Pressegespräch "Untiefen der Aquakultur"
Pressegespräch „Untiefen der Aquakultur“
26.11.2014 - Immer mehr Fisch kommt aus Aquakulturen. Aber wie nachhaltig sind diese „Bauernhöfe unter Wasser“ eigentlich? Kann man sinnvoll Fische in Gefangenschaft produzieren, wenn man sie mit Fischen aus Wildfängen füttert? Welche neuen Konzepte sollen die Aquakultur zukunftsfähig machen?
Slow Food Deutschland e.V. lädt herzlich ein, diese und weitere Fragen rund um die Fischzucht bei einem Pressegespräch am Donnerstag, den 4. Dezember 2014 gemeinsam mit geladenen Experten zu diskutieren. Slow Food stellt in diesem Rahmen das neue Dossier von Manfred Kriener mit dem Titel „Fisch in Seenot – Aquakultur als Ausweg?“ vor. Neben harten Fakten werden im Anschluss an das Gespräch knusprig gebratene Karpfen-Häppchen aus nachhaltiger Teichwirtschaft serviert.
Teilnehmer/innen:
Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende Slow Food Deutschland e.V.
Manfred Kriener, Autor des Dossiers „Fisch in Seenot – Aquakultur als Ausweg?“
Michael Beier, Vorstand Heinz Sielmann Stiftung
Francisco Marí, Brot für die Welt, Referent Agrarhandel und Fischerei
PD Dr. Werner Kratz, FU Berlin, Aquakulturexperte und 2. Vorsitzender NABU Brandenburg
Datum: 4. Dezember 2014
Uhrzeit: 11.00 Uhr
Ort: Restaurant AIGNER am Gendarmenmarkt
Französische Straße 25
10117 Berlin
Im Billardzimmer
Bitte melden Sie sich bis Dienstag, den 2. Dezember, bei KOMPAKTMEDIEN per E-Mail unter presse@kompaktmedien.de oder telefonisch unter 030/30 88 11 31 an.
Mehr Informationen:
Aquakultur und Teichwirtschaft
Slow Thema: Nachhaltige Fischerei
Fisch in Seenot – Aquakultur als Ausweg?
26.11.2014 - Slow Food präsentiert ein Dossier zur Fischzucht in Teichen, Tanks und Netzkäfigen: Während der Wildfang im Meer stagniert, kommt immer mehr Fisch aus Aquakulturen. Und: Der Lachs wird zum Vegetarier, der Afro-Wels zum neuen Masthuhn und der Kormoran zum Karpfenkiller.
Es ist ein Weltrekord mit Ansage. Die globale Fischproduktion aus Aquakulturen hat eine weitere saftige Bestleistung hingelegt. Der Weltfischereireport 2014 der Welternährungsorganisation FAO beziffert die Menge der aus Teichen, Netzkäfigen, Tanks und Becken verkauften Fische, Muscheln und Krustentiere für das Jahr 2012 auf 66,6 Millionen Tonnen. Auch die Schätzung für 2013 liegt jetzt auf dem Tisch: 70,5 Millionen Tonnen. Die nächste Rekordmarke. Mit fast naturgesetzlicher Regelmäßigkeit schießt die Fischproduktion der Aquakulturen in schwindelerregende Höhen. Nominal übertreffen die Wildfänge aus dem Meer (79,9 Millionen Tonnen) zwar noch die Zahlen der Aquakultur. Doch in Wahrheit essen wir schon jetzt mehr Fisch aus der Zucht als aus dem Meer. Denn mehr als zehn Millionen Tonnen der Meeres-Wildfänge landen nicht auf unserem Teller, sondern werden zu Fischfutter verarbeitet – für die Aquakultur!
