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Glyphosat: EFSA macht Weg frei für Wiederzulassung

19.11.2015 - Bis Endes des Jahres will die Europäische Kommission über die Neuzulassung des Pflanzengifts Glyphosat entscheiden – auf Basis einer höchst fragwürdigen Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Slow Food Deutschland warnt vor den Folgen einer Wiederzulassung in Europa.

Der EFSA-Bericht berücksichtigt nicht die Erkenntnisse der Glyphosat-Monographie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nach deren Einschätzung Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ ist. Einer Wiederzulassung steht nun nichts im Wege.

Der Bericht der EFSA kommt zu dem Schluss, „dass Glyphosat keine krebserregende Gefahr für den Menschen darstellt“. Weder die Glyphosat-Monographie der WHO, noch die zahlreichen Erfahrungsberichte von Landwirten in der EU und außerhalb, die über gesundheitliche Probleme klagen, scheinen für die EFSA-Auswertung eine Rolle gespielt zu haben. Ganz im Gegenteil, die zumutbare tägliche Belastung wurde sogar erhöht: Die akzeptable Tages-Dosis für die Aufnahme des Wirkstoffes durch den Menschen wurde von 0,3 auf 0,5 Gramm pro Kilo Körpergewicht angehoben. Außerdem befürchten Quellen des BUND, dass es „wohl auf eine Verlängerung der EU-Zulassung des Wirkstoffes um mindestens zehn Jahre hinaus laufe“.

Da die Expertenmeinungen über das Herbizid und dessen Grad der Gefährdung für den Menschen auseinandergehen und man sich schlicht nicht sicher sein kann, ob die Ergebnisse der EFSA oder die der WHO valide sind, ist Slow Food der Meinung, dass diese Neuzulassung von Seiten der EU-Kommission grob fahrlässig wäre und nicht im gesundheitlichen Interesse der EU-Bürger: „Glyphosat ist mittlerweile im Urin jedes Bundesbürgers nachgewiesen, und gesundheitliche Beschwerden sind vor allem bei Landwirten, die in engerem Kontakt mit dem Herbizid stehen, zu vermerken. Slow Food fordert deshalb ein komplettes Verbot von Glyphosat, in Europa sowie in anderen Teilen der Welt, und vor allem ein sofortiges Beenden der Praxis des Spritzens von Gemüse vor der Ernte, um die Erntearbeit zu erleichtern“, so Slow Food Deutschland Vorsitzende Ursula Hudson.

Hier finden Sie die Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zu Glyphosat: http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/151112

Text: Sharon Sheets

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