Was wir tun

Damit Sie uns besser kennenlernen können, informieren wir Sie hier in chronologischer Folge über diverse Aktivitäten von Slow Food in unserer Region! Einen Rückblick auf ausgewählte ältere Veranstaltungen finden Sie in der Menüleiste links.


Ein Besuch bei „Neue Meere"

garnele.png01.10.2021 – Einer der Orte an dem nur größte Optimisten mit dem Auftauchen von Garnelenschwärmen rechnen würden, ist sicherlich Gronau an der Leine. Nun, mit 24 Foodies, dass war unsere Obergrenze, sind wir das Wagnis eingegangen – und es hat sich gelohnt!

Einer der jungen engagierten Miteigentümer der „Neuen Meere”, Ludwig von Brockhausen, führte uns durch die Zucht und ließ keine Frage offen. Wir können an dieser Stelle unmöglich die Fülle der Informationen wiedergeben, wie dürfen statt dessen einfach auf die – auch über das Thema Garnele hinausgehende – Homepage verweisen.

Warum dieser Besuch? Slow Food ist zu Recht ein Vorkämpfer für regionale Produkte, fair sauber und gut. Zu Unrecht werden darunter häufig die angestammten, traditionell in der Umgebung angebauten oder aufgezogenen Produkte verstanden. Mit Regionalität nach unserem Verständnis sind aber durchaus auch Erzeugnisse aus anderen Regionen, Ländern oder Kontinenten gemeint, wenn sie hier in guter Qualität, sauber, also ohne dass sie hier nur unter großem energetischen Aufwand, hohem Einsatz von Antibiotika oder Pestiziden oder unmäßigem Landverbrauch und für die Erzeuger zu fairen Bedingungen produziert werden können. Ein Galloway-Rind beispielsweise muss nicht aus Irland eingeführt werden, es fühlt sich auch hier wohl.

Und so ist es auch mit den Gronauer Garnelen. Die Zucht ist aufgrund des Anlagensystems sehr ressourcenschonend und kann daher unter anderem antibiotikafrei erfolgen, ein großes Plus gegenüber eingeführter TK-Ware aus Zuchten in Vietnam oder Indonesien. Die Anlage ist auf eine Kapazität von ca. 27 Tonnen jährlich ausgelegt (zum Vergleich: Zuchtgarnelen aus Deutschland insgesamt ca. 100 t p.a., die „verzehrreife” Garnele wiegt ca. 25 g). Die Tiere werden nach dem Fang lediglich auf knapp über 0 Grad gekühlt und kommen vakuumiert in den Overnight-Versand, ein ebenso massiver Vorteil gegenüber den Wildfanggarnelen, die als TK-Ware aus Argentinien zu uns gelangen. Erste Experimente mit einer Schockfrostung laufen, da der Markt in diesem hochpreisigen Segment durchaus der Verwendung wegen, auch TK- und geschälte, entdarmte Ware verlangt. Schade, eigentlich ist der Geschmack der topfrischen Garnelen durch nichts zu überbieten. Übrigens sind die Produkte demnächst auch bei der Deutschen See und im hannoverschen Raum bei Edeka Wucherpfennig zu erhalten.

Apropos Geschmack: beim anschließenden Garnelenbuffet eines ebenso erfahrenen wie charmanten spanischen Kochs, ließ sich die Bandbreite der Garnelenzubereitung erahnen und erschmecken.


Lühnder Freilandhähnchen – Weiderind Große Freie

freilandhähnchen.png27.08.2021 – Bei überraschendem schönem Wetter konnten wir zu Besuch sein auf dem Betrieb Ahlwes in Lühnde. Das Ehepaar Ahlwes hat uns sehr herzlich empfangen und wir durften ihren vielseitigen Betrieb mit Hofladen, Hühnern und Rindern kennenlernen. Bei der Führung konnten wir erfahren, wie es zu diesen außergewöhnlichen Betriebstrukturen kam. Zunächst kam zum landwirtschaftlichen Familienbetrieb neben dem Ackerbau die Freilandhaltung der Hühner, die Lühnder Freilandhähnchen, artgerecht in Mobilställen gehalten und direkt vermarktet über den eigenen Hofladen, der nur zu den Schlachtterminen öffnet!

Zusätzlich ist der Betrieb auch an der Betriebsgemeinschaft BioBördeland GbR beteiligt, gemeinsam wird in diesem Betrieb eine Vielzahl von Feldfrüchten in Bio-Qualität angebaut, in der Fruchtfolge ist Kleegras eine wichtige Komponente und um den Kreislauf zu schließen wurde der neuste Betriebszweig geschaffen: regional produziertes Bio-Rindfleisch in der Weiderind Große Freie GbR. Eine Mutterkuh-Herde wurde übernommen und der Betrieb auf Bio umgestellt. Dies ist in der Tierhaltung ein langer und komplexer Prozess, der gerade erst abgeschlossen ist. Neben der bestehenden Mutterkuh-Herde mit Nachzucht, kauft der Betrieb von einer Handvoll weiteren Bio-Betrieben Absetzer (das sind 6 bis 8 Monate alte Jungbullen) zu. Auch dies ist wieder eine sehr sinnbringende Kooperation, da für viele reine Grünlandbetriebe die Bullenmast eine große Herausforderung ist. Die Futtergrundlage neben der Weide ist vor allem für die Endmast Kleegras, silierter Biertreber aus der Ernst-August Brauerei und Getreide, alles regional und Bio.

