Adonis unter deutschen Schafrassen - Rhönschaf

Bei wunderschönem Wetter hatten wir, Mitglieder und Freunde der Slow Food Convivien Essen und Dortmund, eine besondere Freude: Wir konnten das Rhönschaf besuchen, in unserer „Ruhrgebietsrhön“ am Stadtrand von Essen, im Schafzuchthof der Familie Bassmann in Niederberg (Velbert).

Bernd und Doris Bassmann begrüßten uns dabei in traditioneller Schäferkleidung. Beim Besuch im Schafstall mit den Mutterschafen und auf der Weidewiese wurden alle Fragen rund um das Rhönschaf beantwortet.

Bei einer Erfrischung im Garten mit Saft aus selbstgemachtem Holundersirup und selbstgebrautem Bier zeigte uns Frau Bassmann, was man noch alles vom Rhönschaf z. B. von der Wolle machen kann – Hüte, Schals, Tücher, Sitzkissen u. v. m.. Erwähnenswert ist noch, dass die Familie Bassmann mit einer „Schäfchenschule“ Kindern aus dem Ruhrgebiet wissenswertes über Schafhaltung, über Wolle abseits der Hektik des Alltags vermittelt.

Das Fleisch vom Rhönlamm kann man bei der Familie Bassmann auch kaufen – ein Anruf zur Abklärung, wann gibt es was, reicht aus.

Natürlich wurden, wie es sich für echte Schäfer gehört, die wichtigsten Mitarbeiter, die beiden „Hüte“-Hunde (Border-Collies) ausreichend gewürdigt und konnten ihre Arbeit demonstrieren.

Mit Stolz wurde uns zum Abschluss unseres Besuches der prächtige Bock Heinz (in der Namensdeutung für mächtig) präsentiert – ein majestätischer Vertreter seiner Rasse. Da wurde dann offensichtlich:

Das Rhönschaf ist derAdonis unter den deutschen Schafrassen!

Hochbeinig, hornlos, schlichtwollig, ganz in weiß mit einem aparten, schwarzen, schmalen Nofretete-Kopf, unbewollt bis hinter die Ohren.

Das Rhönschaf ist eine der ältesten Nutztierrassen Deutschlands – die frühesten Unterlagen stammen aus der Schäferordnung der Stadt Tann in der Rhön von 1548. Es hat als eines der wenigen alten Landschafe die Einkreuzung mit spanischen Merinos (im 18 Jh.) überstanden und blieb in seinem „Rückzugsraum“ der Rhön (im hessisch-bayerisch-thüringischen Grenzgebiet) reinrassig erhalten.

Herausragende Eigenschaften des Rhönschafes sind die Widerstandsfähigkeit gegen niedrige Temperaturen, viele Niederschläge, hohe Wind- und Nebelhäufigkeit. Es eignet sich deshalb besonders zur „Landschaftspflege“ – das grazile, das allwetterfeste Rhönschaf gedeiht dabei sogar auf das Prächtigste.

Das Röhnschaf ist Luxus –  Luxus des Einfachen. Es hat von Natur aus alles, was die Gourmetküche braucht!

Berühmtheit erlangte es durch Napoleon, der sich 1813 bei seinem Rückzug in der Rhön aufhielt und so begeistert von dem Fleisch war, dass er den Export von der Rhön nach Paris veranlasste. Bis ins vergangene Jahrhundert wurde so das Fleisch vom Rhönschaf nicht nur in Pariser Restaurants und an französischen Höfen, sondern auch in Londoner Gourmet-Restaurants als „Mouton de la Reine (Fleisch der Königin)“ von Feinschmeckern besonders geschätzt.

Durch das langsame Wachstum bringt das Rhönschaf bei weitem nicht das Mastgewicht „moderner Hybridrassen“. Dafür ist das Fleisch vom Rhönlamm relativ kurzfaserig und daher besonders zart.

Dazu kommt, dass das Rhönschaf auf kräuterreichen Wiesen unterwegs ist, wodurch das Fleisch einen leicht würzigen Geschmack bekommt. Es erinnert an Wildgerichte – der von vielen als unangenehm empfundene Hammelgeruch tritt praktisch nicht auf.

Ein besonderer Vorteil gegenüber anderen Schafrassen ist, dass die Qualität des Fleisches mit zunehmendem Alter der Tiere nicht absinkt, sondern im Gegenteil noch zunimmt.

Auf Grund der Zartheit des Fleisches können Gerichte aus dem Rhönlamm auch kalt aufgetragen werden.

Schlussendlich konnten wir das Rhönlamm am Abend genießen – Jeannette Schnitzler, unsere Köchin des Rhönlamm-Menus, hatte Kleinigkeiten wie Mett vom Rhönlamm, Corned-„Beef“ vom Lamm, Salami vom Lamm zum Aperitif vorbereitet. Eine genussvolle Vorbereitung für das anschließende Menü, das sie uns zauberte:


 


 Jede einzelne Speise war authentisch im Geschmack, einfach köstlich! Regional, aber unbefangen und experimentierfreudig multi-kulturell, wie es dem Ruhrgebiet entspricht. Das Menu hat mehr Spaß auf das Rhönschaf aber vor allem auch auf Jeannette Schnitzlers Küche gemacht. So gab es großen Beifall für die bescheidene Köchin, aber auch für den hervorragenden Service, den Peter Schnitzler leitete.

Dass das „Schnitzlers – Restaurant & Catering“ zu den ausgewählten Gaststätten im „Slow Food Genussführer / Deutschland“ (erscheint Ende September 2013) gehört, war für alle teilnehmenden Gäste mehr als verständlich.

Das „Arche-Jahr 2013 – Essen, was man retten will !“ hat uns mit unserem Gast „Rhönschaf“ viel Wissenswertes und einen kulinarischen Höhepunkt vermittelt. Artenvielfalt bedeutet Geschmacksvielfalt – das konnten wir so hautnah erleben.

Manfred Weniger


"Ruhrgebietsrhön" Niederberg/Velbert 


                                                                                                                       Schäfer" - Familie Bassmann 


Heinz - der mächtige, prächtige Bock 


                                                                                           ... im Hof wird diskutiert und probiert .. 


Muttertiere im Stall


                                                                                                                 ... manchmal muss man nachhelfen ... 


 Weidebesichtigung mit Hundevorführung


                                                                                                           hochbeinig, hornlos, schlichtwollig, ganz in weiß mit einem aparten, schwarzen, schmalen Nofretete-Kopf, unbewollt bis hinter die Ohren ...


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