2006.07. Coffee to stay

Coffee to stay ...

„Der Kaffee muss heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel, süß wie die Liebe sein“ (Charles Maurice de Talleyrand)

... und, möchte man hinzufügen, von himmlischem Geschmack!

Wenn man in die Kunst des Kaffeegenusses eintauchen will, dann ist man in dem kleinen Eifelstädtchen Monschau genau richtig. Bei herrlichstem Sommerwetter zogen die Aachener Slow Foodies deshalb in die 800 Jahre alte, bereits von Franzosen, Preußen, Belgiern, Niederländern, Katholiken, Protestanten und Tuchfabrikanten heimgesuchte Stadt und machten erst mal eine (Kaffee)Pause: in dem 300 Jahre alten, äußerst liebevoll und stilsicher hergerichteten Stammhaus des 1862 gegründeten Unternehmens Wilhelm Maaßen.

Die Bohne

Dort zeigten Werner und Peter Maaßen, wie ein hochwertiges Produkt mit dem nötigen Respekt behandelt wird. Am Anfang ist die Bohne: Die Maaßen-Brüder verwenden ausschließlich Arabica-Kaffee’s, überwiegend aus Hochlagen. Die reifen nicht nur länger, sondern haben auch einen geringeren Koffein-Anteil und weniger Gerb- und Bitterstoffe. Zum Vergleich: die (oft in Industriekaffees verwendete) Robusta-Bohne enthält etwa doppelt so viel Koffein, hat aber deutlich weniger Aroma.

Die Röstung

Begonnen hatte man in der Kaffeerösterei Maaßen damals mit einem Kugelröster auf offenem Feuer. Später leistete man sich einen Gasmotor. Damit haben sich die Röstzeiten wesentlich verkürzt und die Qualität des Kaffees ist deutlich besser geworden. Auch heute noch rösten die Maaßen-Brüder den Rohkaffee nach überlieferter Methode (Foto 3): Um den gasbeheizten Trommelröster aus dem vergangenen Jahrhundert wurde es wohlig warm, als die Bohnen (Sorte Brasil) bei etwa 250 Grad langsam geröstet wurden. Nach etwa 18 Minuten (Stichprobe, Foto 5) wurden die Bohnen auf ein (mit kalter Luft angesaugtes) Sieb geschüttet, um den Röstvorgang sofort zu unterbrechen (Foto 6). Vorteil dieser schonenden Röstung: der Kaffee behält sein volles Aroma, hat aber nur noch geringe Restsäuren und Bitterstoffe.

Ganz anders der Industriekaffee: er wird in nur 4 Minuten bei Temperaturen zwischen 500 und 600 Grad(!) geröstet. Um einen möglichst hohen Ertrag zu erlangen, wird der so produzierte Kaffee nicht mit Luft, sondern mit Wasserdampf abgekühlt. Folge: die Feuchtigkeit macht die Bohnen „schwerer“. In der Monschauer Traditionsrösterei hingegen bleiben von 12 Kilo Rohkaffee nach der Röstung (durch die Trocknung) nur 10 Kilogramm übrig. Das ergibt (maximal!) 8.000 Packungen Kaffee im Monat. „Aldi“ zum Beispiel, so wusste es Caffeeröster Maaßen, lässt pro Tag 4 Millionen Pakete produzieren...

Der Geschmack

Aber nicht nur das traditionelle Röstverfahren unterscheidet die Kaffees der Monschauer Manufaktur von dem üblichen Industriekaffee. Es ist genauso und ganz besonders der Geschmack. Die Bohnen sind je nach Sorte mild oder kräftig, aber ohne die geringste Spur von Bitterkeit. Sie hinterlassen weder ein trockenes Gefühl im Mund, noch rufen sie unliebsame Reaktionen aus der Magengegend hervor! Das ändert sich auch nicht, wenn man mehr als einen Kaffee trinkt... Gesteigert wurde das Geschmackserlebnis durch die perfekte Ergänzung in Form von hochwertigen Kaffeepralinen ( Foto 9), Schokoladen, Trüffel, die, einmal in den Mund genommen, mit hochprozentigem Innenleben überraschen und „weißen Elefanten“, ausgesuchte Kaffeebohnen aus Brasilien, von belgischer Zartbitterschokolade umhüllt und in Puderzucker gewälzt...

Monschau zum Anbeißen

So gestärkt und energiegeladen machten sich die Schnecken anschließend auf, Monschau zu erkunden. Stadtführer Franz Peter Müsch war ein wunderbarer Begleiter, der die Perle der Eifel nicht nur kennt, sondern sie auch mit liebevoll-kritischen Augen betrachtet und damit viele aufschlussreiche und amüsante Geschichten zum Besten geben konnte! Zum Beispiel die von den Erbsen, die in den katholischen Häuschen wegen ihrer „Schieflage“ vom Teller gerollt wären, weshalb es dort nur Erbsensuppe gab. F. P. Müsch: „Esst Ihr so was eigentlich auch?“ W. Maaßen: „Ja sicher, wird sind doch keine Sekte“...

Einen gepflegten Espresso zum Abschluss

Erbsensuppe gab es nicht in der Hubertusklause, wo wir schließlich einkehrten. Dafür aber andere Köstlichkeiten à la carte oder Menü. Und zum Abschluss des gemütlichen Essens gab es natürlich einen - Espresso aus der Monschauer Caffeerösterei. Jeden anderen hätten die Schnecken nach diesem schmackhaften, abwechslungsreichen und an Urlaub erinnernden Tag wohl auch boykottiert!

Großen Dank an Peter und Werner Maaßen!


Silvia Andler. Monschau, 07.07.2006

Zur Rösterei

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