Hitzesommer 2026: Wie wird die Fischerei klimafest?

11.09.2026 - Nach dem Hitzesommer 2026: Wie Teichwirte, Fischer und Forscher mit Kühlpools, Schwimmsolar und Noteinsätzen ihre Gewässer vor der nächsten Hitzewelle schützen.

Die heftigen Hitzewellen des Sommers 2026 haben Menschen, Tieren und der Natur massiv zugesetzt: 16.300 Hitzetote, im tiefen Südwesten mehr als 60 Tage über 30 Grad, dazu ausgetrocknete Flussläufe, streckenweise brach die Binnenschifffahrt zusammen. Auch die Fischerei – Meere, Seen, Flüsse und Bäche – litt unter Hitzestress. Wie Manfred Kriener in seiner Recherche zeigt, suchen Gewässerökolog*innen, Teichwirtschaften und Fischereiverbände inzwischen nach Schutzmaßnahmen. Es gibt durchaus pfiffige Konzepte, doch die Klimaanpassung ist aufwändig und manchmal auch teuer. Aber: Der nächste Sommer kommt bestimmt.

Wie verlor ein sächsischer Forellenhof seinen gesamten Bestand?

„Ich habe neue Fische geordert, nächste Woche ist unser Forellenhof wieder geöffnet", sagt Matthias Schnek, Fischwirt aus Döbeln in Sachsen. Schnek verkörpert einen Menschenschlag, den man gemeinhin als Stehaufmännchen bezeichnet. Sein Betrieb hat im brüllend heißen Juni den maximalen Knockout erlitten: Am 29. Juni verlor der Hof bei Außentemperaturen von über 40 Grad seinen gesamten Fischbestand. Der vom Flüsschen Zschopau gespeiste Mühlengraben, in dem Schnek seine Fische hält, wurde zur Todesfalle für 20.000 Regenbogenforellen. Das Wasser der Zschopau hatte historische 28,3 Grad erreicht, berichtet Schnek – zu viel für einen Kaltwasserfisch wie die Forelle, die sich bei 8 bis 18 Grad Wassertemperatur am wohlsten fühlt.

Der materielle Schaden lag bei über 100.000 Euro, für den Familienbetrieb existenzbedrohend – und ein mentaler Nackenschlag dazu. Vier Tage lang mussten tote Forellen aus dem Wasser gefischt und zur Tierkörperbeseitigungsanstalt gefahren werden. Das sächsische Landwirtschaftsministerium sprach von einem „einzelbetrieblichen Schadensfall" und verweigerte staatliche Nothilfe. Schnek startete daraufhin die Spendenkampagne „Fischer in Not" und sammelte mehr als 30.000 Euro ein.

Der 53-jährige Fischwirt will weitermachen, doch wie schützt er seine Forellen künftig vor Hitzewellen? Schatten spendende Solarpaneele wären grundsätzlich sinnvoll und würden sich langfristig amortisieren – Schnek kann sie sich aber nicht leisten. Stattdessen will er seinen Fischbesatz künftig so steuern, dass er den Betrieb im Hochsommer für zwei Monate schließen kann. „Mal sehen, wie ich damit über die Runden komme."

Das Forellensterben in Döbeln gehörte zu den spektakulärsten Fällen dieses Hitzesommers. Doch auch in anderen Regionen Deutschlands sind Millionen Fische, Amphibien und andere Wassertiere der Trockenheit und den hohen Temperaturen zum Opfer gefallen.

Motorboote als Notbelüftung: Wie reagierte Baden-Württemberg?

Mit 41,8 Grad in Möckern-Drewitz wurde im Juni in Sachsen-Anhalt ein neuer Allzeitrekord für Deutschland gemessen. Die über Monate heißeste Region war jedoch der Südwesten. Ingo Kramer, Biologe und Geschäftsführer des Fischereiverbandes Baden-Württemberg, erlebte eine Hitze, „die ich in meinen mehr als 30 Jahren beim Verband noch nie erlebt habe. Aber ich fürchte, das werde ich jetzt jedes Jahr sagen!" Viele Fließgewässer im Südwesten waren komplett ausgetrocknet. Bei stehenden Gewässern wurde mit Belüftern Sauerstoff eingepumpt – oder, auch das gab es, Motorboote fuhren im Kreis, um über das aufgewirbelte Wasser Sauerstoff einzutragen.

Kaltwasserpools in der Dreisam

Die durch das gleichnamige Freiburger Fußballstadion bekannte Dreisam verzeichnete Wassertemperaturen bis zu 32 Grad – für viele Fischarten, allen voran die dort heimischen Bachforellen, eigentlich tödlich. Doch schon 2022 wurden in der Dreisam sogenannte Kaltwasserpools angelegt: Vertiefungen mit Grundwasserzufluss. Helfer*innen liefen mit Thermometern den gesamten Fluss ab, um kühle Stellen zu finden, berichtet Kramer. An solchen Abschnitten tritt 10 bis 12 Grad kaltes Grundwasser aus. Genau dort, etwa bei der Brauerei Ganter im Freiburger Stadtgebiet, wurden tiefe Löcher ausgebaggert und Pools angelegt. Darin mischt sich warmes Flusswasser ständig mit kaltem Grundwasser und schafft so einen effektiven Hitzeschutz für die Fische – leider auch für Anwohner*innen, die den Pool anfangs als Badewanne nutzten. Inzwischen herrscht Badeverbot. Der Erfolg sei am Fischreichtum abzulesen, sagt Kramer: „Die biologische Vielfalt hat sich gewaltig erhöht", vor allem die empfindlichen Bachforellen hätten kräftig zugelegt.

