Welternährungspreis

16.10.2013 - Laut New York Times ist er so etwas wie der Oscar der Lebensmittelbranche: Der World Food Prize. Dieses Jahr ging er an drei Forscher, die im Auftrag von Agromultis wie Monsanto und Syngenta genmanipuliertes Saatgut entwickeln. Frühere Preisträger wie der alternative Agrarpionier Hans Herren kritisieren die Entscheidung scharf. 

Online-Aktion: Kritik an Lebensmittelpreis für Monsanto

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Es ist das erste Mal, dass der Preis, dotiert mit 250 000 Dollar, für Leistungen im Bereich der Genmanipulation vergeben wird. Robert Fraley, hochrangiger Manager des Konzerns Monsanto, der Belgier Marc Van Montagu und Mary-Dell Chilton (Syngenta), wurden 2013 für "ihre individuellen Leistungen in der Gründung, Entwicklung und Anwendung von moderner Agrar-Biotechnologie geehrt", sagte Kenneth Quinn, Präsident der World Food Prize Foundation, die die Auszeichnung vergibt.

Monsanto zeichnet sich selbst aus

Pikant an der Entscheidung:  In der Vergangenheit spendeten die Industriekonzerne Monsanto und Syngenta viel Geld an die Stiftung. Allein Monsanto gab 2008 laut New York Times rund fünf Millionen Dollar Spendengelder.

Nicht nur diese Praxis stößt Kritikern bitter auf. Der Schweizer Agrarforscher Hans Herren, Empfänger des diesjährigen alternativen Nobelpreises, wurde 1995 selbst mit dem World Food Prize ausgezeichnet. Gegenüber dem Internetportal "20 Minuten" moniert er, dass eine Würdigung der wissenschaftlichen Entdeckungen im Bereich der Pflanzengenetik zwar in Ordnung sei. „Der Welternährungspreis wird aber – normalerweise – an Personen vergeben, die die Menge an, die Qualität von und den Zugang zu Nahrungsmitteln erhöht haben. Erhöht haben – nicht irgendwann erhöhen werden.“ Diese Kriterien erfüllten Fraley von Monsanto und Chilton von Syngenta nicht.

Gentechnik für Biodiesel und Ethanol

Gentechnisch veränderte Pflanzen sind laut Herren kein geeignetes Mittel im Kampf gegen den Hunger. „Gentech ernährt heutzutage keinen mehr. Der größte Teil an Gentech-Pflanzen machen Baumwolle – die isst man bekanntlich nicht – Mais und Sojabohnen aus. Diese essbaren Pflanzen gehen nahezu gesamthaft in die Verarbeitung für Tierfutter, Biodiesel und Ethanol.“ Der Agrarforscher plädiert deshalb für ökologische Alternativen. Damit könne man auch eine auf zehn Milliarden wachsende Weltbevölkerung ernähren. „Wir haben in Afrika gezeigt, dass wir die Erträge um das Zwei- bis Dreifache steigern können – mit nachhaltiger Landwirtschaft, mit biologischen, ökologischen Methoden“, so Herren gegenüber "20 Minuten".

Viele weitere unabhängige und renommierte Wissenschaftler äußerten in einem offenen Brief an die Jury ähnlich lautende Kritik an der Vergabe des Welternährungspreises an Fraley, Chilton und Van Montagu.

Slow Food Deutschland möchte engagierte Menschen ebenfalls motivieren, gegen diese Verleihung bzw. das System der Food-Konzerne, die dahinter steht, öffentlich zu demonstrieren. Schließen Sie sich der Online-Petition von SumOfUs.org an!

Weitere Informationen:

Alternativer Nobelpreis für Hans Herren

Slow Thema Saatgut

in Bild oben: Online-Kampagnen-Bild von SumOfUs.org |  © SumOfUs.org

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