Nonnenberg-Auftakt zum Denkmaltag 2026
Ein langer Anlauf war nötig, um eine kleine Veranstaltung für einen denkmalgeschützten historischen Trockenmauer-Terrassenweinberg bei Bamberg auf die Beine zu stellen. Hilfreich dafür war der "Tag des offenen Denkmals" (jährlich zweiter Sonntag im September). Mit dem es gelang, das Abt-Degen-Weintal und die Gemeinde Ebelsbach sukzessive immer stärker für den kulturhistorischen Wert und damit für eine gemeinsame öffentliche Aktion für diese einmalig gestaltete Weinlandschaft zu begeistern. So dass Slow Food, das Weintal und die Gemeinde von nun an eine Arbeitsgemeinschaft bilden, die sich jetzt dauerhaft für Erhalt und Wiederbelebung der im Zickzack-Muster gebauten Fischgrät-Terrassen einsetzen möchte. Denn etliche der denkmalgeschützten Trockenmauer-Parzellen - in Steinbach "Schränke" gennant - sind bereits vom Verfall bedroht. Und in den teils schwer zugänglichen Hängen der Steillage geben absehbar immer mehr Winzer, zumeist Nebenerwerb, die Bewirtschaftung auf.
Slow Food versucht dabei Impulse zu geben, ein regionales Netzwerk um den Steinbacher Nonnenberg zu knüpfen und bestehende Strukturen und Betriebe mit spannenden, auch jungen Leuten in Kontakt zu bringen, die teils selbst Wein machen, das bald tun wollen oder sich generell für Weinkultur interessieren.
Zum Auftakt am 13. September gab es in Steinbach einen Slow-Food-Infostand zu historischen Weinlagen und Rebsorten, der vom Slow-Food-Weinbau-Betrieb Scholtens (Fatschenbrunn) mit einem Ausschank von Nonnenberg-Wein unterstützt wurde.
Drei thematische Rundgänge, die über den Tag verteilt waren, zogen trotz Regentag, jeweils zehn bis fünfzehn interessierte an. Und so führte Harald Spitzner aus Bamberg über uralte Winzertreppen und zeigte noch sichtbare Relikte der historischen Anlage. Mit Hartmut Scheuring aus Königsberg führte ein Spaziergang zum dort noch bestehenden historischen Fränkischen Satz, der um das Jahr 1925 im westlichen Nonnenberg gepflanzt wurde (identifiziert sind dort Grüner und Gelber Silvaner, Weißer Heunisch und Elbling, Müller-Thurgau, Trollinger, Blauer Kölner, Blauer Tokajer, Burgunder und Roter Gutedel sowie vermutlich Blauer Elbling). Und Katja Winter (Naturpark-Hassberge-Rangerin) beleuchtete die Flora und Fauna im einmaligen Trockenmauer-Lebensraum.
Aufgrund der Veranstaltung gibt es bereits Anfragen für weitere Rundgänge lokaler Vereine und Parteien, denen sich ein Mandatsträger aus dem Landtag und die Professur für Biodiversität und Ökosystemfunktionen aus Geisenheim anschließen wollen.
Ab 2027 wird zudem mit dem Landesamt für Denkmalpflege ein Kommunales Denkmalkonzept (KDK) erstellt, das seinen Fokus auf den Denkmalwert dieser historisch gestalteten Agrarlandschaft legen wird. Ziel ist neben der Bestandserfassung die Restauration beschädigter Mauerabschnitte. Und dafür sind finanzielle und personelle Hilfen bereits in Aussicht. Denkbar wäre in diesem Kontext auch die Schaffung eines Museumsweinbergs, der mit alten fränkischen Landsorten bepflanzt wird. Vielleicht auch ausschließlich mit alten Silvanersorten, die davon zeugen, dass Abt Alberich Degen - 1625 im Nachbarort Zeil geboren - einst den Silvaner nach Franken gebracht hat.
Begleitet wird Weiterarbeit nun vom Slow-Food "Nonnentreffen". Das jetzt an jedem ersten Donnerstag im Monat als lockere Stammtischrunde in der Weinwirtschaft Fischerei in Bamberg zusammen kommt. Und dabei die weiteren Schritte und Ideen für das Projekt mit Interessierten austauscht und koordiniert.