Ausflug ins Lengeltal

Lengeltal, Bährenmühle
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Ein Ausflug ins Lengeltal

(Text & Bilder von Miriam und Andreas Fuß)

Am 23.08.2008 war das Lengeltal in der Nähe von Frankenberg das Ziel eines Ausflugs des mittelhessischen Conviviums.
Maßgeblich an der Organisation beteiligt waren das Landhotel Bärenmühle in Gestalt von Frau Christiane Kohl.  Auf einer Wanderung durch das bezaubernde Lengeltal wollten wir die ortsansässigen Produzenten kennenlernen und dann bei einem gemeinsamen Menü in der Bärenmühle, die heimschen Spezialitäten verkosten. Startpunkt der Wanderung war das Örtchen Ellershausen.

Unter dem regenschützenden Scheunendach auf dem Gelände der Ellershäuser Schäferei begann die Wanderung mit interessanten Informationen zum Thema Schäferei. Der Bio-Betrieb mit dem Schwerpunkt Landschaftspflege hält rund 500 Schafe der Rassen Rhönschaf und Coburger Fuchsschaf. Die Tiere werden auf rund 120 Hektar Weidefläche in der Region Kellerwald gehütet. Die Lämmer wachsen so in natürlicher Weidehaltung heran. Außer Lammfleisch werden auch Lamm-Salami und Felle produziert.

Erste Stadion war die Schwäbisch Hällische Schweineherde von Bauer Martin Schöneweiß. Die Schweine verbringen das Ganze Jahr im Freien sind außerordentlich aktiv und erinnerten eher an junge Hundewelpen - sehr neugierig und verspielt.

Über die Wiesen und Felder ging es dann zu den jungen Zicklein von Herrn Holger Berg (Grüne Hügel). Diese waren sehr neugierig und freuten sich über unseren Besuch. Der Bio-Betrieb züchtet Milchziegen und hält rund 70 Tiere auf rund 25 Hektar Grünland um Ellershausen, die auf den Hügeln ein reiches Angebot kräftiger Gräser und Kräuter finden. Er produziert Ziegenmilch und Ziegenkäse mit natürlichem Fettgehalt von 45 bis 50 Prozent, erhältlich als Salatkäse, Camembert-Weichkäse und halbfester Schnittkäse. Außerdem gibt es verschiedene Käse-Varianten mit Zusatz von Bärlauch, Bockshornklee, grünem Pfeffer und Thymian.

Weiter ging es von einem heftigen Schauerregen überrascht und etwas klamm in den Kniekehlen zur Gänsewiese hinüber, und die Sonne lachte wieder!

Auf den einzelnen Statrionen der Wanderung gab es zahlreiche interessante Informationen, z. B. daß es bei der Freiland-Gänsehaltung für die Gesundheit der Tiere wichtig ist, daß ein Wasserbecken vorhanden ist, in dem die Tiere ihre Köpfe vollständig untertauchen können.

Danach kamen wir durch die wunderschöne Landschaft zur ersten Mühle, die - in ein Baugerüst gekleidet - derzeit liebevoll saniert wird; ein Teil des Anwesens wird dann ab Herbst als Museum zu besichtigen sein. Das alles konnte uns voller Begeisterung Frau Kohl erzählen, die ja im Lengeltal aufgewachsen ist.

Vorbei ging es an der Kuchenmühle, die keinesfalls den Namen von einer leckeren Kuchenbäckerei sondern vom letzten Müller Kuche hat; wir erfuhren viele interessanten Details über das einfache und beschwerliche Müllerdasein im 19. Jahrhundert

Wir freuten uns auf die nächste Stadion - der Bioland Hofkäserei Lengelhof: von Wind und Sonne wieder fast getrocknet, schauten wir dem - extra für uns organisierten - etwas anderen Almabtrieb der Ziegen zu - per altem PKW…
Im Stall ging es dann sehr ziegisch zu, denn ein wenig Revier-Streitigkeiten sind dort an der Tagesordnung, bevor es an den Melkstand geht.
Die Käserei war ein weiterer Höhepunkt. Mit berechtigtem Stolz präsentierte uns der Ziegenbauer Philipp Müller seine fertigen Käsesorten. Einige von uns nahmen die Gelegenheit wahr und deckten sich mit frischem Ziegenkäse ein.

Der Betrieb hält auf ca. 20 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche 80 Ziegen verschiedener Rassen. Sie finden auf den Weiden und den steilen, verbuschten Flächen im Lengeltal die ideale Nahrung, darunter würzige Kräuter, die der Qualität der Milch zugute kommen. Im Winter gibt es reine Heufütterung. Aus der Milch wird in der eigenen Käserei alle zwei Tage Rohmilch-Käse hergestellt, außerdem sind verschiedene Schnitt- und Hartkäse im Angebot. Von März bis Juni gibt es auch Fleisch vom Milch-Zicklein.
Wenn man sieht, wie viel Arbeit und Zeit es braucht, dann erfüllt es einen schon mit Hochachtung vor den Beteiligten. Im Rahmen des Abendmenues gab es für alle Teilnehmer Gelegenheit, diese Käsespezialitäten zu kosten.

Über Trockenwiesen und geschlängelte Wege wanderte die Gruppe weiter dem Ziel entgegen. Das Lengeltal steht großenteils unter Naturschutz und ist die Heimat seltener Pflanzen, darunter sind auch verschiedene Orchideenarten. Es liegt am Rande des Naturparks Kellerwald.

Wir erreichten alle etwas hungrig/durstig die Bärenmühle und freuten uns nach einem Glas Sekt auf das angekündigte Menue komponiert vom Küchenchef der Bärenmühle, Michael Peltier, aus den Produkten der Ellershäuser Nahrungsmittelproduzenten, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet.

  • Ziegenkäse vom Lengelhof im Crepesmantel an Blattsalat
  • Essenz von Tomate mit Gemüsestreifen
  • Geschmortes Milchzicklein und Lamm auf Bohnen-Cassoulet dazu Kartoffelgratin
  • Parfait von Ellershäuser Zwetschge
  • Käseauswahl vom Lengelhof und der Firma grüne Hügel



    Dazu gab es “Cremant`de Die als Aperitif und eine kleine feine Auswahl französischer, italienischer und deutscher Weine - sowie Bionade.

    Vor der Käseauswahl hatten wir Gelegenheit, einen Teil des liebevoll eingerichteten Landhotels Bärenmühle zu besichtigen. Dieses historische Mühlengehöft bietet heute in zwölf Zimmern, Suiten und Wohnungen, die stilvoll mit Antiquitäten und erlesenen Stoffen eingerichtet sind, Platz zur Übernachtung für 35 Personen. Ein Restaurant mit exquisiter Küche, eine Kachelofenhalle mit Kamin, ein Massageraum, ein Saunahaus, ein großer Schwimmteich sowie mehrere Fischteiche runden das  Angebot zum Urlaub im Reich der Stille ab.

    Für alle Beteiligten war es ein entspannender kurzweiliger Aufenthalt mit netten Gesprächen.
    Auch konnte mit den betroffenen Herstellern über die nicht immer einfache Situation einer gentechnikfreien genußorientierten Produktion und die Schwierigkeiten der Vermarktung gesprochen werden.

    Wir würden gleich morgen wieder mit ins Lengeltal fahren! Für alle die neuierig geworden sind, kann man die Adressen der Produzenten beim Marburger Convivium erfahren.