Bei uns: drei Presidi

Presidio sind Erzeuger-Vereinigungen mit gemeinsam beschlossenen Regeln zum Erhalt des/der traditionsreichen Produktes/Produkte

Ein Presidio schützt und fördert

fotoarchiv_mainfranken-sf_foundationlogo.pngSie sind eigenständige, von Slow Food unabhängige Organisationen, aber gefördert weltweit von der Stiftung Slow Food Foundation for Biodiversity mit Sitz in Florenz und Bra. Was ist ein Presidio? Es ist der Zusammenschluss von Erzeugern, eine Produktionsgemeinschaft für ein oder mehrere Produkte. Weltweit gibt es (Februar 2019) 575 Presidi in vier Kontinenten: Europa, die Amerikas, Asien und Afrika - in 71 Ländern. In Europa und im amerikanischen Doppelkontinent in fast jedem Land. Die meisten Presidi sind europäisch, Italien alleine ist aktuell mit 312 Presidi vertreten, Schweiz mit 22 und Frankreich mit 21; sie belegen die Plätze 2 und 3. In Deutschland sind es seit Jahren nur 5, darunter 3 auch aus unserer Region: Bamberger Hörnla g.g.A., Fränkischer Grünkern g.U. und Weideochse vom Limpurger Rind g.U. Im Gegensatz zur Praxis aller anderen Länder besteht Slow Food Deutschland e.V. darauf, solche Presidi nur für Produkte der Arche des Geschmacks zuzulassen. Leider.
   Was tut ein Presidio? Es betreibt aktive Förder- und Schutzaufgaben für sein(e) Produkt(e) mit den Zielen, a) den Erzeugern ein angemessenes Einkommen zu sichern, b) die Qualität optimieren, c) das Produkt (die Produkte) langfristig zu erhalten. Ein Slow Food Mitglied unterstützt als Koordinator die von Slow Food gewünschte Entwicklung zu Gut.Sauber.Fair. Dazu gehören diese Aufgaben:
   1. Produktionstechniken festlegen und verbindlich einführen. 2. Produkten eine tragfähige Zukunft gewährleisten. 3. Werben für die handwerklich hergestellten Produkte. 4. Fördern ökologisch vertretbaren Tourismus, lokale Kultur respektierend und Produktionsstätten nutzend. 5. Geschmackserziehung der Konsumenten zum Bevorzugen von Qualitätsprodukten.

Presidio Weideochse vom Limpurger Rind g.U.

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Es sind die so köstlichen Ochsen (Foto: © Hendrik Haase), die den Erhalt dieser ältesten Rinderrasse Württembergs garantieren: Ihre Existenz als kulinarischer Höhepunkt schafft Nachfrage. Erfahrene Geschmackstester beschreiben das Fleisch so:
"Sehr saftig, zarte Textur mit gutem Biss, buttrig-sahnige Geschmeidigkeit im Mund; klares, reines Rindfleischaroma, vollmundig, harmonisch und komplex, durch Wiesenaromen und milde Süße abgerundet; klarer, kraftvoller, hocharomatischer und nachhaltiger Rindfleischgeruch mit karamellig-würzigen Noten beim gebratenen Fleisch".

Heute gibt es wieder vier Zuchtlinien, das Herdbuch zählt über 500 Kühe. Die Aufzucht und die Haltung der Ochsen sind streng geregelt. Ein eingetragenes Markenzeichen (unten rechts) und das höchste europäische Qualitätszeichen - Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) - garantieren die außergewöhnliche Qualität.      

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Links: EU-Schutzzeichen

Rechts: Geschützte Marke des Produkts

Das Presidio ist der Förderverein Limpurger Rind "Schutzgemeinschaft Weideochse vom Limpurger Rind g.U." e.V.. Seine Aufgabe: Sichern der Reinrassigkeit, der Herkunft aus dem Schutzgebiet, der Herde-Weidehaltung mit vorgeschriebenem Futter und einer Mindestlebensdauer von 30 Monaten;  34 - 36 und mehr Monate alt werden sie gewöhnlich. Gegenwärtig werden ca. 55 - 60 Ochsen/Jahr geschlachtet. Mitglieder des Fördervereins können nur in der Schutzregion ansässige Züchter und Halter dieser Weideochsen sein. Der Förderverein ist ein Verein der Züchtergemeinschaft Limpurger Rind e.V.. 

Presidio Bamberger Hörnla g.g.A.

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Das Bamberger Hörnla (Dialekt, auch Hörnle, Hörnchen) ist auch außerhalb Frankens bekannt wie kaum eine andere deutsche Kartoffelsorte. Niemals züchterisch bearbeitet, ist sie im gewerblichen Anbau zur Liebhaberei verkümmert, entspricht sie doch nicht den Bedingungen des Handels und erfordert vom Landwirt mehr Arbeit als andere Kartoffelsorten. Seit 2009 ist die Sorte als internationales Slow Food Presidio anerkannt und erreichte 2012 die Anerkennung vom staatlichen Sortenamt als Erhaltungssorte; Ende 2013 auch das europäische Qualitätssiegel g.g.A. (geschützte geografische Angabe). (Foto: Holger Riegel (Kartoffel), Montage: HWB)

Das Presidio manifestiert sich im Förderverein Bamberger Hörnla in Franken e.V.; seine Ziele: • Züchtung für gesundes Pflanzgut,  • mehr Anbauflächen in Franken, • fördern des Bio-Anbaues in Franken, • bessere Werbung und Vermarktung, • Erzeuger und Förderer in Franken gewinnen.

Wichtige Aktivitäten und Erfolge: • Vergleichsanbau: Nach der Ernte eine Vergleichsverkostung der verwendeten Kartoffeln hinsichtlich Geschmack, Geruch, Fleischfarbe, Anbaumethode, Böden; die Sorte wurde züchterisch nie bearbeitet. • Enge Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für professionelle Qualitätssicherung und Erhaltungszüchtung (seit 2010 vom Freistaat Bayern aktiv gefördert). Seit der Zulassung als Erhaltungssorte im Jahr 2012 ist der Fortbestand des Bamberger Hörnla gesichert. • Die Sorte als registriertes Markenprodukt Bamberger Hörnchen - echt aus Franken seit 1844 verbessert die Vermarktung, ebenso das EU-Qualitätssiegel g.g.A. (geschützte geografische Angabe) seit 2013. Noch zu wenig fortgeschritten ist der natur- und klimaschützende Anbau. Bis heute sind es erst sechs, eher kleine handwerkliche Erzeuger, die bio-zertifiziert sind.

Presidio Fränkischer Grünkern g.U.

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Grünkern-Darrofen mit Beschicker Dietmar Hofmann © Demeterhof Steffen & Dietmar Hofmann

Es war das Convivium Slow Food Heilbronner Land, das den fränkischen Grünkern g.U. in die Arche des Geschmacks brachte und bis heute aktiv begleitet. Auch im Gebiet von Mainfranken_Hohenlohe wird viel Fränkischer Grünkern g.U. angebaut - und Demeter-Bauer Dietmar Hofmann, im Presidio, dem Förderverein Fränkischer Grünkern e.V., eine Führungsperson, ist in unserer Regionalgruppe Mitglied.

Das Presidio mit ca. 75 Bauern engagiert sich für Qualitätssicherung und Vermarktung und fördert nachhaltige Anbaumethoden. Produktionsgebiet: Das Bauland zwischen Hardheim (N), Mosbach (S), Buchen (W) und Boxberg (O); 

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