Nachdem die Vermarktung der Hühner über den Hofladen sich gut etabliert hat, ist die aktuelle Herausforderung die Vermarktung der Rinder, ein Schlachthof und ein Metzger die den Weg Bio mitgehen und regional sind, wurden nach mehreren Anläufen gefunden. Die Metzgerei Handke ist mit im Boot und gemeinsam wurden schon viele Erfahrungen in der Vermarktung und Verarbeitung gesammelt. Das Konzept der Fleischpakte ist nur noch ein kleiner Bestandteil der Vermarktung, anstatt dessen werden dem unterschiedlichen Zuschnitte portioniert zwischen 300 g und 3 kg. So können alle Teile des Rindes in zum Teil außergewöhnliche Zuschnitte verkauft werden, so dass auch im Sommer in der Grillsaison das ganze Tier vermarktet werden kann. Um nur ein Beispiel zu nennen, wird das Bürgermeisterstück, ein in Deutschland klassisches Suppenfleisch zum Trip-Tip Steak, weitere spannende Zuschnitte wie zum Beispiel ein Spider Steak sind erhältlich.

Herr Ahlwes hat uns einen tiefen Einblick gegeben, welche großen Herausforderung aber auch Chancen die regionale Vermarktung bieten und hier wirklich der Verbraucher die Chance hat mitzuentscheiden. Ein Beispiel ist die Frage die sich dieser Betrieb immer wieder stellt, können auch die Hähnchen auf Bio umgestellt werden, zahlen die Verbraucher den Preis der höheren Futterkosten?

Zum Abschluss ging es nach der spannenden Führung bei den Rindern und Hühnchen zum Hofladen und wir wurden sehr herzlich und lecker bewirtet mit dreierlei Würstchen vom Huhn und Rind vom Grill, Bio-Limo, Bio-Bier und selbstgemachtem Ketchup und etwas Süßem zum Abschluss gab es von der Hofmolkerei Tecklenburg! Natürlich hat der ein oder andere die verschiedene Fleischspezialitäten von Rind und Huhn mit nach Hause genommen, um auch diese im Selbstversuch zu testen!


Permakultur Kirchhorst

PEKK Salat.JPG10.07.2021 – Wir besuchten diesen Sommer eine einzigartige „Natürliche Landwirtschaft“: die PeKK – Permakultur Kirchhorst. Bei der Führung konnten wir erfahren, was ist eigentlich Permakultur und wie ist diese Fläche mit einer außergewöhnlich großen Biodiversität am Rande eines Gewerbegebietes bei Hannover entstanden.

Permakultur ist eine natürliche Landwirtschaft ohne Spritzen und Düngen, also eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Wenn gedüngt werden muss, dann durch die Tiere oder durch den Kompost und Mulchmaterial, das überall auf den Beeten und Gewächshäusern verteilt wird. Zudem ist Permakultur ein in sich geschlossener Kreislauf, der sich ständig selbst erneuert.

Begonnen hat hier alles mit einer nicht mehr genutzten landwirtschaftlichen Fläche von 2,4 ha mit einigen Bäumen. Der trockene Sommer 2013 führte Birga Mazur-Rodak und Thomas Mazur zu einer Suche nach alternativen Bewirtschaftungsformen und die Entdeckung sowie Begeisterung für die Permakultur. 2019 fing Felix Zlatkovic bei ihnen an, der sich als Gärtner schon intensiv mit Permakultur beschäftigt hatte und so nahm das Projekt neuen Schwung auf.

Es entstand u. a. ein Marketgarden mit rund 100 Beeten, wo selten zwei gleiche Gemüsearten nebeneinander stehen. Falls ein Beet von Schädlingen befallen wird, greift es dadurch nicht sofort auf das nächste Beet über. So stehen hier z. B. Knoblauch, Asiatischer Kohl, Radieschen, Mairübchen, Spinat, Grünkohl, Rote Bete, Karotten, Kräuter und an die 60 unterschiedliche Salatsorten nebeneinander.

Neben dem Marketgarden gibt es ein Hühnermobil, das alle zwei Tage versetzt wird. Zudem kommt es nicht zu einer Überdüngung des Bodens durch Hühnerkot. Für genügend Fleisch ohne Medikamentenbeigabe sorgen drei Rotbunte Husumer Schweine und einige Kamerunschafe. Weiter entsteht gerade ein Gewächshaus, das als Anzuchthaus für Jungpflanzen genutzt wird.

Das Nicht-Umgraben des Bodens – einmal von den Schweinen abgesehen – führt dazu, dass viele Nährstoffe im Boden verbleiben können. Weitere Vorteile sind ein gesunder Bodenaufbau, längeres Halten von Feuchtigkeit im Boden und Wärmespeicherung, um eine frühere Ernte zu ermöglichen. Jegliches Umgraben führt auch zur Freisetzung von CO2 und zerstört die Bodenstrukturen und die Qualität des Bodens. Durch das Nicht-Umgraben wird CO2 im Boden gebunden, es gelangt nicht an die Luft und diese regenerative Landwirtschaft führt dadurch zu einer Verbesserung unseres Klimas.