Submarine Bauernhöfe
Vollkommen geräuschlos und weitgehend unbemerkt haben also die „Bauernhöfe unter Wasser“ Platz eins erobert. Bei den Wildfängen aus dem Meer sorgt die jahrzehntelange Überfischung dagegen für stagnierende Erträge. Aber: Wie nachhaltig ist die Aquakultur? Kann man sinnvoll Fische in Gefangenschaft produzieren, wenn man sie mit Fischen aus Wildfängen füttert? Und: Welche neuen Konzepte werden diskutiert, um die Aquakultur zukunftsfähig zu machen? Slow Food präsentiert Ihnen dazu ein Dossier mit spannenden Fakten und Analysen zur Aquakultur:
Warum man Raubfische zu Vegetariern macht
Um den Fischverbrauch der Lachse, Doraden oder Wolfsbarsche in den Netzkäfigen zu reduzieren, werden Fischmehle und Fischöl zunehmend durch Soja, Hülsenfrüchte, Mais und Weizen oder durch Eiweiß-Rückstände aus der Biodiesel-Herstellung ersetzt.
Wenn Fische durch die Maschen schlüpfen
Hunderttausende Zuchtfische entkommen Jahr für Jahr bei Stürmen und durch Löcher im Netz aus den Netzkäfigen und bringen ihr degeneriertes Erbmaterial in die viel fitteren Wildpopulationen ein. Ein einziger Tsunami „befreite“ am 21. April 2007 im chilenischen Aysén-Fjord fünf Millionen Lachse. In einigen Flüssen Schottlands oder Norwegens schwimmen mehr Zucht- als Wildlachse.
Warum Mangroven den Garnelen weichen müssen
Pestizid- und Medikamenteneinsatz in der Garnelenzucht in Entwicklungsländern ist für die Zerstörung der für den Artenreichtum der Meere wichtigen Mangrovenwälder mitverantwortlich. In Ekuador und Bangladesch gehen 40 Prozent der Zerstörung auf die intensive Aquakultur zurück. Zusätzlich werden Menschen- und Arbeitsrechte in Zucht und Verarbeitung massiv verletzt.
Was der Afrikanische Wels in Niedersachsen treibt
Landgestützte Aquakulturen in geschlossenen Kreislaufanlagen sind der neue Trend. Die Fische werden in Tanks und Becken an Land gehalten wie in einem großen Aquarium. Wo eine Scheune ist, kann auch eine Aquakultur sein. In Niedersachsen hat sich die Zahl der Betriebe mit geschlossenen Kreislaufanlagen verdoppelt. Der Liebling in den Wasserbecken ist der Afrikanische Wels. Der dicke Brummer ist das neue Masthuhn – so robust, dass ihn auch schlecht ausgebildete Fischhalter nicht umbringen können.
Warum das schillerndste Projekt der Aquakultur Pleite ist
In Völklingen wollte die Aquakultur auf zu neuen Ufern. 600 Kilometer von der Küste entfernt sollten Meeresfische im großen Stil in einer Betonhalle mit vier riesigen Becken gehalten werden. Jetzt steht das spektakuläre Projekt vor der Pleite.
Warum die gute alte Teichwirtschaft bedroht ist
Die nachhaltigste Form der Aquakultur ist Jahrtausende alt: die Teichwirtschaft. Doch die Zahl der mit Karpfen, Forellen und anderen Süßwasserfischen besetzten und bewirtschafteten Teiche geht dramatisch zurück. Ärger mit den Behörden, Dauerattacken der Fischräuber, Absatzprobleme und anderes mehr nerven die Betreiber.
Zu diesen und anderen Fragen diskutiert Slow Food mit geladenen Experten. Wir servieren harte Fakten und knusprig gebratene Karpfen-Häppchen, die zeigen, dass der „Dicke“ aus unseren Teichen viel besser ist als sein Ruf. Und: Slow Food wird seine Forderungen für eine vernünftige, also nachhaltige Aquakultur vorstellen. „Kommen Sie zuhauf mit gewaschenen Füßen und klarem Kopf etc. pp“ – wünscht sich Manfred Kriener, Autor des Slow Food-Dossiers „Fisch in Seenot – Aquakultur als Ausweg?“.