Zum Abschied von Carlo Petrini: Slow-Food-Gründer und Wegbereiter einer weltweiten Bewegung für gutes, sauberes und faires Essen
Mit Carlo Petrini verabschieden wir einen Menschen, der Millionen inspiriert und eine weltweite Bewegung aufgebaut hat, die bis heute Menschen über Kontinente hinweg verbindet. Carlo Petrini war einer der klügsten und originellsten öffentlichen Intellektuellen unserer Zeit. Ob König, Papst, Landwirtin, Fischer oder Studentin – er hatte die Gabe, in der universellen Sprache der Menschlichkeit gleichermaßen zugewandt mit ihnen zu sprechen. Seine besondere Fähigkeit war es, jedem Menschen das Gefühl zu geben, gesehen und wertgeschätzt zu werden, und damit wichtig und einzigartig zu sein. Carlo hat nicht nur ein Netzwerk aufgebaut – er schuf eine Gemeinschaft, die auf Würde, Zuhören und gemeinsamen Werten beruhte.

Slow Food, Terra Madre und eine globale Bewegung
Mit Slow Food, Terra Madre und der Universität der gastronomischen Wissenschaften hat Carlo Petrini Initiativen geschaffen, die weltweit Menschen verbinden.
Sein Ziel war ein weltweites Ernährungssystem, das auf den Prinzipien „gut, sauber und fair“ basiert. Im Zentrum dieser Vision stand Terra Madre – als Ort der Begegnung für Erzeuger*innen, Hüter*innen der Biodiversität und Menschen, die Lebensmittel nicht nur produzieren, sondern gleichzeitig Kulturen, Wissen und Gemeinschaften bewahren. Carlo wollte, dass sich die Menschen nie allein gelassen fühlen, sondern Gleichgesinnte finden. Durch Austausch und Zusammenarbeit ist ein weltumspannendes Netzwerk entstanden, getragen von Solidarität, Wissen und Hoffnung.
Wandel braucht Freude und Gemeinschaft
Carlo Petrini war überzeugt, dass Veränderung Freude machen muss. Er liebte die Momente, in denen Menschen zusammenkommen: zum Essen, Diskutieren, Lachen und Feiern. Für ihn war Essen nie nur Nahrungsaufnahme. Es war immer auch ein Weg, Beziehungen zu schaffen, Zugehörigkeit zu stärken und Menschen miteinander zu verbinden. „Wer Utopien sät, erntet Wirklichkeit.“ Dieser Satz beschreibt seine Haltung wohl am besten. Carlo glaubte daran, dass gemeinsame Visionen die Welt verändern können – wenn sie mit Mut, Empathie und praktischem Handeln verbunden werden.
Sein Erbe lebt weiter
Aus einer kleinen Gruppe von Freundinnen und Freunden auf dem italienischen Land entstand in den 1980er Jahren eine Bewegung, die heute Millionen Menschen erreicht. Der Verlust von Carlo Petrini ist unfassbar groß. Doch sein Erbe bleibt lebendig: in Gemeinschaften, auf Feldern, in Küchen, in den Köpfen junger Menschen, und überall dort, wo Menschen an ein besseres Lebensmittelsystem glauben, wo Menschen befähigt werden, wieder Ernährungssouveränität zu erlangen. Vor allem aber wird es weiterleben in den Verbindungen, die er geschaffen hat – zwischen Menschen, Kulturen und Generationen. Denn seine Vision ist zukunftsweisend.
„In dieser Zeit der Trauer bleibt uns eine Aufgabe, die Carlo immer wichtig war: zusammenzustehen, unseren Werten treu zu bleiben und weiter an der Zukunft zu arbeiten, die er sich erträumt hat. Lassen wir unsere Trauer zu neuer Kraft werden. Und tragen wir seine Vision weiter – mit Menschlichkeit, Empathie, Vielfalt und Hoffnung“, so Dr. Rupert Ebner, Vorsitzender von Slow Food Deutschland e.V.
Edward Mukiibi, der Präsident von Slow Food International, hat es mit einem Spruch aus seiner Heimat Uganda auf den Punkt gebracht: "Erst wenn du deine Eltern verlierst, wirst du erwachsen". Für Slow Food ist es nun an der Zeit, auf eigenen Beinen zu stehen, neue Verbindungen einzugehen und neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu suchen. Gemeinsam werden wir ein faires und nachhaltiges Ernährungssystem schaffen, um die Utopie zur Wirklichkeit werden zu lassen, ganz in Carlos Sinne.
>>> Zur Biographie von Carlo Petrini
>>> Zu weiteren Artikeln und dem digitalen Kondolenzbuch von SFD zu Ehren von Carlo Petrini