Drohnen suchen kaltes Wasser

Inzwischen fragen viele Bundesländer bei Kramer Know-how ab. Weitere Pools an anderen Flüssen in Baden-Württemberg sind in Planung. Die dafür geeigneten Kaltwasserstellen lassen sich mittlerweile per Drohne aufspüren, die mit Wärmebildkameras den Fluss überfliegen.

Kann schwimmende Solarenergie Teiche kühlen?

Bei stehenden Gewässern, vor allem größeren Teichen, wird die sogenannte Floating Photovoltaik – schwimmende Solarpaneele – als Schutzmaßnahme immer häufiger diskutiert. Sie spendet Schatten und erzeugt gleichzeitig Strom, der Fischwirt*innen Einnahmen bringt. Kramer sieht weitere Vorteile: Der erzeugte Strom lässt sich für Belüftungsaggregate zur Sauerstoffzufuhr nutzen, und unter den Solarzellen können Totholzbündel und andere Strukturen ideale Versteckmöglichkeiten für Fische bieten.

Kreisförmige Beschattungselemente auf einem Teich aus der Vogelperspektive
Beschattungsversuch in der Teichlandschaft im bayerischen Germsdorf. Nur 15 Prozent der Teichfläche dürfen nach dem Wasserhaushaltsgesetz bedeckt werden (c) Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Wie wappnet sich Bayerns Karpfenwirtschaft gegen die Hitze?

Weiter östlich, in Bayern, liegen besonders viele Teichwirtschaften: Mehr als 40 Prozent der deutschen Aquakulturbetriebe sind im Freistaat zuhause, vor allem die Karpfenzucht. In der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft koordiniert Martin Oberle die Karpfenteichwirtschaft. Der Karpfen als wärmeliebender Fisch mit einer Wohlfühltemperatur von 28 Grad sei in diesem Hitzesommer noch mit einem blauen Auge davongekommen, bilanziert Oberle. Vereinzelt habe es bei stark ausgetrockneten Teichen Noternten und Fischsterben gegeben. Hitzeopfer waren vor allem die in manchen Karpfenteichen als Beifisch gehaltenen Hechte. Zudem fanden Fischräuber wie Otter, Kormoran und Graureiher einen gut gedeckten Tisch: Vor allem die Reiher, so Oberle, hätten sich in den ausgetrockneten Gewässern bedient, weil sie bei niedrigem Wasserspiegel bequem im Teich stehen und leicht Beute machen konnten.

An Oberles Institut für Fischerei wird verstärkt an Strategien gegen die Überhitzung durch den Klimawandel geforscht. Seit drei Jahren laufen Beschattungsversuche an verschiedenen Teichen. Als Schattenspender dienen Styroporplatten, die allerdings nicht zu großflächig auf dem Wasser schwimmen dürfen, sagt Oberle – die Teiche brauchen die Sonneneinstrahlung, damit sich das für den ökologischen Kreislauf wichtige Plankton bilden kann. Der Einsatz schwimmender Solarpaneele sei dagegen kompliziert: Sie würden Fischwirt*innen zwar zusätzliche Einnahmen bringen, doch die rechtliche Lage ist schwierig, weil Flächennutzungspläne geändert und genehmigt werden müssten.

Karpfen-Rettung per Wasserwerfer

Unkomplizierter ist eine andere Nothilfe: An bayerischen Teichen wird jetzt gebaggert, um die Teiche zu vertiefen und die umliegenden Dämme zu erhöhen. So lässt sich im regenreichen Winter mehr Wasser speichern, sagt Oberle – Karpfenteiche als natürliche Regenrückhaltebecken. Der Hitzesommer brachte auch die Feuerwehr Langwied bei München in Bewegung: Als der dortige Karpfenteich im Glutofen des Sommers zur Pfütze geschrumpft war, rückte die Wehr aus, legte eine 200 Meter lange Saugleitung zum Langwieder See und brachte den Karpfenteich mit zwei Wasserwerfern wieder auf seinen normalen Pegelstand – ein kleiner Triumph in hitzigen Zeiten.


Weiterführende Links und Infos

Was kann ich selbst tun? Wer nachhaltigen Fisch kaufen möchte, findet über die Green-Spoons-Seiten und den Slow-Food-Genussführer Betriebe wie beispielsweise die Teichwirtschaft Ringpfeil oder die Forellenzucht Benecke in der Nähe.

Inhaltspezifische Aktionen