren Einfluss zu verstärken."
Eine fragmentierte Welt neu verbinden
In einer Zeit, die von Polarisierung, Abschottung und Konkurrenz geprägt ist, zeigt Terra Madre eine andere Perspektive: Kooperation, Solidarität und gemeinsame Verantwortung.
Seit über zwanzig Jahren beweist die Veranstaltung, dass Ernährung nicht nur Menschen nährt, sondern Regionen, Kulturen und Gemeinschaften verbindet und so die Basis für demokratischere, widerstandsfähigere und friedlichere Gesellschaften schafft.
„Die Welt wird immer mehr zersplittert", so Mukiibi abschließend. „Doch jedes Lebensmittelsystem lebt von Beziehungen – zwischen Menschen, Gemeinschaften und der Natur. Terra Madre erinnert uns daran: Trotz allem, was uns trennt, bleibt unsere Zukunft eng miteinander verwoben. Über Nahrung können wir beginnen, diese Verbindungen wiederherzustellen."
Die Teilnehmerversammlung: ein politischer Akt für die Zukunft unserer Ernährung
Vor diesem Hintergrund erhält die Teilnehmerversammlung von Slow Food eine größere Bedeutung: Sie erneuert die Organisationsstruktur und verabschiedet die Strategie, die die Bewegung in den kommenden Jahren leiten wird.
Die Versammlung ist auch das erste globale Treffen der Bewegung nach dem Tod ihres Gründers Carlo Petrini. „Wir ehren seine Vision nicht nur durch Erinnerungen, sondern durch unser Handeln", ergänzt Mukiibi. „Unsere Verantwortung ist es, nicht zurückzublicken, sondern weiter voranzuschreiten, das globale Netzwerk zu stärken und seine Wirkung zu vertiefen."
Terra Madre Salone del Gusto 2026
Über vier Tage wird der Terra Madre Salone del Gusto Dialog zwischen denjenigen ermöglichen, die täglich im Lebensmittelsystem arbeiten, Verbrauchenden und denjenigen, die öffentliche Politik gestalten – mit dem Ziel, konkrete Lösungen zu finden, damit gutes, sauberes und faires Essen für alle möglich wird. Das Programm aus Konferenzen, offenen Diskussionen, Bildungsaktivitäten und Verkostungen zeigt die Zusammenhänge zwischen Lebensmittel, Klima, Kultur und Wirtschaft und macht globale Herausforderungen verständlich und greifbar.
Die Botschaft: Biodiversity – Be Diversity
Biodiversität bedeutet, Vielfalt wertzuschätzen, Lebensreichtum zu schützen und ein gerechteres Ernährungssystem aufzubauen. Für Slow Food ist Biodiversität das Gegenmittel zu Monokultur in jeder Form. Sie fördert den Einklang mit natürlichen Ressourcen, eine Kultur des Friedens und den Zusammenhalt über Grenzen hinaus. Biodiversität ist nicht nur landwirtschaftlich, sondern auch sozial und kulturell: Sie hinterfragt Einheitlichkeit und ermutigt dazu, Komplexität zu leben. Vielfalt ist nicht allein etwas, das Achtung verdient, sondern auch Quelle von Resilienz, Wohlstand und unsere beste Garantie für Gesundheit und nachhaltige Zukunft.
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Die Ausgabe 2026 von Terra Madre Salone del Gusto wird dank der Unterstützung von Institutionen und Unternehmen ermöglicht, die ihre Zusage bereits gegeben haben. Hauptpartner sind Acqua S. Bernardo, BBBell, Handelskammer Turin, Iren, Pastificio Di Martino, QBA – Quality Beer Academy und Reale Mutua. Als In-kind-Partner unterstützen Bormioli Luigi, Coop Italia, IP Industrie und NTT DATA Italia, als Green Partner Consorzio Ricrea und PEFC Italia, als Area Partner Alberto Marchetti, Arix Professional, Baratti & Milano, Caffè Costadoro, Consorzio Parmigiano Reggiano, I-sped, Sebach und Tucano. Federalberghi Torino ist Hospitality Partner, Bus Company Mobility Partner. Auch Turismo Torino e Provincia ist am Event beteiligt. Nikon ist Media Partner und das Zentralinstitut für immaterielles Kulturerbe (ICPI) Kulturpartner. Die Veranstaltung steht zudem unter der Schirmherrschaft von MASAF und ISMEA, mit Unterstützung von Fondazione Compagnia di San Paolo und Fondazione CRT sowie Beiträgen der Europäischen Union, des LIFE Programms, von IFAD, der W.K. Kellogg Foundation, Meatless Monday und GIZ.
