Weinbergsbesichtigung

Dem Heunisch auf der Spur

Was ist ein Heunisch? Mit dieser Frage könnte man nicht nur jeden Teilnehmer an einem Quiz verblüffen, sondern ebenso auch ausgemachte Weinfreunde in Verlegenheit bringen.  Alle Chancen, sie richtig zu beantworten, hätten aber die Slow Food-Mitglieder und –Gäste, die am 9. Juni mit dem Convivium Rheingau dem Weingut Georg Breuer in Rüdesheim einen Besuch abstatteten. In seinen Weingärten am Rüdesheimer Berg  wachsen dort in einer kleinen Parzelle Heunisch-Reben, die aus einem aufgelassenen Weingut stammen. In den Rheingau gelangte diese alte Rebsorte, aus der sowohl der Riesling als auch der Chardonnay hervorgegangen sein sollen, einst durch Karl den Großen.
 
In dieser Fürsorge für eine alte, schon fast vergessene Rebsorte drückt sich auch Philosophie des Weinguts aus, sich nicht nach Moden oder Marketing-Gags zu richten, sondern sich ausschließlich an den Erfordernissen zu orientieren, die für die Erzeugung qualitativ hochwertiger Weine ausschlaggebend sind. So werden die Weine z.B. nicht dann in Flaschen gefüllt, wenn irgendwelche Wein-Präsentationen anstehen, sondern wenn sie das richtige Reifestadium erreicht haben
 
Ausgebaut werden diese Weine vorzugsweise in großen Fässern aus einheimischer Eiche. Edelstahltanks dominieren den Keller des Weinguts ebenso wenig wie moderne Kellergerätschaft. Die Qualität des Weins, so Heinrich Breuers Philosophie, wird nicht im Keller, sondern im Weinberg gemacht. Der Arbeit dort gilt deshalb auch sein Hauptaugenmerk.
 
Welch vorzügliche Früchte die Arbeit dort zeitigt,  davon konnten sich die Slow Food-Mitglieder nach einem Rundgang durch einige der  Breuerschen Rebanlagen im Rüdesheimer Berg bei einer Weinprobe in Breuers Weinwelt überzeugen. Dort verkosteten sie neben zwei Gutsweinen aus dem Jahr 2004, die bei Breuer „Estate“ genannten werden, und einem 2003er Terra Montosa („hügliges Land“), eine Cuvée  von Zweitweinen aus den Spitzenlagen des Weinguts, sondern auch drei Weine aus eben diesen Lagen vom Rüdesheimer Berg Rottland und dem Rauenthaler Nonnenberg,
Eine Besonderheit stellte eine kleine Vertikalprobe dreier Jahrgänge des „Orleans“ dar, einer ebenfalls alten Rebsorte, der im Rheingau früher größere Bedeutung zukam, die aber durch den Riesling verdrängt worden ist.
 
Wer in Rüdesheim ist, kommt um die Drosselgasse nicht herum, und so ließen die Slow Food-Mitglieder den Abend in Breuers Rüdesheimer Schloss  ausklingen.

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