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Milchwirtschaft heute – kein Grund zum Feiern

Slow Food Osnabrück beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Milch. Besuche bei Produzenten haben zum Einem die wirtschaftlichen Probleme der Milchbauern aufgezeigt, zum Anderen aber auch die Möglichkeit, sich dem wirtschaftlichen Druck der großen Molkereien durch Selbstvermarktung und Milchveredelung zu entziehen. Auch die Selbstvermarkter sind immensen betriebswirtschaftlichen Belastungen ausgesetzt. Wenige Verbraucher sind selten bereit, die höhere Qualität monetär zu honorieren und bürokratische Belastungen, wie etwa die neue Düngeverordnung, werden für kleinere Betriebe immer aufwendiger und kaum mehr leistbar.

Dieses Jahr wird am 1. Juni zum 61. Mal der Tag der Milch begangen. Ein Anlass für Slow Food Osnabrück sich mit einem Dokumentarfilm und einer Podiumsdiskussion diesem Jubiläum kritisch zu nähern und damit auseinander zu setzen. Das Jubiläum wird von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in dreißig Ländern veranstaltet, um Milch als natürliches und gesundes Getränk zu bewerben. Wenn auch die Molkereiindustrie versucht, in unseren Köpfen eine Bullerbü-Idylle mit glücklichen Kühen zu inszenieren, sieht die Realität leider völlig anders aus. Die Milchviehhalter stehen unter immensem wirtschaftlichen Druck, die Milchkühe sind zu Hochleistungsaggregaten gezüchtet worden und die milchverarbeitenden Molkereien haben mehr Ähnlichkeit mit Raffinerien und anschließender Chemosynthese als mit Lebensmittelherstellung. 

Der Erzeugerpreis für Milch betrug 1990 0,32 €/kg Milch, 26 Jahre später, also 2016, betrug der Milchpreis trotz Preissteigerung – etwa 52% - nur noch 0,27 €/kg Milch. Die Betriebe mit Milchkuhhaltung in Deutschland gingen in dem Zeitraum von etwa 292.000 auf 69.000 zurück. Milch ist ein knallhart kalkulierter Rohstoff geworden, die benötigten Futtermittel und die Endprodukte werden weltweit gehandelt und der Milchbauer kommt dabei unter die Räder. 

Und der Verbraucher? In unseren Supermärkten werden die Schrankreihen mit Milchprodukten immer länger, aber sind diese in der Regel überzuckerten oder fettreichen Produkte noch das, was dem Bild des Glases gesunder Milch aus der Werbung entspricht? Eine steigende Weltbevölkerung muss mit Proteinen versorgt werden, aber ist der Export von Milchpulver nach Afrika bei gleichzeitiger Zerstörung dortiger Strukturen der richtige Weg? Müssen in Südamerika Regenwälder abgeholzt werden, um das Kraftfutter für unsere Turbokühe wachsen zu lassen? Über diese Fragen wollen wir am 1. Juni in der Lagerhalle in Osnabrück diskutieren. Wir werden mit Sicherheit keine befriedigenden Lösungen finden, aber wir können Nachdenklichkeit wecken und damit vielleicht auch das persönliche Konsumentenverhalten beeinflussen. Unter Beachtung der Slow Food Kriterien ‚Gut - Sauber - Fair‘ können wir uns ein bisschen gegen diesen allgemeinen Trend stemmen und damit regionale Produzenten unterstützen.     

1Finanztools https://www.finanz-tools.de/inflationsrechner-preissteigerung.php

 2Milch Industrie Verband  ‘Milchwirtschaft auf einen Blick‘ – Stand September 2017

 3Statista https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153056/umfrage/anzahl-der- milcherzeugenden-betriebe-in-deutschland-seit-2000/

   

Einen Überblick mit Berichten von vergangenen Veranstaltungen finden Sie in unserem Rückblick. (Im Aufbau.)

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