Vermarktet werden die Erzeugnisse im Direktverkauf sowie an einige regionale Gastronomen, die nach Produkten außerhalb der Norm suchen. Der Großteil der Kundschaft sind aber nicht Köche, sondern Liebhaber des leckeren Gemüses und des guten Geschmacks.

Seit letztem Jahr gibt es zudem die „Klecker-App“ zur Bestellung der Produkte. „Klecker“ kommt von klimaneutral und lecker. Auf diese App kommen nur Landwirte, die ihre Produkte klimaneutral produzieren.


Virtueller Hofbesuch auf dem Adolphshof

29.05.2021 – Es gab einen besonderen Anlass für unseren virtuellen Besuch auf den Adolphshof: Der Hof hat einen bemerkenswerten Schritt in Richtung tierwohlbasierter Rinderhaltung getan.

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29.05.2021 – Es gab einen besonderen Anlass für unseren virtuellen Besuch auf den Adolphshof: Der Hof hat einen bemerkenswerten Schritt in Richtung tierwohlbasierter Rinderhaltung getan.

Er hat sich der „Jungrind-Connection“ angeschlossen, einem Zusammenschluss mit dem Ziel, einer besonders tiergerechten Aufzucht der Rinder auf den Höfen zu ermöglichen. Wo liegt das Problem: Wo Milch und Käse produziert werden, gibt es viele Kälber, und zu oft landen diese in einem konventionellen nicht tiergerechten System! Ab sofort werden alle Kälber des Gut Adolphshofes mutter- bzw. ammengebunden aufgezogen. Die Technik klappte, und wir haben am 28. Mai viel erfahren über das neue Projekt. Trotz dieser neuen Möglichkeiten hat es natürlich gefehlt, den Besuch mit allen Sinnen genießen zu dürfen, den Stall zu riechen und die Produkte zu verkosten! Um das nachzuholen, empfehlen wir einen Spaziergang über den Adolphshof.

Das Ergebnis dieses Aufzuchtprogramm, ist auch eine neue Spezialität im Sortiment: Jungrindfleisch! Das Fleischpaket ist über den Direktvertrieb im neuen Online-Shop erhältlich. Da ein Fleischpaket auch eine besondere Herausforderung in der Küche ist, haben wir uns den Inhalt gemeinsam genauer angeschaut und auch den einen oder anderen Vorschlag für eine leckere Verwendung präsentiert! 
Speziell für dieses Produkt „Jungrindfleisch” wurden auch für den Demeter-Verband Rezepte entwickelt, die die besondere Qualität des Fleisches zur Geltung bringen, schaut mal hier.


Austausch mit dem Landvolk Niedersachsen

05.05.2021 – Neue Herausforderungen und alte Baustellen: Die Landwirtschaft zwischen Weltmarkt und steigenden gesellschaftlichen Anforderung

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Bei unserer Mitgliederversammlung im März 2021 haben wir den Austausch mit dem Landvolkpräsidenten Dr. Holger Hennies gesucht. Nun stellt sich für einige wohl erstmal die Frage wer oder was ist das Landvolk überhaupt? Das Landvolk ist die Interessensvertretung der niedersächsischen Landwirtschaft, der Landesbauernverband Niedersachsens mit 70.000 Mitgliedern. Man kann es schon als eine kleine Sensation bezeichnen, dass das Landvolk Niedersachsens seit 2021 einen neuen Präsidenten aus der Region Hannover, aus Schwübslingen, hat, der neben Ackerbau in einer Betriebsgemeinschaft, auch einen MitMachHof und Weideschweinhaltung betreibt. Als Landvolk Vertreter Hannover ist Hennies regional schon lange aktiv bei der Gründung des Ernährungsrates beteiligt und als Landvolkpräsident hat er bereits den niedersächsischen Weg mitverhandelt und mitunterzeichnet.

Nach einer kurzen Vorstellung Seinerseits, ging es um das Problem der Lebensmittelpreise und der Marktmacht des Einzelhandels, um das Insektensterben und den Niedersächsischen Weg, um die Düngeverordnung aber auch um die Handlungsmöglichkeiten der Landwirtschaft und die Forderungen an die Politik, und auch konkret um die Frage: Was können wir regional tun? Viele Slow Food Positionen und Ziele sind natürlich nicht deckungsgleich mit denen des Landvolkes, aber umso wichtiger ist der Austausch, um zu wissen, wo wir stehen und um die Probleme der Landwirtschaft zu verstehen! Der nächste Schritt ist, dass wir uns Gedanken machen: Wie werden wir aktiv? Wie können wir, die Entwicklung hin zu einer eine nachhaltigere Landwirtschaft, insbesondere auf regionaler Ebene, mitgestalten? 
Mehr über den Vortrag und ein paar Slow Food Gedanken dazu gibt es hier.


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